Essen: Mann würgt schwangere Freundin bewusstlos – „Wollte, dass sie Ruhe gibt“

Essen: Schwangere zur Bewusstlosigkeit gewürgt

Prozess vor dem Amtsgericht Essen. Eine Schwangere wurde von ihrem Ex-Freund gewürgt.

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Weil Adem D. seine schwangere Freundin im Streit bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben soll, wird ihm seit Mittwoch in Essen der Prozess gemacht.

Essen: Mann nimmt Schwangere in Schwitzkasten

Es war ein Beziehungsstreit im Mai 2019, der Adem D. (21) und Laura S. (22) aus Essen vor das Essener Amtsgericht führte.

Adem D. soll seine Freundin Laura S. während einer Auseinandersetzung in den Schwitzkasten genommen und ihr so die Luft abgeschnürt haben. Besonders schockierend: Die junge Frau war zu dem Zeitpunkt in der 24. Woche schwanger – von Adem D.!

Laura S., die Asthmatikerin ist, wurde bewusstlos, kommt erst nach Minuten wieder zu sich. Sie flieht aus der gemeinsamen Wohnung, ruft die Polizei.

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Der banale Grund für den brutalen Ausraster: Adem wollte schlafen, doch Laura weckte ihn immer wieder auf, weil sie ihn wegen eines vermeintlichen Seitensprungs zur Rede stellen wollte – der verherrende Streit nahm seinen Lauf.

„Ich habe gesagt, dass ich keine Luft bekomme, aber er hat weiter gedrückt“, beschreibt die 22-jährige Laura mit leiser Stimme die beängstigende Situation.

Dann merkte die damals Schwangere, dass ihr ganzer Körper zu kribbeln anfängt – bis ihr schließlich schwarz vor Augen wurde. Wie lang sie bewusstlos war, weiß sie nicht. „Wenn man ohnmächtig ist, fühlt sich die Zeit länger an.“

Als sie wieder wach wurde, schien sich Adem allerdings nicht für ihren Zustand zu interessieren, war anderweitig beschäftigt.

„Sie wollten, dass sie Ruhe gibt“

Die Vorsitzende Richterin Sabrina Hunke gegenüber dem Angeklagten: „Sie wollten, dass ihre Freundin endlich Ruhe gibt – und das hat sie dann getan.“ – „Ja“, gibt Adem D. zu, hat die Tat auch bei der polizeilichen Vernehmung eingeräumt.

Dass er mit der Gewalttat auch das Leben seines ungeborenen Kindes riskierte, habe sich der Angeklagte laut seines Pflichtverteidigers bis heute nicht verziehen.

Angeklagter wegen weiterer Gewalttat angeklagt

Es ist allerdings nicht die einzige Situation, in der der 21-Jährige seinen eigenen Sohn bewusst in Gefahr gebracht hat.

Im November 2019 soll er dem Neugeborenen Liam (damals drei Monate alt) mehrere Feuchttücher in den Mund gesteckt haben, um das schreiende Baby ruhig zu stellen. Laura S. konnte rechtzeitig eingreifen, rettete das gemeinsame Kind vor dem Erstickungstod. >>>HIER die ganze Geschichte lesen.

Adem D. saß deshalb seit November vier Monate in U-Haft, wurde erst kürzlich entlassen (weil die Anklage nicht mehr auf Todschlag, sondern gefährliche Körperverletzung lautet). Mittlerweile lebt Laura S. aus Angst vor ihrem Ex-Freund im Frauenhaus.

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Adem D. erhält Bewährungsstrafe

Für das Würgen von Laura S. wurde der Angeklagte Adem D. am Mittwoch zu einem Jahr und neun Monate Freiheitsentzug auf Bewährung verurteilt – auch im Hinblick auf das kommende Verfahren, das wahrscheinlich eine Haftstrafe zur Folge haben wird.

Laura S. beunruhigt das Urteil trotzdem. Ihr Anwalt Arne Michels hatte sich gegen eine Bewährung ausgesprochen, Haft für Adem D. gefordert.

„Ich hatte mir mehr erhofft, fühle mich sehr unsicher. Ich versteh' nicht, warum das so ausgegangen ist“, so die junge Frau unter Tränen zu DER WESTEN.

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Auch Dennis Engelmann vom Verein „Kinderseelenschützer“ kann die Bewährung nicht verstehen. „Das ist überhaupt nicht nachvollziehbar. Der Angeklagte hat das Leben seiner Freundin und seines Kindes bedroht. Wir hatten mit Laura gehofft, dass er dafür ins Gefängnis geht.“

 
 

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