Essen

Essen: Irrfahrt durch Fußgängerzone löst Anti-Terror-Einsätze aus – Staatsanwältin nennt Motiv des 19-Jährigen

Die Polizei konnte den Fahrer, der mit erhöhter Geschwindigkeit durch die Fußgängerzone gerast ist, festnehmen.
Die Polizei konnte den Fahrer, der mit erhöhter Geschwindigkeit durch die Fußgängerzone gerast ist, festnehmen.
Foto: Polizei Essen
  • Am Freitagmorgen ist ein Opel-Fahrer (19) mit erhöhter Geschwindigkeit durch die Essener Innenstadt gerast
  • Die Polizei konnte den Tatverdächtigen mit einem SEK stellen
  • Durch den Fall in Essen ist auch die Polizei in Ulm in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden
  • Am Freitagabend gab es mehrere Festnahmen in Düsseldorf und Essen wegen geplanter Anschläge

Essen. Mit einem Großaufgebot suchte die Polizei Essen am Freitagvormittag einen silbernen Opel, der in Essen unterwegs war. Ein 19-jähriger Essener mit tadschikischen Wurzeln war durch seine „verdächtige Fahrweise“ aufgefallen.

Die Polizei ist in der Folge aus Sorge vor einem Terroranschlag in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gegen eine mutmaßliche Zelle der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgegangen. Beamte durchsuchten am Freitag und Samstag Häuser in zehn Städten Nordrhein-Westfalens sowie in Ulm.

Elf Männer, überwiegend tadschikischer Herkunft, im Alter zwischen 22 und 35 Jahren wurden zeitweise festgenommen. Auch ein Deutscher und ein Türke waren darunter. Sie wurden verdächtigt, etwas mit der Vorbereitung eines Terroranschlags zu tun zu haben. Sie wurden wieder freigelassen.

Die Irrfahrt in Essen und die Durchsuchungen in mehreren Wohnungen stehen in keinem Zusammenhang.

Essen: Irrfahrt löst SEK-Einsätze aus – Sorge vor IS-Terror

Montag, 1. April:

14.07 Uhr: Die Polizei bittet nochmals Zeugen, die durch den heranrasenden Opel Astra gefährdet worden sind, sich zu melden. Mehrfach seien Passanten zur Seite gesprungen, um sich zu retten.

Da die Staatsanwalt dem 19-Jährigen versuchten Mord vorwirft, ist jeder Hinweis viel wert. Er sitzt weiterhin in Untersuchungshaft.

13.06. Uhr: Der 19-jährige Tadschike, der am Freitag mutmaßlich durch eine Essener Fußgängerzone gefahren ist, soll aus Wut über eine Zurückweisung in einer Bankfiliale gehandelt haben. „Es sieht so aus, als wäre das Motiv gewesen, dass er in einer Bankfiliale abgewiesen wurde, weil er seinen Ausweis nicht dabei hatte“, sagte die Essener Staatsanwältin Sonja Hüppe am Montag. Daraufhin sei er wütend geworden.

Der 19-jährige Tadschike soll am Freitagvormittag gegen 9.30 Uhr mit „erhöhter Geschwindigkeit“ durch die Fußgängerzone gefahren sein. Verletzt wurde niemand. Ermittelt wird wegen versuchten Mordes. Der junge Mann sitzt in Untersuchungshaft.

Die Fahrt war am Freitag Auslöser für einen Anti-Terror-Einsatz der Polizei in zwei Bundesländern. Die Ermittler konnten zunächst nicht ausschließen, dass der Tadschike in Essen zu einer schon länger beobachteten Gruppe mutmaßlicher IS-Anhänger mit zahlreichen tadschikischen Mitgliedern gehörte. Befürchtet wurde, dass die Tat in Essen der Auftakt für mehrere Anschläge sein könnte. Später stellten die Behörden aber fest, dass es zwischen dem Mann und der Gruppe keinen Zusammenhang gibt.

Samstag, 30. März:

18.08 Uhr: Eine Nachbarin erzählt in Essen von einem Einsatz: Sechs Zivilpolizisten mit Sturmhauben haben einen Verdächtigen festgenommen. „Sie haben ihm die Augen verbunden“, erzählte sie am Tag danach. Erst habe sie gedacht, es sei eine Filmszene, doch dann seien immer mehr Beamte gekommen.

