Essen

Ehrenmord-Prozess in Essen: Opfer Mohammad A. (20) überrascht die Kammer mit dieser Aussage

Großer Andrang beim Prozessauftakt im Fall eines versuchten Ehrenmords in Essen. Am Donnerstag sagte das Opfer aus.
Großer Andrang beim Prozessauftakt im Fall eines versuchten Ehrenmords in Essen. Am Donnerstag sagte das Opfer aus.
Foto: Peter Sieben

Essen. Man könnte eine Stecknadel fallen hören, als Mohammad A. (20) den Saal des Landgerichts Essen betritt. Als erster Zeuge sagt der Syrer am Donnerstag im Ehrenmord-Prozess aus – als Opfer der brutalen Attacke.

Sichtlich aufgeregt schreitet er durch den großen Saal, vorbei an seinen Peinigern. 13 Menschen, denen vorgeworfen wird, ihn fast zu Tode gefoltert zu haben – weil er sich in eine verheiratete Frau verliebt hatte.

Ehrenmord-Prozess in Essen: Opfer Mohammad A. schaut seinen Peinigern in die Augen

Die Anklage klingt unfassbar grausam: Ein Killer-Kommando eines syrischen Familienclans schlug mit Fäusten und Holzlatten auf Mohammad A. ein, skalpierte ihn teilweise und stach ihm ein Messer mehrfach in den Unterleib.

Dann ließen sie ihn zum Sterben in einem Hinterhof in Essen liegen. Der Tod des Mannes, der eine geheime Beziehung mit Familienmitglied Sina M. (19) hatte, würde in den Augen des Clans die zerstörte Familienehre wiederherstellen.

Doch Mohammad A. überlebte. Und nun schaut er seinen Beinahe-Mördern in die Augen.

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Über die grausamen Details der Misshandlung, die der Kronzeuge des Prozesses bereits geschildert hatte (>> hier liest du seine Aussage), kann das Opfer nicht einmal berichten. Von der Tat selbst fehlen ihm fast alle Erinnerungen.

„Ein Mann lief auf mich zu, fragte mich nach meinem Namen. Noch bevor ich antworten konnte, schlug er mir ins Gesicht. Ich lief weg, sie holten mich ein. Danach weiß ich nichts mehr“, sagt A. aus. Die Gedächtnislücke endet, als er seine Augen aufschlug und Polizisten sah.

Dazwischen erinnere er sich nur noch an eins: „Ich spürte, dass etwas in meinen Bauch ging. Später erfuhr ich, dass es wohl ein Messer war.“

Mohammad A.: „Wurde mehrfach vor Sinas Familie gewarnt“

Die Beziehung zu Sina M. leugnet Mohammad A. nicht. Auch nicht, dass er wusste, dass Sina verheiratet war. In seiner Aussage bestätigt er auch, dass er ihre Familie angelogen hatte, sie hätten ihre Beziehung beendet.

Dass die Familie von Sina M. hinter diese Lüge kam, soll schließlich einer der Auslöser für den Mordkomplott gewesen sein. Als zudem ein gemeinsames Foto von Mohammad und Sina auf Facebook auftauchte, sei der Clan zur Tat geschritten.

Sina M. habe ihm zugesagt, sich scheiden zu lassen, um ihn zu heiraten, sagt A. aus. Zum Zeitpunkt des Mordanschlags wären sie jedoch bereits seit einer Woche wieder getrennt gewesen.

Mehrfach sei A. vor Sinas Familie gewarnt worden – teils von Familienmitgliedern selbst. Sie hätten gedroht, ihm etwas anzutun, wenn er weiter Kontakt zu ihr pflegt. Dass und vor allem in welcher Brutalität diese Drohung wahr gemacht werden würde, hätte A. niemals gedacht.

Opfer überrascht Gericht mit dieser Aussage

Mit seinen letzten Sätzen am neunten Prozesstag sorgt Mohammad A. schließlich noch für überraschte Gesichter bei allen Prozess-Beteiligten. Als Richter Jörg Schmitt auf den folgenden Prozesstag am 18. März verweist, sagt A. plötzlich: „Am Montag kann ich nicht. Da habe ich ein Vorstellungsgespräch als Maler und Lackierer. Das ist wichtig für meine Zukunft.“

Schmunzelnd antwortet Schmitt: „Sie müssen leider kommen, das hier ist auch sehr wichtig. Ich kann ihnen gerne eine Entschuldigung schreiben.“

 
 

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