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Essen: Bande zockte halbe Millionen aus Geldtransporter – mit diesem Trick gelang der unglaubliche Coup

Geldtransporter-Bande vor Gericht in Essen

In Essen steht eine Geldtransporter-Bande vor Gericht. Auf ihr Konto gehen spektakuläre Taten.

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Essen. Sie sollen mehrere Millionen Euro erbeutet haben - mit raffinierten Tricks! Die Rede ist von der siebenköpfigen Geldtransporter-Bande, die seit dieser Woche in Essen vor Gericht steht.

Einer ihrer größten Coups ist der Überfall auf einen Geldtransporter in Dortmund. Ein Insider soll den Schulfreunden neben Informationen einen nachgemachten Schlüssel und Codes zugespielt haben. So erbeuteten sie 520.000 Euro. Die siebenköpfige Bande ermöglichte sich ein Leben in Luxus, doch damit war mit ihrer Festnahme im Dezember 2018 Schluss.

Essen: Geldtransporter-Fahrer als Zeugen vor Gericht

Am Freitag haben die beiden Mitarbeiter der Sicherheitsfirma vor dem Landgericht Essen ausgesagt, die den ausgeraubten Geldtransporter im November 2016 fuhren: Sie ließen den Geldtransporter an dem besagten Tag für ein paar Minuten aus den Augen, um einen Geldautomaten im Dortmunder Stadthaus mit Geld zu füllen. Als sie zu dem Fahrzeug zurückkehrten, roch es in dem Fahrzeug nach Rauch und die Türen im Inneren des Transporters standen plötzlich offen.

Der Beifahrer, der hauptsächlich für den sicheren Geldtransport zwischen Fahrzeug und Abholungs- oder Zustellungspunkt zuständig gewesen sei, begann die Tat vor Gericht so zu schildern: „Eigentlich war es ein ganz normaler Tag.“ Denn gemeinsam mit seinem Kollegen fuhren sie den Geldtransporter an einem Novembermorgen nach Dortmund.

Gegen sechs Uhr hätte sein Kollege den Fahrzeugschlüssel erhalten und diesen während ihrer Route gehabt. Er sei den Geldtransporter gefahren und damit für die Sicherheit des Fahrzeugs verantwortlich gewesen.

+++ Essen: „Insider“ der Geldtransporter-Bande packt aus – So wurden die Millionen-Coups geplant +++

Zu ihren ersten Stationen habe das Stadthaus in Dortmund gehört. Dort hätten sie einen Geldautomaten befüllt. Obwohl der Fahrer das Fahrzeug normalerweise nicht verlasse, sei auch sein Kollege ausgestiegen.

Schließlich stehe der Geldautomat in der Öffentlichkeit, weshalb sein Kollege die Lage absichern sollte, sagt der Beifahrer vor Gericht aus. Der Fahrer des Transporters sagte, auch er habe den Geldtransporter verlassen, weil er seinem Kollegen beim Tragen geholfen habe. Den Geldtransporter hätten sie also unweit des Stadthauses und in gerader Sicht auf das Gebäude vor einem Liefer-Lkw abgestellt.

„Irgendwas stimmte nicht“

Als die Beiden um 13.40 Uhr zurück zu dem Geldtransporter gingen, sei der Fahrer in den Wagen gestiegen und hätte dem Beifahrer die Tür geöffnet. Er habe dann auf dem Display im Fahrerraum rotes Licht aufleuchten sehen: Die Türen zum Laderaum, in dem das Geld gelagert wird, seien somit offen gewesen.

Die beiden Geldtransporter-Fahrer vernahmen den Geruch von etwas Verbranntem, wie beim Schweißen. Noch etwas machte sie stutzig: die Fahrzeugscheiben seien von innen nass gewesen, berichteten sie. Schnell war den Beiden klar: „Wir sind ausgeraubt worden.“ Dann hätten sie die Polizei gerufen, denn „das Fahrzeug war so gut wie leer“, erinnert sich der Beifahrer.

Sie bemerkten das Durcheinander im Laderaum. Die verplombten Geldbehälter waren aufgebrochen und das komplette Scheingeld weg. Nur die Münzen waren noch da.

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Kurios: Während ihrer 18-minütigen Abwesenheit hätte der Fahrer des Lkws, der hinter dem Geldtransporter gestanden hatte, zwar zwei Personen in den Geldtransporter steigen sehen. Dieser sei jedoch von einem bloßen Schichtwechsel ausgegangen. Das hätte der Mann den beiden Geldtransporteueren nach der Tat mitgeteilt.

Gravierender Fehler ermöglichte Überfall

Die beiden Geldtransporteure gaben zu, einen entscheidenden Fehler begannen zu haben: Sie hätten den Geldtransporter aus Zeitgründen nicht „scharf gestellt.“ Denn so stand das Fahrzeug während ihrer Abwesenheit nicht unter elektronischer Aufsicht. Das ermöglichte den Angeklagten Asier S., Houssein El K. und Kesser J. in den Geldtransporter einzusteigen, ohne einen Alarm auszulösen. Der Fahrer sagt: „Warum ich das Fahrzeug nicht scharf gestellt habe, kann ich nicht sagen. Den Vorwurf muss ich mir gefallen lassen.“ Eine Scharfstellung wäre nämlich in wenigen Minuten mittels Anruf bei der Sicherheitszentrale erledigt gewesen.

Sein Beifahrer gestand außerdem, dass der Geldtransporter nie alleine gelassen werden sollte. Nach seinen Angaben hätten sie zu dritt arbeiten müssen, damit eine Person den Geldtransporter hätte überwachen können. Der Angeklagte Ahmad A., der als einziger Angeklagter schon bei der Polizei ausgepackt hatte, arbeitete als Geldtransporter-Fahrer in ihrer Firma und wusste von der Sicherheitslücke.

Er gab dem Hauptangeklagten Asier S. Insider-Informationen, nachgemachte Schlüssel und Codes. Ahmad A. bestritt, dass er bei der Tat selbst dabei gewesen war.

Kündigung am Folgetag

Der Geldtransporter-Beifahrer hätte bis zum Tag des Überfalls etwa ein halbes Jahr in der Sicherheitsfirma gearbeitet. Die Route mit dem Dortmunder Stadthaus sei „sozusagen meine Tour“ gewesen, erzählt er. An dem Tag nach dem Überfall sei dem 36-Jährigen wegen des Vorfalls gekündigt worden.

Er sei in der Folge selbst in Verdacht geraten, an dem Überfall beteiligt gewesen zu sein. Ihm wurde jedoch keine Schuld nachgewiesen. Daraufhin habe er keinen Job mehr in der Sicherheitsbranche bekommen. Auch für sein Kollege hatte der Überfall Konsequenzen. Er kündigte, weil ihm das Risiko als Geldtransporterfahrer zu groß wurde.

Hauptangeklagter zeigt Reue

Ahmad A. hatte sich am Rande des Prozesses bei den beiden Zeugen entschuldigt. Der Hauptangeklagte Asier S. nutzte ebenfalls den Prozesstag, um sich nach ihrer Aussage bei den beiden früheren Geldtransporteuren zu entschuldigen. Er sagte, er habe etwas mit der Sache zu tun. Einem der beiden Geldtransporterfahrer sagte Asier S.: „Es tut mir leid, dass Sie das erlebt haben. Das lag nicht in meinem Interesse. Meiner Meinung nach müssen Sie sich keine Vorwürfe machen.“ (nk)

 
 

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