14.14 Uhr: Trotz der Freilassung der elf Verdächtigen führt die Zentralstelle Terrorismusverfolgung Nordrhein-Westfalen (ZenTer NRW) bei der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf ein Ermittlungsverfahren gegen eine Gruppe von mindestens sechs Personen.

Gegen sie besteht der Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat sowie der Verabredung zum Mord und Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion.

14.05 Uhr: Hunderte Polizisten durchsuchten bei dem Anti-Terror-Einsatz mehrere Objekte in Düsseldorf, Essen, Wuppertal, Ulm, Duisburg, Mönchengladbach, Castrop-Rauxel, Dülmen, Selfkant, Lotte sowie Leichlingen. Wegen der möglichen Gefährdung durch Schusswaffen oder Sprengstoff wurden an mehreren Orten Spezialkräfte der Polizei eingesetzt. Sprengstoffspürhunde der Polizei sollten eventuelle Explosivstoffe aufspüren. Letztlich wurde aber nichts gefunden.

13.57 Uhr: Am Samstagmorgen wurde der 19-jährige Fahrer aus Essen dem Haftrichter vorgeführt, der auf Antrag der Staatsanwaltschaft Essen einen Haftbefehl unter anderem wegen versuchten Mordes erließ. Das Motiv und die Hintergründe der Tat sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

13.15 Uhr: Die Irrfahrt eines 19-jährigen Tadschiken in der Essener Innenstadt am Freitag war der Anlass für den Anti-Terror-Einsatz in zwei Bundesländern. „Da hatte man die Befürchtung, dass das vielleicht der Auftakt ist für mehrere Anschlagsszenarien“, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf am Samstag. Das habe sich aber nicht bestätigt. Zwischen beidem gebe es keinen Zusammenhang.

Bei dem Anti-Terror-Einsatz hatte die Polizei seit Freitagmorgen Sprengstoff und Waffen bei einer Gruppierung gesucht, die der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angehört oder mit ihr sympathisiert. Dabei waren elf Männer im Alter von 22 und 35 Jahren festgenommen worden. Zuvor war von zehn Festnahmen die Rede gewesen.

Es seien überwiegend Tadschiken, sagte der Sprecher weiter. Ein dringender Tatverdacht habe sich jedoch nicht erhärten lassen, so dass am Samstag für alle elf die Freilassung angeordnet wurde.

10.51 Uhr: Am Freitagabend hat es in NRW und Baden-Württemberg mehrere SEK-Einsätze gegeben, unter anderem in Essen und Düsseldorf.

Wie die Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf auf Nachfrage von DER WESTEN am Samstag bestätigte, gab es insgesamt 10 Festnahmen. Noch am Samstag sollen sie jedoch wieder freigelassen worden sein, berichtet zunächst der "br".

Die Polizei prüfe mögliche Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS). „Wir vermuten, dass es eine Splittergruppe des IS oder Sympathisanten sind“, so der Sprecher.

Anti-Terror-Razzia in Essen, Duisburg, Düsseldorf und anderen Städten

Ein Zugriff erfolgte in Essen, einer in der Altstadt in Düsseldorf am Rheinufer.

Mehrere Objekte in Essen, Duisburg, Düsseldorf, Wuppertal, Mönchengladbach und Ulm seien bei dem Einsatz nach Sprengstoff durchsucht worden. Der Einsatz dauerte bis in den frühen Samstagmorgen an.

Die Einsätze sollen sich laut Bild-Zeitung gegen eine achtköpfige Gruppe von Tadschiken gerichtet haben, die einen Anschlag in Deutschland geplant haben könnten. Die Nationalität der Gruppe konnte die Staatsanwaltschaft nicht bestätigen.

Der "Rheinischen Post" zufolge soll konkret ein Anschlag in Düsseldorf geplant worden sein. Auch das bestätigt die Staatsanwaltschaft nicht. „Bislang haben wir keine Hinweise auf konkrete Terrorziele“, sagt Oberstaatsanwalt Daniel Vollmert. Aber: „Die grundsätzliche Planung eines Anschlags stand im Raum und allein das ist schon eine Straftat.“

Ein Zusammenhang mit der Irrfahrt eines 19-Jährigen durch Essen war von den Ermittlern zunächst angenommen worden. Er habe sich aber nicht bestätigt. Der 19-Jährige ist tadschikischer Herkunft.

