Essen

Essen: Schock-Diagnose HIV! Doch durch SIE stehen Betroffene nicht allein da

Essen: Die Aidshilfe versteht sich als „Türöffner“ für ihre Klienten.
Essen: Die Aidshilfe versteht sich als „Türöffner“ für ihre Klienten.
Foto: Nicolas Kaufmann / DER WESTEN

Essen. „Ist mein Leben jetzt vorbei?“ Diese Frage müssen Sarah Schuh (29) und Martin Ocepek (31) immer wieder hören.

Die beiden begegnen als Sozialarbeiter bei der Aidshilfe in Essen täglich HIV-infizierten Menschen. Sie helfen ihnen, ihre Ängste zu nehmen, bringen Betroffene zusammen und klären über die Folgen der Infektion auf.

Essen: Aidshilfe nimmt Betroffenen die Angst

Verzweiflung, Angst, Perspektivlosigkeit. Es sind vor allem schwule Männer und lesbische Frauen, Transsexuelle, Prostituierte, Drogenabhängige und Obdachlose aber auch Heterosexuelle, die in der Aidshilfe Essen Unterstützung suchen.

Die beiden Sozialarbeiter wissen: „Diese Menschen sind größtenteils von der Gesellschaft isoliert oder fühlen sich zumindest isoliert.“ Schuh ist Sozialarbeiterin im Bereich „Beratung und Prävention“ und Ocepek stellvertretender Fachbereichsleiter im Bereich „Beratung und Prävention“.

Und so sprechen die beiden Sozialarbeiter in einem Interview mit DER WESTEN von „Herausforderungen in der Gesellschaft“. Denn so würden sich die Betroffenen nicht trauen, ihren Mitmenschen, wie ihrer Familie und ihrem Arbeitgeber, ihre Erkrankung mitzuteilen. „Schließlich sind noch immer viele Vorurteile und die darauf folgende Ausgrenzung das Problem“, sagen die Sozialarbeiter. Zudem hätten viele Angst um ihr Leben.

Aidshilfe setzt auf Austausch

„Psychosoziales ist die Überschrift unserer Arbeit“, erklärt Schuh. Denn müssten die Mitarbeiter in Gesprächen häufig ermutigend auf ihre „Klienten“ einreden, sie motivieren und Geschehenes reflektieren. „Klienten“ nennt die Aidshilfe die Menschen, die sie unterstützt.

„Bei schlechten Nachrichten entlasten wir unsere Klienten“, sagt Sarah Schuh weiter. Das erfolge in persönlichen Gesprächen und viel „draußen“. Jeden dritten Mittwoch kommen Mitarbeiter des Gesundheitsamts Essen zur Aidshilfe und beraten Klienten. Auch ein Schnelltest ist dann möglich.

Um die Betroffenen schließlich wieder ein Stück weit in die Gesellschaft zu bringen, setze die Aidshilfe verstärkt auf einen Austausch seiner Klienten untereinander. „Einmal im Monat gibt es eine Kochgruppe, jeden Dienstag erfolgt ein gemeinsames Frühstück und eine Kreativgruppe bastelt, strickt oder arbeitet mit Holz. Die Teilnehmer der Gruppe bringen sich dabei gegenseitig etwas bei“, berichtet Ocepek.

------------------------

Mehr News:

Edeka in Essen: Kunde trifft auf Blondine – nun hat er DIESEN einen Wunsch: „Ich hoffe, du ..."

Essen: Studentin will mit Erkältung zum Arzt – grausam, was dort gesagt wird

Essen: Endgültiges Aus für Colosseum Theater! DAS passiert nun mit dem Gebäude

------------------------

Eine andere Gruppe richtet sich dagegen gezielt an Homosexuelle mit Flucht- und Migrationshintergrund. Besonders afrikanische Menschen würden wiederum eine Gruppe besuchen, die verschiedene Kulturen unterstützt.

Einmal pro Jahr organisiere die Aidshilfe sogar eine sogenannte „Genesungsreise“. Ihre Anfänge reichen in die 80er-Jahre zurück. Seit 1985 ist die Aidshilfe Essen als gemeinnütziger Verein aktiv – gegründet von Bürgern und Bürgerinnen.

Aidshilfe geht auf Betroffene zu

Für Hilfsbedürftige aus dem Bereich, die nicht von sich aus auf die Aidshilfe zugehen würden, seien ihre Mitarbeiter mit unterschiedlichen Maßnahmen unterwegs. So wollen sie auch gehemmte Menschen erreichen. Ocepek sagt: „Gemeinsam mit unseren ehrenamtlichen Helfern leiste ich viel Präventionsarbeit in der Schwulenszene.“

So verteile der 31-Jährige bei seinen externen Einsätzen Kondome in Kneipen und auf Partys und kläre die Menschen darüber auf, dass HIV beim Sex sowie beim Drogenkonsum übertragen werden kann. „Vielen Menschen ist das gar nicht bewusst“, stellt Ocepek immer wieder fest.

---------------------------

Das ist Aids:

  • Aids steht für „Erworbenes Immunschwächsesyndrom“
  • Es ist die Folge einer Infektion mit dem HI-Virus (HIV: Humane Immundefizienz-Virus)
  • Das Immunsystem ist geschwächt, sodass normalerweise harmlose Infektionen zu schweren Erkrankungen führen können
  • Häufigste Ansteckungsart: Sex
  • HIV und Aids sind nicht heilbar - mit HIV lässt sich bei rechtzeitiger Behandlung aber ein normales Leben führen
  • Erstmals 1981 diagnostiziert

---------------------------

Um diejenigen, die möglicherweise bereits HIV-positiv oder an Aids erkrankt sind, ausfindig zu machen, würden Mitarbeiter der Aidshilfe donnerstags in der HIV-Ambulanz der Universitätsklinik Essen im Wartezimmer sitzen. Dort würden sie potentielle Klienten ansprechen, um diese zu unterstützen. Weiterhin besuche der Verein erkrankte Personen, die in der Universitätsklinik stationiert seien.

Neben der Universitätsklinik Essen zähle das Gesundheitsamt zu den wichtigsten Partnern der Aidshilfe. Ocepek erklärt: „Die Liste der Kooperationspartner ist lang. Die Vernetzung ist notwendig und gut.“ So könne die Aidshilfe ihre Klienten umfangreich unterstützen und bei Bedarf auch an andere Behörden und Vereine weitervermitteln. Ein HIV-positiver Klient beispielsweise könne so direkt an die Universitätsklinik vermittelt werden, sodass ihm auf diese Weise weiter geholfen werden könne.

Die unterstützenden Maßnahmen der Aidshilfe sind damit sehr vielfältig und durchaus individuell. Beratungen erfolgen persönlich, telefonisch und per E-Mail. Wer möchte, bleibt anonym. Weitere Informationen finden Betroffene hier >>>.

 
 

EURE FAVORITEN