Essen

Essen: Pierre Pahlke spurlos verschwunden – eine Spur führt bis ins Amsterdamer Rotlichtmilieu

An der Suche nach Pierre Pahlke (21) in Essen beteiligten sich zahlreiche Helfer - doch bis heute konnte der geistig behinderte Mann nicht gefunden werden.
An der Suche nach Pierre Pahlke (21) in Essen beteiligten sich zahlreiche Helfer - doch bis heute konnte der geistig behinderte Mann nicht gefunden werden.
Foto: Polizei Essen
  • DER WESTEN berichtet über ungelöste Kriminalfälle im Ruhrgebiet
  • Das Verschwinden von Pierre Pahlke (21) löste 2012 eine riesige Suchaktion aus
  • Die Spur führte bis ins Amsterdamer Rotlichtmilieu

Essen. Am Ende führte die Spur bis ins Amsterdamer Rotlichtmileu. Die Suche nach Pierre Pahlke hielt im September 2012 ganz Essen in Atem. Bis heute konnte der geistig behinderte 21-Jährige nicht aufgefunden werden - die Ermittler gehen von einem Verbrechen aus.

Pierre kommt ursprünglich aus Gladbeck, ist aber seit Juli 2012 in der therapeutischen Einrichtung „Heimstatt Engelbert“ in Essen untergebracht. Schnell gewinnt er in dem Heim Selbstvertrauen, traut sich immer häufiger vor die Tür.

Sein Verschwinden fällt am Abend des 17. Septembers auf: Als sich die Wohngruppe gegen 19 Uhr zusammenfindet, bleibt ein Platz leer.

Als die Suche in der Umgebung keine Hinweise liefert, erklärt die Polizei sein Verschwinden zum Kriminalfall. Weit kann der junge Mann nicht gekommen sein. Er kann nicht eigenständig Bus oder Bahn fahren. Alleine ist er orientierungslos, ein einfaches Opfer.

Bei der Geburt verstirbt die Mutter. Dabei erleidet das Baby eine Sauerstoffunterversorgung, Pierre bleibt ein Leben lang behindert.

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Viele Morde im Ruhrgebiet sind bis heute nicht aufgeklärt. Die Täter konnten nie ermittelt werden. Die Serie ungelöste Kriminalfälle im Ruhrgebiet auf DER WESTEN beleuchtet die Vorkommnisse. Denn auch nach 20 Jahren gilt: Mord verjährt nicht. Jeder Hinweis kann der Polizei noch heute weiterhelfen.

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Essen: Zerrte ein Unbekannter Pierre in sein Auto?

Zeugen sagen aus, dass sie den 21-jährigen Blondschopf gegen 19 Uhr das letzte Mal bei „Netto“ in der Hubertstraße gesehen haben. Erst später findet die Sendung „Aktenzeichen XY“ heraus, dass er zwischen 19.15 und 20 Uhr bei dem Discounter Penny an der Ernestinerstraße gesehen wurde.

Die Polizei sucht darauf mit Hundertschaften, Spürhunden, Hubschraubern und Wärmebildkameras. Vor allem die Arbeit der Spürhunde spielt später noch eine entscheidende Rolle. Eine Ermittlungskommission wird ins Leben gerufen, die nach einem Unbekannten sucht, der Pierre möglicherweise mit seinem Auto verschleppt hat.

Auch die Bereitschaft in der Bevölkerung ist riesig. In Essen und Gladbeck beteiligen sich Menschen freiwillig bei der Suche. Die Familie verteilt hunderte Flugblätter, schreibt erst eine Belohnung von 10.000, dann 15.000 und am Ende sogar 30.000 Euro aus. Der Facebookseite „Pierre vermisst“ folgen noch heute beinahe 3000 User auf Facebook.

Spürhunde nehmen heiße Fährte auf - wieder kein Erfolg

Zwischenzeitlich zeichnet sich eine Wende ab: Im Oktober wird ein Mann festgenommen. Er ist vorbestraft und tatverdächtig. Ein dringender Tatverdacht besteht hingegen zu keinem Zeitpunkt. DNA-Spuren von Pierre können in seiner Wohnung nicht gefunden werden. „Mantrailer“-Hunde, also Vierbeiner, die abgerichtet sind Menschen ausfindig zu machen, führen die Ermittler auf die Spur.

Im Oktober und November finden die Hunde erneut wichtige Hinweise: Diesmal nehmen sie eine Fährte auf, die über die A3 bis nach Holland führt. Im Amsterdamer Rotlichtmilieu verliert sich die Spur. „Die Hunde haben eine hohe Trefferquote, sind aber nicht unfehlbar“, erklärt Annika Koenig von der Polizei Essen. „Die Spur hätte durch einen Fund bestätigt werden müssen“ - weiter, so Koenig, muss die Spur in das Ermittlungsbild eingeordnet werden.

Vier Monate nach Pierres Verschwinden hat die Staatsanwaltschaft wenig Hoffnung, ihn noch zu finden. Ende 2013 wird die„Ermittlungskommission Pierre“ aufgelöst.

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Ermittler: „Pierre wäre ein schlechter Zeuge“

Erst eine Aktenzeichen XY-Spezialausgabe im Mai bringt neue Hinweise hervor. In der Sendung „Wo ist mein Kind?“ bezeichnet Ermittler Frank Menkhorst Pierre als schlechten Zeugen.

„Pierre wäre kein guter Belastungszeuge gewesen“, erläutert Polizeisprecherin Koenig die Aussage. Denn der geistig behinderte Mann hätte im Nachhinein einen Täter nicht wirklich belasten können.

Eine heiße Spur liefert die ZDF-Sendung jedoch nicht. Pierres Oma, Vera Pann, hat auch einige Jahre später die Hoffnung nicht aufgegeben: „Ich spüre, dass er lebt“, sagt sie gegenüber der „NRZ“.

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