Essen

Tödliche Schüsse auf Ruhestörer (22) in Essen: Handelte der Polizist in Notwehr? Mordkommission kommt zu einem klaren Urteil

In diesem Haus erschoss ein Polizist einen Mann aus Eritrea, der die Beamten mit einem Messer bedrohte.
In diesem Haus erschoss ein Polizist einen Mann aus Eritrea, der die Beamten mit einem Messer bedrohte.
Foto: DER WESTEN
  • Vor einem Jahr erschoss ein Polizist einen Ruhestörer in Essen
  • Ein Nachbar erzählt von der dramatischen Nacht
  • Eine Mordkommission ermittelte und geht von Notwehr aus

Essen. Was als alltäglicher Einsatz wegen einer Ruhestörung begann, endete mit einem tödlichen Schuss.

In der Nacht zum 27. April 2017 erschoss ein Beamter der Polizei einen Ruhestörer (22) im Flur eines Mehrfamilienhauses in Essen-Altenessen. Die Mordkommission ist sich nach monatelangen Ermittlungen sicher: Es war Notwehr.

Polizei erschießt Ruhestörer in Essen

Es war nicht das erste Mal, dass der Bewohner der Erdgeschosswohnung auf der Gladbecker Straße auffiel. „Er hat mich immer freundlich begrüßt, 'Hallo Nachbar' gerufen. Doch abends zeigte er auch ein anderes Gesicht“, so ein Nachbar. Dann machte er Krach, sang laut in der Wohnung und machte auch im Hausflur Radau.

Als nach dem Bundesligaspiel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund einmal mehr ungeheurer Lärm aus der Wohnung kam, klopfte der Nachbar wie schon häufiger beim Ruhestörer. Bisher war er nach einem kurzen Gespräch immer leise. Doch an diesem Abend war alles anders.

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Ruckartig hatte der 22-Jährige die Tür aufgerissen, glotzte seinen Nachbarn an. „Seine Augen waren weit geöffnet und komplett rot. Er meckerte nur, sagte 'Meine Wohnung, meine Wohnung' und schlug mir die Tür vor der Nase zu“, schildert er im Gespräch mit DER WESTEN.

Der Nachbar rief die Polizei, empfing die Beamten an der Haustür und führte sie durch den engen Flur zur Wohnung des Ruhestörers. Auf Geheiß der Polizei kehrte er in seine Wohnung zurück. Dann hörte er, wie die Beamten an die Tür des Mannes aus Eritrea klopften.

„Legen sie das Messer weg“

Der öffnete mit einem Messer in der Hand, stand direkt vor den Polizisten. „Legen sie das Messer weg“, sagte einer von ihnen. Ruhig, aber bestimmt wiederholt er es dreimal. Dann stürmt der 22-Jährige auf den Beamten los.

Der Polizist schoss, verletzte den 22-Jährigen schwer. Noch im Hausflur erlag der Ruhestörer trotz Wiederbelebungsmaßnahmen seinen Verletzungen.

Mordkommission in Düsseldorf ermittelte

Aus Neutralitätsgründen übernahm eine Mordkommission in Düsseldorf die Ermittlungen. Das ist der übliche Vorgang. Monatelang wurde der Vorfall geprüft, bevor für klar war: Es war Notwehr.

„Der später Getötete war mit einem Messer in auf Kopfhöhe erhobener Hand auf den Polizisten zugestürzt. Wegen der Enge gab es auch keine anderen erfolgversprechenden Verteidigungsmöglichkeiten“, erklärt die Staatsanwaltschaft Essen auch Anfrage von DER WESTEN.

 
 

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