Essen

Undercover in Essener Moschee: Was Shams Ul-Haq dort über geheime WhatsApp-Gruppen erfahren hat, ist beängstigend!

Shams Ul-Haq gab unserer Redaktion ein Interview. Undercover war er sechs Monate in einer Moschee in Essen.
Shams Ul-Haq gab unserer Redaktion ein Interview. Undercover war er sechs Monate in einer Moschee in Essen.
Foto: privat

Essen. Der Terrorismusexperte Shams Ul-Haq ist zwei Jahre undercover in über 150 Moscheen in Europa unterwegs gewesen, sechs Monate davon in Essen.

In seinem Buch „Eure Gesetze interessieren uns nicht“ enthüllt Ul-Haq, wie das europaweite salafistische Netzwerk funktioniert. Ein Kapitel widmet er der Assalam-Moschee in Essen.

In einem Interview mit DER WESTEN verrät Shams Ul-Haq, wie Salafisten geheime WhatsApp-Gruppen nutzen, um junge Menschen - insbesondere Frauen - für ihre Sache zu gewinnen und welche Rolle die Stadt Essen in dieser radikalen Szene spielt.

Shams Ul-Haq, wofür ist die Assalam-Moschee in Essen bekannt?

Die zwei Jugendlichen, die 2016 das Attentat auf den Sikh-Tempel in Essen verübt haben, waren Studenten der Assalam-Moschee. Abends floriert genau vor der Assalam-Moschee der Drogenhandel. Mit den Erlösen finanziert sich unter anderem auch die Assalam-Moschee.

Für welche Zielgruppe ist die Assalam-Moschee besonders gefährlich?

Die Assalam-Moschee ist insbesondere für junge Frauen gefährlich. Meistens sind das Frauen, die Probleme mit ihren Eltern, Schwiegereltern oder Ehemännern haben.

Sie werden erstmal zu Freitagsgebeten eingeladen, wenig später werden sie in WhatsApp-Gruppen aufgenommen und nach einer gewissen Zeit werden die jungen Frauen dann auch zu privaten Treffen eingeladen.

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Warum nutzen die Salafisten in Essen WhatsApp?

Die salafistische Szene organisierte sich lange Zeit über WhatsApp-Gruppen. Mittlerweile nutzen sie den Messenger Telegram, weil sie gelernt haben, dass WhatsApp leicht zu hacken ist.

Mit Social Media erreichst du schneller und einfacher die Leute. Die WhatsApp-Gruppen waren für die Rekrutierung sehr wichtig. So konnten potentielle Mitglieder leichter geködert werden. Die Salafisten gaukelten ihnen unter anderem vor, ihnen ja nur helfen zu wollen - und betrieben vordergründig Sozialarbeit. Sammelten Geld, um junge Mädchen beispielsweise aus einer Zwangsheirat zu befreien.

Wie waren die WhatsApp-Gruppen aufgebaut?

In drei Rekrutierungs-Stufen.

In der ersten Stufe haben die Frauen beispielsweise wichtige religiöse Inhalte zugeschickt bekommen. Nach zwei bis drei Monaten kam es in der zweiten Stufe zu ersten privaten Treffen mit Frauen, die an dem Austausch in den WhatsApp-Gruppen regelmäßig teilgenommen haben.

Nach weiteren zwei bis drei Monaten ging die Messenger-Rekrutierung in die dritte Stufe über, in die sogenannten Hardcore-Gruppen. Dort haben sich die jungen Frauen unter anderem Hasspredigten von Abul Baraa oder Pierre Vogel angehört.

Kannst du ein konkretes Beispiel nennen?

Einem Mädchen haben die Eltern verboten, das Haus zu verlassen. Sie hatten den Verdacht, dass ihre Tochter einen Freund hat und sich mit ihm treffen wollte. Doch das Mädchen war bereits in einigen salafistischen WhatsApp-Gruppen Mitglied – so war es für die radikalen Muslime leicht, sie für ihre Sache zu gewinnen, obwohl sie Hausverbot hatte.

Wie können die Salafisten gestoppt werden?

Ich fordere, dass islamische Vereine, Schulen und weitere Anlaufstellen für Jugendliche mehr Sozialarbeit betreiben - um so gezielt den Salafisten entgegen zu arbeiten.

 
 

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