Essen

Ehrenmord-Prozess in Essen: Anwalt sorgt für Paukenschlag im Gerichtssaal und äußert krassen Verdacht

Prozessauftakt wegen versuchten Ehrenmords: Drei Angeklagte betraten den Gerichtssaal am Dienstag vermummt durch Sturmmasken.
Prozessauftakt wegen versuchten Ehrenmords: Drei Angeklagte betraten den Gerichtssaal am Dienstag vermummt durch Sturmmasken.
Foto: DER WESTEN/ Peter Sieben

Essen. Seit fast einem Monat läuft der Prozess um den versuchten Ehrenmord von Essen – und noch immer ist nahezu nichts passiert.

Beim Super-Prozess am Landgericht Essen herrscht immer noch Unübersichtlichkeit. Mehr als 70 Menschen sind im Saal am Prozess beteiligt: 13 Angeklagte, manche mit mehreren Verteidigern und jeder mit einem Dolmetscher, Staatsanwälte, Nebenklage-Vertreter, Richter, Schöffen, Schriftführer, Simultan-Übersetzer und Personenschützer - das massive Aufgebot an Justizbeamten kommt noch obendrauf.

Ehrenmord-Prozess in Essen: Dolmetscher räumt Fehler in Übersetzung ein

Der Vorsitzende Richter Jörg Schmitt will, auch aus Rücksicht auf die Angeklagten, endlich mit dem Ehrenmord-Prozess (>> hier die erschütternden Details der Tat) starten. Doch immer wieder kommt etwas dazwischen. Erst machte die Aufnahme der Personalien der Angeklagten Probleme (>> hier mehr dazu), dann gab es Irritationen um die Übersetzung der Anklageschrift.

Aus diesen Irritationen wurde beim dritten Prozesstag am Montag nun eine kaum noch entwirrbare Situation. Nachdem Dolmetscher Kanho Kanho Fehler in der Übersetzung eingeräumt hatte, musste diese noch einmal korrigiert und in Teilen neu übersetzt werden.

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Die Anklageschrift wurde den Angeklagten nun erneut ausgehändigt. Diese erbaten sich daraufhin jedoch eine Woche Zeit, um die neue Übersetzung auf weitere Fehler zu prüfen.

Bevor der dritte Prozesstag nach gerade einmal rund einer Stunde wieder beendet wurde, sorgte Rechtsanwalt Markus Kluck noch für einen Paukenschlag. Der Verteidiger des Angeklagten Houssein M. (27) beantragte, dass Dolmetscher Kanho Kanho und alle anderen Angestellten des Essener Übersetzer-Büros ProAccenta vom Prozess ausgeschlossen werden.

Muss der Ehrenmord-Prozess von neuem starten?

In den Augen des Angeklagten und seiner Verteidigung ist Kanho Kanho nicht nur wegen der Übersetzungsfehler untragbar, sondern darüber hinaus befangen.

Kanho Kanho stammt laut Antrag aus demselben syrischen Dorf wie Mohammad A., das Opfer des versuchten Ehrenmords. „Er verfügt damit nicht über die erforderliche Unparteilichkeit“, verliest der Anwalt aus seinem Antrag. Die Verteidiger von Muzgin M. (39) schlossen sich dem Antrag an.

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Nun droht ein Worst-Case-Szenario: Sollte dem Antrag stattgegeben werden, müsste der Prozess komplett von neuem starten. Ein ganzer Monat wäre verloren, die Nerven aller Prozess-Beteiligten umsonst strapaziert – ganz abgesehen von den immensen Kosten des Super-Prozesses.

Über den Antrag entscheidet das Gericht am nächsten Prozesstag, der am 25. Februar stattfindet.

 
 

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