Essen

„Steeler Jungs“ mit umstrittener Parole bei Karnevalsumzug – Augenzeuge: So reagierten die Zuschauer

Die „Steeler Jungs“ nahmen als „Steeler Jecken“ am Karnevalsumzug in Essen Freisenbruch teil.
Die „Steeler Jungs“ nahmen als „Steeler Jecken“ am Karnevalsumzug in Essen Freisenbruch teil.
Foto: Freisenbrucher.de
  • Die „Steeler Jungs“ nahmen am Sonntag am Karnevalsumzug in Freisenbruch teil
  • Auf ihrem Wagen drohten sie mit einem umstrittenen Spruch
  • Bei Facebook werden sie gefeiert, Augenzeugen zeichnen ein anderes Bild

Essen. Kamelle fliegen durch die Luft. Helau tönt es von dem weißen Wagen, auf dem mehrere Männer in roten Pullis und Helmen stehen. Schlagermusik wummert aus den Boxen.

Der Karnevalsumzug am Sonntag in Essen-Freisenbruch unterscheidet sich augenscheinlich nicht von anderen Essener Stadtteilumzügen. Doch die „Steeler Jecken“ fallen auf. Dahinter verbergen sich die polizeibekannten „Steeler Jungs“. Die selbsternannte Bürgerwehr patroulliert seit einigen Monaten in unregelmäßigen Abständen durch den Stadtteil Steele.

Bei Facebook wird die rechte Gruppierung gefeiert für ihren Auftritt. Schaulustige zeichnen hingegen ein anderes Bild.

„Steeler Jungs“ mit deutlicher Drohung

Als die ersten Zuschauer entdecken, wer hinter dem närrischen Treiben steckt, kippt die Stimmung langsam. Das berichtet mehrere Augenzeugen, die den Zug besucht haben.

Die Aufschrift des Wagens ist eindeutig: „Schützt euch vor den Zecken - Helau...die Steeler Jecken“.

Eine Drohung an linke Aktivisten, wie dem Bündnis „Essen stellt sich quer“, das regelmäßig gegen die Donnerstagsspaziergänge der „Steeler Jungs“ demonstriert.

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• Mehr zum Thema:

Steeler Jungs laufen mit rechten Parolen bei Karnevalsumzug mit – große Aufregung um ihren Wagen

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„Viele konnten die Verbindung zu den 'Steeler Jungs' nicht auf Anhieb erkennen“

Es ist das erste mal, dass die „Steeler Jecken“ eine eigenen Wagen stellen. Schon in den Jahren zuvor haben einzelne Mitglieder den Umzug besucht, berichten Polizei und Besucher. Dabei kommen die meisten Mitglieder wohl nicht aus dem Stadtteil Freisenbruch.

Das Schild mit der Zecken-Aufschrift habe für Irritationen gesorgt, beschreibt ein Zuschauer die Situation am Sonntag. „Viele konnten die Verbindung zu den 'Steeler Jungs' nicht auf Anhieb erkennen.“ Vielmehr seien sie bewusst freundlich gewesen. Dennoch schlägt der Auftritt einigen Narren aufs Gemüt. „Ich denke je mehr es klar wurde, wer da mitläuft, umso gedrückter wurde die Stimmung“, meint einer, der anonym bleiben möchte.

>>> Wer sind die „Steeler Jungs“? Das sagt die Polizei

Karnevalsverein sieht sich arglistig getäuscht

Zuvor schon soll es Streit zwischen dem Veranstalter „Freisenbrucher Gänsereitern“ und den „Steeler Jecken“ gegeben haben. Sie sollen aufgefordert worden sein, dass gewaltverherrlichende Schild abzunehmen. Letztlich sollen sie sich darüber hinweg gesetzt haben, stellt der Vorsitzende Hans-Walter Röpke gegenüber dem WDR klar.

Er sieht sich arglistig getäuscht, weil der Wagen zuvor von einem Ehepaar angemeldet worden sei. Sie hätten angegeben, hauptsächlich mit Kindern und Frauen Kamelle werfen zu wollen.

Stadt Essen erwägt rechtliche Schritte

Die Stadt Essen, die lediglich die Verkehrstüchtigkeit der Wagen prüft, hätte den Zugführer sogar noch ausdrücklich darauf hingewiesen, „dass das in Rede stehende Schild nicht genutzt werden darf.“ - „Offensichtlich wurde dies nach Abnahme wieder angebracht“, vermutet eine Stadtsprecherin. Zusätzlich befand sich an der Vorderseite des Wagen ein Wappen der Stadt Essen. „Dies wird durch unser Rechtsamt geprüft“, so die Stadt, die von der Nutzung des Wappens nichts wusste.

Der Veranstalter kündigte rechtliche Schritte gegen die „Steeler Jungs“ an. Bei der Polizei ist bis Dienstag keine Anzeige eingegangen. Die „Steeler Jungs“ waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

 
 

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