Essen

Ehrenmord-Prozess in Essen: Richter wird laut und mahnt Angeklagte: „Überlegen Sie sich das gut!“

Fast 100 Personen sind bei jedem Termin des Ehrenmord-Prozesses im Gerichtssaal.
Fast 100 Personen sind bei jedem Termin des Ehrenmord-Prozesses im Gerichtssaal.
Foto: DER WESTEN/ Peter Sieben

Essen. 6000 Seiten Anklage sind geschrieben, drei Angeklagte sind bereit, sich einzulassen, viele Zeugen warten auf ihren Einsatz. Doch der Ehrenmord-Prozess in Essen stockt, bevor er überhaupt richtig gestartet ist.

13 Mitglieder eines syrischen Familienclans sollen geplant haben, Mohammad A. zu zu töten – weil er die verheiratete Sina M. (19) liebte und damit in ihren Augen ihrer Eltern die Familienehre beschmutzt hatte.

Acht von ihnen prügelten auf ihr Opfer ein, teilskalpierten Mohammad A. und ließen ihn zum Sterben in einem Hinterhof liegen. Doch er überlebte – und nun wird dem Killer-Kommando der Prozess gemacht.

Ehrenmord-Prozess in Essen: Übersetzungs-Posse geht weiter

Seit mehr als einem Monat läuft der Ehrenmord-Prozess in Essen – und noch immer gibt es Irritationen und Streit um einen Übersetzungsdienst, der die Anklageschrift ins Arabische und Kurdische übersetzte (>> hier mehr dazu) und für den Prozess Dolmetscher stellt.

Die Verteidigung des Angeklagten Houssein M. (27) nahm ihren Befangenheits-Antrag gegen Übersetzer Kanho Kanho zwar zurück, dennoch geht die Übersetzungs-Posse weiter. Denn: Rechtsanwalt Hendrik Rente, der Sinas Mutter Muzgin M. vertritt, hält am Antrag auf Austausch der Übersetzer (>> hier weitere Details) fest.

„Sämtliche Dolmetscher von ProAccenta und alle Übersetzer, die in wirtschaftlicher Abhängigkeit des Büros stehen, sollen vom Prozess ausgeschlossen werden“, fordert Rente – und liefert dafür eine Begründung, die zumindest erstaunlich anmutet.

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• Mehr zum Ehrenmord-Prozess in Essen:

Versuchter Ehrenmord in Essen – Killer-Kommando sollte Mohammad A. (19) foltern und töten

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Das „tiefgreifende Misstrauen“ von Muzgin M. und ihrem Verteidiger gegenüber dem Essener Übersetzungsdienstes hat nichts mehr mit Kanho Kanho, sondern dessen Bruder Georg Kanho zu tun. Einem Übersetzer, der am Prozess überhaupt nicht beteiligt ist.

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Georg Kanho soll bei einem Haftprüfungstermin von Muzgin M. am 8. August seine Kompetenzen als Übersetzer überschritten haben und mit einem Satz gegen Ende des Termins „beratend“ gegenüber der Angeklagten tätig geworden sein. Dieser Satz soll folgendermaßen gelautet haben: „Halten sie den Mund. Alles, was Sie jetzt sagen, schadet Ihnen nur.“

Ehrenmord-Prozess in Essen – Richter wird laut: „Das ist unglaublich“

Die Begründung Rentes dafür, dass ein ganzes Übersetzungsbüro wegen eines nicht anwesenden Dolmetschers ausgetauscht werden solle, sowie die latent mangelhafte Vorbereitung des Antrags, den Rente bereits eine Woche zuvor angekündigt hatte, ließen den Vorsitzenden Richter Jörg Schmitt irgendwann aus der Haut fahren.

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„Das ist unglaublich“, wurde Schmitt laut, sprach über die Begründung des Anwalts von „widersprüchlichen Dingen“ und mahnte Rente und seine Mandantin: „Überlegen sie sich ernsthaft, ob sie das aufrechterhalten wollen!“

Sollte dem Antrag stattgegeben werden, würde das weitreichende Konsequenzen haben. Der gesamte Prozess müsste von neuem beginnen, alle bisherigen fünf Prozesstage wären hinfällig.

 
 

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