Essen muss seine Umweltprobleme lösen

Essen streift sich sein grünstes Kleid über und zeigt, was die Stadt in Sachen Umwelt alles hat und kann: die vielen Wege zum Wasser, die bald erste Badestelle am Baldeneysee, die Wälder, die großen Naturflächen, vor allem: der Wandel von einer Industriestadt zu einer „europäischen Stadt voller Lebenslust“. Starke Worte vom OB, wenige Wochen vor dem Startschuss für das Grüne-Hauptstadt-Jahr. Da fühlt man sich doch hier am wohlsten. „Heimat“ ist das neue Werbewort.

Doch flotte Sprüche oder raffinierte Verpackungen für das grüne Hauptstadt-Programm geben der Ruhr-Metropole noch kein Öko-Siegel. Auch die hohe erwartete Besucherzahl ist kein Gradmesser für den Erfolg. Erst wenn es gelingt, 2017 viel mehr Menschen für den Umweltschutz zu motivieren, neue Initiativen anzustoßen und weiterzuentwickeln, hat der Titelträger sich wirklich bewährt.

Vor allem: Essen muss seine Umweltprobleme lösen. Denn das Jahr 2017 wird ebenso davon geprägt sein, dass die gesundheitsschädliche Stickoxidbelastung zu hoch ist. Wegen der schlechten Luft auch in Essen hat die Deutsche Umwelthilfe das Land NRW verklagt und die EU ein Strafverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Das klingt wie ein Schwarzbuch über die „grüne Hauptstadt“. Müsste es aber nicht.

Die Stadt könnte den Spieß umdrehen und das „grüne Jahr“ dafür nutzen, ein kurz- und mittelfristig durchschlagendes Konzept gegen die Luftverschmutzung und für umweltfreundlichen Verkehr zu präsentieren. Nach dem Motto: „Wir haben ein Problem – und so lösen wir es.“ Ziele vorzugeben, reicht da bei weitem nicht aus.

Dem Organisationsteam ist da kein Vorwurf zu machen. Es ist für das Programm zuständig. Und es hat zumindest in einem Punkt voll ins Schwarze getroffen: Die Unterstützung für zahlreiche Bürger-Projekte könnte einen Dominoeffekt in Stadtteilen auslösen, sich für die Umwelt, für seine Umwelt zu engagieren. Ja – für seine Heimat.

 
 

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