Essen

Essen: Drogenabhängig und obdachlos in Corona-Zeiten – „Es geht ums Überleben!“

Eine Freiwillige versorgt einen Obdachlosen. Für drogenabhängige Wohnungslose geht es in Zeiten des Coronavirus mehr denn je ums Überleben. (Symbolbild)
Eine Freiwillige versorgt einen Obdachlosen. Für drogenabhängige Wohnungslose geht es in Zeiten des Coronavirus mehr denn je ums Überleben. (Symbolbild)
Foto: Funke Foto Service/dpa; Montage: DER WESTEN

Essen. „Gut, dass Ihr noch aufmacht, ich wüsste sonst gar nicht wohin“, waren die ersten Worte eines Mitdreißigers beim Betreten des Krisencafes im Drogenhilfezentrum in der Hoffnungstraße 24 in Essen, erzählt Frank Langer.

Langer arbeitet für die Suchthilfe in Essen. Die stellt das Coronavirus vor eine ernste Herausforderung. „Gerade bei den Wohnungslosen unter den Drogenabhängigen geht es ums Überleben, da sie geschwächt und gegenüber dem Virus schutzlos sind", erzählt Langer. „Sie gehören somit zur Risikogruppe." Der Rückzug in die eigenen vier Wände? In ihrem Fall nicht möglich.

Essen: Suchthilfe in Corona-Zeiten vor neuen Herausforderungen

Deshalb bleiben die Angebote der Suchthilfe wichtigste Anlaufstelle. Dazu zählen das Krisencafé, der Drogenkonsumraum, die Notschlaf- und die Beratungsstelle. Sie alle mussten sich auf die geänderten Bedingungen unter Corona einstellen. „Die sowieso hohen Hygienestandards wurden erhöht", erzählt Langer. Heißt: alle zwei Stunden oder nach Bedarf noch öfter werden die Flächen desinfiziert.

Die Drogenabhängigen werden durch Aushänge und die direkte Ansprache darauf angesprochen, soziale Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren und den Mindestabstand von 1,5 bis 2 Metern einzuhalten.

Die Mitarbeiter versuchen mit gutem Beispiel voranzugehen: „Die Vorsichtsmaßnahmen, die momentan alle befolgen müssen, halten wir natürlich auch ein“, betont eine Mitarbeiterin des Krisencafe.

Die Angebote der Suchthilfe gehören zu den notwendigen systemrelevanten Arbeitsfeldern im Gesundheits- und Sozialsektor und dürfen daher weiter geöffnet haben.

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Infizierte unter den Drogenabhängigen oder Mitarbeitenden sind bislang nicht bekannt. Doch den Beteiligten ist bewusst, dass das nicht so bleiben wird. Um sich für die kommenden Aufgaben zu wappnen, hat man einen Notfallplan erstellt und einen Krisenstab eingerichtet. Motto in Tagen von Corona: „Wir passen uns von Tag zu Tag an.“

Drogenbeschaffung- und Konsum bleibt trotz Corona Priorität

Die Beratungsstelle in der dritten Etage des Drogenhilfezentrums steht allen Essenern offen, die bei sich oder ihren Angehörigen/Freunden eine Drogenproblematik erkannt haben und Hilfe brauchen. Da in den Zeiten von Corona dazu angeraten wird, die eigenen vier Wände möglichst nicht zu verlassen, kannst du dich telefonische durch die Suchthilfe beraten lassen. Die zentrale Telefonnummer des Drogenhilfezentrums lautet 8603-0, dort kann an die richtige Stelle weitergeleitet werden.

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Auch im Drogenkonsumraum werden weiterhin von 8 bis 20 Uhr Drogen konsumiert. „Das ist das Wesen der Sucht", erklärt Langer. „Das Besorgen und Konsumieren des Suchtmittels bleibt in der Prioritätenliste der Abhängigen trotz Corona die Nummer Eins." (ms)

 
 

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