Essen

Essen: Obdachenlosenhilfe wehrt sich gegen DIESEN Facebook-Post – „Sozialporno“

Immer wieder tauchen Posts wie dieser im Netz auf. Die Initiative „Essen packt an“ spricht deshalb nun Klartext.
Immer wieder tauchen Posts wie dieser im Netz auf. Die Initiative „Essen packt an“ spricht deshalb nun Klartext.
Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services/ Facebook

Essen. Der Winter naht, draußen wird es kälter. Besonders die Ärmsten der Armen trifft die Kälte besonders hart.

In sozialen Medien kommt alljährlich die gleiche Forderung um diese Jahreszeit auf: „An die Regierung: Öffnet die leerstehenden Asyl-Unterkünfte für unsere Obdachlosen!“ Versehen wird der Post mit dem herzergreifendem Foto eines Obdachlosen, an dessen Brust sich ein Hund schmiegt.

Ein Statement, was die Obdachlosenhilfe „Essen packt an“ langsam nicht mehr hören kann. Ihreseits reagiert das Bündnis mit deutlichen Worten und bezeichnet solch einen Post als „Sozialporno“.

Obdachlosenhilfe in Essen ist sich sicher: „Kommt aus der rechten Szene“

„In letzter Zeit erreichen uns viele Posts wie dieser hier“, erklärt Markus Pajonk, Sprecher des Freiwilligen-Verbands „Essen packt an“. Er ist sich sicher: „Das Bild kommt zumeist aus der rechten Szene und soll das 'Regierungsversagen' aufzeigen.“ Doch die Aufnahme samt Post verzerre absichtlich.

„Denn Obdachlosigkeit ist kein Regierungsversagen. Obdachlosenhilfe ist in Deutschland kommunal geregelt, weshalb es schon kommunale oder regionale Unterschiede in der Qualität gibt.“ Gleichzeitig räumt Markus Pajonk ein, dass ruhig noch mehr getan werden darf. Um seine Aussage zu untermauern, nennt er einige Fakten, die für die Stadt Essen gelten.

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Deshalb findet jeder Obdachlose im Winter einen Schlafplatz

So werden im Bedarfsfall Obdachlose in Flüchtlingsunterkünften untergebracht. Essen habe Notschlafplätze und sei für „viele, denkbare Krisen“ ausgestattet. Auch für Obdachlose, die keinen Zugang zu Unterkünften bekommen, weil sie einen Hund haben, sei gesorgt. Denn seit 2017 sorge ein dynamisches System dafür, dass Notschlafplätze im Winter auch Hunde aufnehmen.

+++ Deshalb bleiben manche Obdachlose nachts lieber in der Kälte, statt ins Wärmezelt zu gehen +++

Eine der wichtigsten Punkte sei, dass die Auslastung der Obdachlosenschlafstellen in den meisten Fällen bei ungefähr 80 Prozent liege. „Es ist also noch Platz da, es besteht im Regelfalle keine Notwendigkeit für weitere Schlafplätze“, meint der ehrenamtliche Helfer. So werden nachts im Winter beispielsweise U-Bahn-Höfe für Obdachlose geöffnet.

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Posts „mit Sozialporno-Charakter“

Pajonk bemängelt, dass viele Menschen, die solche Posts teilen, wenig Ahnung von Obdachlosenhilfe hätten. Vornehmlich handele es sich um Posts „mit Sozialporno-Charakter“.

+++ Eiseskälte kann für Obdachlose tödlich sein: So kannst du ihnen helfen +++

Markus Pajonk hofft, dass nicht nur wild bei Facebook geteilt wird, sondern die Menschen mitanpacken. Seinen Hoffnung für diesen Winter: „Kein obdachloser Toter“. (mb)

 
 

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