Essen steckt sie alle in den Sack

In Sachen Sauberkeit haben die Essener den ein oder anderen etwas voraus. Sie kaufen jedes Jahr 200.000 Müllsäcke, um ihre Abfälle los zu werden, die nicht mehr in ihre graue Hausmüll-Tonne passen. Eine beachtliche Zahl, wenn man bedenkt, dass in der vergleichbaren Großstadt Düsseldorf die Stadtreinigung Awista letztes Jahr gerade mal 8.700 Müllsäcke los wurde.

Vielleicht liegt es ja am Preis. 2,50 Euro verlangt die EBE für einen 120 Liter großen „Stadt-Essen-Sack“. „Ein Schnäppchen“, findet EBE-Sprecherin Bettina Hellenkamp, wenn sie den Vergleich mit Düsseldorf zieht. Denn dort kostet der Sack glatt das Doppelte. In der Ruhr-Metropole kann er nicht nur im Recyclinghof Altenessen, sondern auch in mehr als 75 weiteren Verkaufsstellen erworben werden – vom Lotto-Laden bis zum Supermarkt. So geht der Sack weg wie warme Semmeln.

Schwer zu tragen daran haben allerdings die Müllmänner. Mehr als 20 Kilo dürfen nicht in die Tüte. „Tatsächlich werden die Säcke teilweise zu voll und damit zu schwer gemacht“, so die EBE-Sprecherin. Schließlich muss jeder Sack vom Straßenrand aufgehoben und in Sammelfahrzeuge gekippt werden. Spitze Gegenstände sind tabu. „Das wird jedoch zuweilen missachtet, so dass sich unsere Mitarbeiter beim Verladen schneiden und verletzen können“, kritisiert Bettina Hellenkamp.

Pfennigfuchser könnten gar auf die Idee kommen, Müllgebühren zu sparen. Zwar muss jeder eine graue Tonne bestellen – und für zehn bis 35 Liter pro Woche zahlen. Aber wer nur die kleinste 40-Liter-Tonne bestellt, obwohl er eigentlich eine 120-Liter-Tonne benötigt, die überschüssigen Abfälle in den Sack kippt und neben die graue Tonne stellt, spart glatt 88,40 Euro Gebühr im Jahr. Weil der 120-Liter-Sack umgerechnet um ein Mehrfaches billiger als die 120-Liter-Tonne ist. 52 Müllsäcke kosten 130 Euro, für eine 120-Liter-Tonne ist aber eine Jahresgebühr von 327,60 Euro fällig.

Doch da hat die Stadt einen Riegel vorgeschoben, um Missbrauch zu verhindern. Nach der Abfallwirtschaftssatzung muss eine größere Restmülltonne genommen und bezahlt werden, sobald regelmäßig mehr Abfall anfällt als in die Tonne reinpasst. Heißt: Wer ständig einen Müllsack neben seine Tonne stellt, fällt auf – und wird zum Umtausch gegen einen größeren Behälter aufgefordert. Nur „vorübergehend anfallende Abfallmengen“ dürfen in die Tüte. Bettina Hellenkamp: „Der Sack ist quasi eine Ergänzungsvariante, die Bürger benutzen können, falls ihre Tonne überfüllt ist. Das wird häufig bei Renovierungen oder dem berühmten Ausmisten gemacht. Zur Entsorgung darf er dann neben die eigene graue Tonne gestellt werden und die EBE-Mitarbeiter nehmen ihn am Abfuhrtag mit.“

Dort muss der Abfallsack übrigens auch hingestellt werden, falls er für Picknick-Ausflüge im Grünen benutzt wird. Im Park dürfen die „Stadt-Essen-Säcke“ nicht zurückgelassen werden. Sie müssen mit nach Hause genommen werden. Wem das zu umständlich ist, kann die Picknick-Abfälle in eine eigene Plastiktüte stecken und in einen leeren Papierkorb im Park werfen.

Hauptsache, es wird nichts daneben gekippt.

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