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Essen: In der Grünen Mitte! Schafe grasen auf Wiese – das Anliegen dahinter ist ernst

Von VANESSA TRAPPMANN
Essen vs. Bochum - Der ultimative Städtevergleich

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Essen und Bochum bilden das Herz des Reviers. Doch welche der beiden Ruhpott-Metropolen ist eigentlich die Coolere? Wir haben die Highlights der Städte für dich zusammengetragen. Jetzt musst du entscheiden.

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Essen. Der ein oder andere wird sie bereits am Berliner Platz in Essen entdeckt haben: Schafe. Sie grasen fröhlich auf eine der Wiesen, mitten in der Grünen Mitte.

Doch was machen die Tiere da mitten in Essen? Wer kümmert sich um sie? Und wer hatte die Idee, ausgerechnet in der belebten Grünen Mitte neben dem Limbecker Platz in Essen Schafe grasen zu lassen?

Essen: Mitten in Grüner Mitte! Schafe grasen auf Wiese – dahinter steckt ein ernstes Anliegen

Dahinter steckt das Projekt „Folkwang und die Stadt“. Es widmet sich wichtigen Zukunftsthemen und betrachtet dabei die Rolle von Kultur und Kunst. Gemeinsam mit verschiedenen Vereinen, Initiativen und Entscheidungsträgern sind seit dem 21. Mai bis zum 7. August verschiedene Aktionen rund um den Berliner Platz zu finden. Das Ziel: Kunst soll dadurch erlebbar gemacht werden. Doch was haben Schafe mit Kunst zu tun?

Künstlerin Folke Köbberling steckt hinter dieser Idee. Sie hat eine besondere Zukunftsvision mit der Aktion „Nachbarschaft auf Zeit“ geschaffen. Die Schafe werden von Paten betreut, die sich aus der näheren Umgebung zusammengefunden haben. Dabei geht es nicht nur um die Versorgung der Tiere, sondern auch um den Gemeinschaftssinn in der Nachbarschaft sowie der Nähe von Tieren zu Menschen.

Essen: Schafsprojekt schon in Berlin erfolgreich

Gegenüber DER WESTEN sagt Folke Köbberling: „Ich bin als Künstlerin und mit meiner Methodik, künstlerisch in die Stadt einzugreifen, nach Essen eingeladen worden. Ich habe in Berlin am Hansaplatz einen Stall aus Schafswolle hingestellt. Meine Idee war es, dass über die Versorgung der Schafe sich die Nachbarn kennenlernen. Die Resonanz in Berlin war sehr gut. Die Schafe waren Hauptgesprächsthema, die Begeisterung zusammen für etwas Verantwortung zu übernehmen, übertrug sich auf sehr viele Menschen.“

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Das ist die Stadt Essen:

  • geht auf das vor 850 gegründete Frauenstift Essen zurück
  • 582.760 Einwohner, neun Stadtbezirke und 50 Stadtteile, viertgrößte Stadt in NRW
  • seit 1958 Sitz des neugegründeten Bistums Essen
  • Wahrzeichen unter anderen: Zeche Zollverein, Villa Hügel, Grugapark Essen
  • war 2010 Kulturhauptstadt Europas und 2017 Grüne Hauptstadt Europas
  • Oberbürgermeister ist Thomas Kufen (CDU)

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Der künstlerische Aspekt liegt bei der Verwendung von Wolle. Sie kann z.B. als Isolationsmaterial genutzt werden. Um das zu symbolisieren, wird die Wolle der Schafe, die die Tiere am Tag verlieren, aufgesammelt und an den Unterstand getackert. DER WESTEN hat mit Jose und seinen beiden Söhnen Ben (10) und Luis (9) gesprochen. Nachdem sie den Schäfer beim Aufbau des Geheges beobachtet hatten, haben sie sich die Aktion genauer angesehen und wollten sofort mitmachen.

Essen: Auch Kinder kümmern sich um die Tiere

Jose und seine Söhne haben schon einige „Dienste“ erledigt. Sie kümmern sich darum, frisches Wasser zu holen und schauen, ob es den Schafen gut geht. Ben erzählt: „Am Anfang sind die Schafe noch vor uns weggerannt, jetzt machen sie das nicht mehr.“ Namen haben sie den Tieren noch nicht gegeben, das kommt aber vielleicht noch.

Sie sind aber nicht die einzigen, die sich um die Schafe kümmern. In der Nachbarschaft haben sich mehrere Anwohner zusammengeschlossen, um sich abwechselnd zu kümmern. Absprachen erfolgen über Whatsapp und über eine Doodle-Liste, außerdem schaut auch der Schäfer regelmäßig vorbei. Vater Jose erzählt, dass sich seine Jungs sehr ihrer Verantwortung bewusst seien.

Essen: Werden am Ende die Schafe geschlachtet?

Die Familie freut sich auch über den Austausch mit den Nachbarn. So würde sie einige Nachbarn besser kennenlernen, man begrüße sich und unterhält sich hier und da mal. Für Jose ist ganz wichtig, dass seine Kinder ein Stück Natur in einer Stadt wie Essen erleben können. Am Ende des Projekts sollen die Schafe übrigens geschlachtet werden.

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Ob es aber wirklich so weit kommt, entscheiden auch die Nachbarn mit. In Berlin beispielsweise hatten sich die Schafspaten dazu entschlossen, sich auch nach dem Projekt weiter um die Schafe zu kümmern. Vielleicht kann sich also auch Essen über wollige Gesellschaft freuen...