Essen: Mann tötet SEK-Beamten bei Razzia – SO erklärt er seine Tat vor Gericht

Essen: Der Angeklagte Thomas K. betritt am Freitagmorgen den Gerichtssaal.
Essen: Der Angeklagte Thomas K. betritt am Freitagmorgen den Gerichtssaal.
Foto: Aaron Tanzmann

Essen / Gelsenkirchen. Es ist ein Fall von besonderer Brisanz, der am Freitag vor dem Landgericht Essen verhandelt wird.

Am 29. April 2020 stürmte das SEK Münster die Wohnung des Angeklagten Thomas K. (30) in Gelsenkirchen. K. griff zu einer Schusswaffe, feuerte und verletzte einen Beamten (†28) dabei tödlich. Der Vorfall markiert das erste Mal in der Geschichte der Spezialeinheiten in NRW, dass ein Beamter im Einsatz sein Leben lassen musste. Seit Freitag muss sich K. vor dem Landgericht Essen für die Tat verantworten.

Essen: Prozessauftakt! Thomas K. erschoss im April einen SEK-Beamten

An jenem 29. April gegen 6 Uhr morgens hatten insgesamt neun SEK-Beamte das Mehrfamilienhaus in Gelsenkirchen betreten, in dessen Dachgeschoss die Wohnung von Thomas K. lag. Der zu diesem Zeitpunkt 29-Jährige wurde des illegalen Betäubungsmittelhandels und Waffenbesitzes verdächtigt.

Das spätere Opfer hatte die Wohnungstür gerade mit einer Ramme geöffnet, da fielen auch schon Schüsse. Laut Anklageschrift stand Thomas K., nur mit Socken bekleidet, in der Wohnung und feuerte zweimal in Richtung der Tür. Der erste Schuss traf den Beamten von der Seite, verletzte dessen Herzbeutel und beide Lungenflügel. Die Verletzungen und der hohe Blutverlust führten schließlich zum Tod.

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K. flüchtete ins Badezimmer, wo er sich kurz darauf widerstandslos festnehmen ließ. In seiner Wohnung fanden die Beamten rund 1,5 Kilo Marihuana sowie mehrere Messer, Teleskopschlagstöcke und Schusswaffen türkischer Fertigung. Mittlerweile sitzt K. in der JVA Essen. Auch DER WESTEN berichtete von der Tat.

Angeklagter lebte in Angst vor Rockerbanden

Jetzt wird dem Gelsenkirchener vor dem Landgericht Essen der Prozess gemacht. Zur Verhandlung unter dem Vorsitz von Richter Jörg Schmitt erscheint der 30-Jährige in dunklem Hemd und mit Brille, die langen Haare zu einem Zopf zusammengebunden. Ebenfalls anwesend sind der Vater und die beiden Geschwister des Opfers.

Über seine Verteidiger lässt Thomas K. eine Erklärung verlesen. Er habe die ganze Nacht bis 6 Uhr morgens rauchend am Computer gesessen, bis er die Geräusche des SEK-Teams im Flur vernahm. Sein Verdacht war jedoch ein ganz anderer: Wegen seines Drogenbesitzes hätten ihn einige Rockerbanden bedroht, ihm ein Messer an den Hals gehalten und angekündigt, K. würde „Besuch bekommen“.

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Mit eben solchem Besuch habe K. gerechnet, als er in einem Zustand „nackter Angst“ auf die Eindringlinge feuerte. Den Warnruf „Polizei!“ der Beamten habe er nicht vernommen. Auch die deutliche „Polizei“-Aufschrift auf den Westen der Einsatzkräfte habe er erst nach der Abgabe des tödlichen Schusses bemerkt.

Dieses Detail könnte das Urteil beeinflussen

In seiner Erklärung zeigt Thomas K. Reue und entschuldigt sich bei den Angehörigen des Opfers. Er sei „niemals straffällig oder aggressiv“ gewesen und würde „nie Gewalt gegen einen Polizeibeamten ausüben.“ Er stellt allerdings auch die Frage, warum die Polizei nicht einfach bei ihm geklingelt habe – so hätte diese „schreckliche Situation möglicherweise vermieden werden können“.

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Der Prozess ist auf insgesamt acht Termine bis zum 17. Dezember ausgelegt. Bis dahin muss sich unter anderem klären, ob K. bis zur Schussabgabe wirklich nicht wusste, dass es sich bei den Eindringlingen um Polizeibeamte handelte. Sollte sich etwa herausstellen, dass K. ganz bewusst und gezielt auf Polizisten gefeuert habe, könnte aus seiner bisherigen Mord-Anklage eine Anklage wegen Mordes aus niederen Beweggründen werden. (at)

 
 

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