Essen

Essen: Schausteller verrät – DAS ist das neue Trendgetränk auf dem Weihnachtsmarkt

Auf dem Weihnachtsmarkt in Essen gibt es in diesem Jahr ein ganz besonderes Getränk.
Auf dem Weihnachtsmarkt in Essen gibt es in diesem Jahr ein ganz besonderes Getränk.
Foto: Vanessa Hellwig / Der Westen

Essen. Ganz passend ist das Wetter noch nicht, um einen Glühwein zu schlürfen. Dünne Regentropfen fisseln vom Himmel, ich ziehe die Kapuze ein wenig tiefer ins Gesicht. Das Thermometer zeigt 4 Grad Celsius in Essen an. Fast ein bisschen zu warm.

Und dennoch drückt Mitarbeiterin Manuela am Glühweinstand an der Ecke Kennedyplatz/Kettwiger Straße in Essen an diesem Abend häufig den silbernen Zapfhahn runter, und die heiße rote Flüssigkeit fließt in die Glastasse mit dem goldenen „Merry Christmas!“-Aufdruck. Sie überreicht ihn an eine junge Frau mit Ringelmütze. Die richtet sich gemütlich an einem der Stehtische mit den roten Tischdecken ein und plaudert mit einer Freundin.

Weihnachtsmarkt Essen: Glühwein seit Generationen

Ich beobachte die Szene, während ich hinter dem Tresen von „Vogels Glühwein“ stehe. Diese Glühweinbude in der Innenstadt in Essen hat Tradition. Schon in der dritten Generation steht Benjamin Vogel mit seinem Geschäft an genau dieser Stelle. Er stammt aus einer „richtigen Altenessener Schaustellerfamilie“, sagt Vogel. Als Kind habe er hin und wieder unter der Theke mit dem Zapfhahn ein Nickerchen gemacht.

Dafür ist heute kein Platz mehr, längst wich die Fläche einem Vorratsregal. Der Glühwein-Zapfhahn ist natürlich noch da, davor steht Manuelas Kollegin Regina, die seit sieben Jahren hier ausschenkt, dick eingepackt in Winterjacke, Steppweste und Schal. Daneben die Kakaomaschine und das Eierpunschgerät. Rechts davon sind Badisches Obstwässerle, Jägermeister, Cointreau, Tequila für den Schuss aufgereiht.

Neuer Glühwein mit dem Potential zum Trendgetränk

Die ganze Reihe gibt's auf der anderen Seite des Tresens noch einmal, das ist dann Manuelas Reich. Sie ist ein wahres Urgestein auf den Essener Weihnachtsmärkten: Seit 25 Jahren macht sie die Menschen hier mit Heißgetränken glücklich.

In diesem Jahr kommt erstmals auch Birnenglühwein dazu. Der wird vom evangelischen Ausbildungsrestaurant „Church“ selbst gemacht. Für jede verkaufte Tasse spendet der Schausteller einen Obulus für den guten Zweck. Potential zum Trendgetränk hat er allein schon deswegen. Aber Vogel verspricht: „Der schmeckt auch so gut, wie er klingt.“

Hinter Manuela und Regina stehen die Spülmaschine und Tassen, daneben die Softdrinks in Reih und Glied. „Die müssen wir im Moment nicht kühlen, es ist draußen kalt genug. Das spart Energie“, sagt Vogel, dem die Umwelt auch im Namen seiner fünf Söhne am Herzen liegt. So wie der ganze Weihnachtsmarkt in Essen lege auch Vogel Wert auf Öko-Strom. In diesem Jahr will er erstmals auch auf Wegwerfplastik verzichten.

Und das ist nur eine der vielen Veränderungen, seit er vor zwölf Jahren das Geschäft von seinem Vater übernommen hat. Der Mann mit dem kurzen Vollbart und den zurückgegelten Haaren weiß: „Heute ist das nicht mehr so einfach, wie es früher war.“ Es gebe immer mehr Sicherheitsauflagen, deren Kosten auf die Standbetreiber umgewälzt würden, und gutes Personal ließe sich auch nicht mehr so leicht finden.

Preis seit drei Jahren stabil

Der Druck auf die Betreiber steigt. Aber Vogel scheint souverän mit ihm umgehen zu können. Was er sich vornimmt, das schafft er auch. Sogar seine Glühweinbude hat er selbst konstruiert und zusammengeschustert – von Grund auf.

Der Preis für das heiße Getränk sei seit drei Jahren unverändert. 3,50 Euro für den Glühwein, rot oder weiß – und 3 Euro Pfand für die Tasse. Ich darf einen probieren: Der weiße Glühwein ist süßer und milder als der rote. Lecker!

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Pause in der Innenstadt

Auf eine dieser Tassen spritzt Manuela gerade eine dicke Sahnehaube. Gekonnt lässt sie die Sprühdose über dem warmen Kakao kreisen, sodass ein adrett aufgetürmter Sahneberg entsteht. Das Tüpfelchen auf dem i. Es duftet nach Schokolade.

Der Sahne-Kakao geht währenddessen an einen jungen Mann mit schwarzem Haar. Er gesellt sich zu einer Gruppe von fünf Menschen, die auf Englisch miteinander plaudern. Anstelle des Smartphones umschließen ihre Finger die warmen Tassen – die Handys bleiben an diesem Abend in den Manteltaschen. Zeit für Gespräche unter Freunden.

Für eine Plauderei mit den Gästen haben auch Regina und Manuela hin und wieder Zeit. Das gehört irgendwie zum Job dazu. „Manchmal sind sie sowas wie eine Mutter für die Kunden“, sagt Vogel über seine Mitarbeiterinnen.

„Kunterbunte Weihnachtswelt“ in Essen

Dennoch sei der Job stressig. „Es ist schon auch anstrengend. Während der Saison arbeite ich oft zehn Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche“, erzählt Vogel. „Heute ist das nicht mehr so einfach, wie das früher war.“

Eins aber bleibt: Er freue sich, dass sich Passanten an seiner Glühweinbude eine Auszeit gönnen. Mehr noch: „Als Schausteller sehen wir die Lebensfreude in den Menschen“, sagt er. „Alle freuen sich auf Weihnachten, auch jetzt schon. Es ist schön, so nah dabei zu sein. Wir Schausteller schaffen eine kunterbunte Weihnachtswelt mitten in der Stadt“, sagt Vogel, der selbst gern die dunklen Winterabende mag. So gern, dass er zugibt: „Lebkuchen schmecken mir tatsächlich schon im September.“

Am nächsten Morgen geht es weiter

Die junge Frau mit der Ringelmütze hat in der Zwischenzeit ihren Glühwein ausgetrunken, ist gegangen, ebenso wie die englischsprechende Sechsergruppe. Andere Glühweintrinker haben längst ihren Platz eingenommen.

Vogel und seine Kollegen räumen schon die Tische zusammen. Zumindest für einige Stunden. Am nächsten Morgen werden sie sie wieder um den Glühweinstand verteilen. Schon um 11 Uhr kommen die ersten Stammgäste.

Auch ich gebe meine Tasse am Tresen ab. Zeit, den Lichtern des Weihnachtsmarkts den Rücken zuzuwenden und zuhause die mittlerweile doch ausgekühlten Beine, Füße und Hände in der heißen Badewanne aufzutauen.

Mehr Infos zu Weihnachtsmarkt und Glühweinpreisen in Essen findest du >>> hier. <<< (vh)

 
 

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