Freitag, 29. März:

Zahlreiche Zeugen riefen den Notruf, weil der Mann unter anderem mit hoher Geschwindigkeit in die Fußgängerzone der Essener Innenstadt gefahren war. Gerüchte, dass er beinahe eine Stunde durch einen Kreisverkehr gefahren sein soll, weist die Polizei zurück. Vielmehr raste er über den Kennedyplatz, die Limbecker- und Kreuzeskirchstraße sowie über die Straße Schwarze Horn.

Durch Hinweise aus der Bevölkerung konnte die Polizei mit Hilfe eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) den Essener in seinem Auto hinter der Alten Synagoge stellen. Die Polizei geht von „versuchter Tötung“ aus - von einer Amokfahrt möchte sie hingegen nicht sprechen. Verletzt worden ist glücklicherweise niemand.

Essen: Großfahndung nach Opel Astra mit verdächtiger Fahrweise

Nach ersten Anrufen löste die Polizei einen Großeinsatz aus. Knapp zwei Stunden lang kreiste ein Helikopter über der Innenstadt, der die Einsatzkräfte am Boden unterstützte. Gegen 10.51 Uhr konnte der Opel unweit des Porscheplatzes ausfindig gemacht werden. Der Fahrer saß noch am Steuer des Autos. „Seine Motivation ist noch völlig unklar“, so ein Polizeisprecher.

An dem Opel konnten die Polizei keinen Sprengstoff feststellen, weitere Spuren werden zur Zeit noch ausgewertet. Der Opel Astra wurde vorerst sichergestellt.

------------------------------------

• Mehr Nachrichten aus Essen:

Essen: Schüsse auf Essener Kulturzentrum – „Wir sind erschüttert“

Essen: Raserei nach Clan-Hochzeit – Polizei-Hundertschaft stoppt Libanesen-Corso und nimmt Bräutigam mit

• Top-News des Tages:

Vonovia blamiert sich vor Gericht, weil der Konzern DAS von einer Mieterin forderte

Rebecca Reusch (15) vermisst: Polizei unterbricht die Suche nach der Schülerin

------------------------------------

19-jähriger Essener polizeibekannt

Der Tatverdächtige ist wegen Kleinstdelikten polizeibekannt. Ein ähnliches Vergehen, so die Polizei, habe er jedoch noch nicht begangen. Noch am Freitagnachmittag durchsuchten Beamte drei Wohnungen im Essener Raum, die im Zusammenhang mit der Tat stehen könnten. Hinweise auf weitere Mittäter gibt es nicht.

Ebenfalls wird geprüft, ob der Fahrer unter Drogen- und Alkoholeinfluss stand.

Ausgerechnet Stadt Ulm erhöht Polizeipräsenz

Auch im knapp 460 Kilometer entfernten Ulm reagierten die Einsatzkräfte und erhöhten die Präsenz in der Innenstadt. „Wir haben uns dazu entschlossen, dass Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken“, erklärt ein Polizeisprecher. Eine erstaunliche Maßnahme, bestand doch zu keiner Zeit in der baden-württembergischen Stadt ein Verdachtsmoment.

So hatte sich die „Führung dazu entschlossen“ und die Präsenz erhöhrt. Die Innenstadt sei jedoch nicht evakuiert worden.

Polizei warnt vor Spekulationen und Gerüchten

Ausdrücklich verweist die Polizei darauf, keine Gerüchte und Spekulationen zu verbreiten. So hieß es frühzeitig, dass es sich um eine Amokfahrt handeln könnte. Dies wies die Polizei auf Nachfrage von DER WESTEN entschieden zurück. Medienberichte, nach denen er beinahe eine Stunde durch einen Kreisverkehr gefahren sein soll, bestätigt Polizeisprecher Thomas Weise ebenfalls nicht.

Weiterhin bittet die Polizei um Hinweise durch Zeugen, die sich unter 0800 66 77 123 melden können. „Wir raten hingegen davon ab, über Twitter oder Facebook Informationen zu verbreiten“, mahnt ein Polizeisprecher. (mit dpa

 
 

EURE FAVORITEN