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Essen: Mann stellt wichtige Frage bei Facebook – und löst eine riesige Diskussion aus

Bei Facebook stößt ein Mann in einer Essen-Gruppe eine wichtige Diskussion an.
Bei Facebook stößt ein Mann in einer Essen-Gruppe eine wichtige Diskussion an.
Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen. Mit einer komplexen Frage sorgte ein Mann aus Essen für eine kontroverse Diskussion in einer Facebook-Gruppe. Denn das Thema ist hoch emotional. Und es spaltet die Geister.

Es geht um den Umgang mit der Trinker-Szene rund um den Hauptbahnhof in Essen. Nun wird diskutiert: Wie soll die Stadt damit umgehen? Welche Verantwortung trägt jeder einzelne von uns?

Essen: Mann spricht schwieriges Thema an

Meist werden diese Fragen je nach politischem Lager unterschiedlich beantwortet. Während die einen auf eine Verdrängungspolitik und ein Vorgehen im Sinne von Law-and-Order - also mittels der Verschärfung und harten Durchsetzung von Gesetzen und Regeln - pochen, kritisiert die Gegenseite genau dies als menschenfeindlich.

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Abseits der politischen Ränkespiele um das Verlagern der Szene-Treffpunkte geht es in dem Facebook-Post mehr um die persönliche Einstellung der Essener.

Essener schildert seine Eindrücke

So beginnt der Schreiber des Post mit der Schilderung seiner persönlichen Eindrücke: „Ich sehe jeden Tag Menschen in dunklen, dreckigen Ecken stehen, um den Alkohol (und was sonst noch) zu konsumieren. Kranke Menschen, denen anscheinend durch die Sucht keine andere Wahl bleibt, als mit anderen Gleichgesinnten in eine Schattenwelt abzutauchen.“ Der eingerichtete Ausweichplatz für die Trinkerszene würde nicht angenommen, viele hielten sich an verschiedenen Ecken rund um den Hauptbahnhof auf.

Dabei sei er sich selbst nicht sicher, wie er sich ausdrücken solle, da die Menschen ihm unglaublich leidtun würden. Am Hinterausgang des Hauptbahnhofs sei es, als laufe man „praktisch durch eine andere Welt.“ Man solle jedoch ganz bewusst darauf achten, was dort passiere, da schließlich jeder auf der Straße enden könnte.

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Der Mann schildert in einer weiteren Episode seines Facebook-Beitrags, wie er beim Einkaufen im Supermarkt am vergangenen Donnerstag für einen, wie der Mann in Anführungszeichen schreibt, „Trinker“ Bier an der Kasse bezahlt hätte und darüber mit ihm ins Gespräch gekommen sei.

Facebook-Post sorgt für Diskussionsstoff

„Selbstverständlich war auch er irgendwann mal ein ganz normaler Mann, der irgendwann mal abgerutscht ist. Schicksalsschläge und Krankheiten. Alkohol war die letzte Zuflucht. Die Spirale nach unten stetig und gnadenlos“, erzählt er bewegend von dem Gespräch.

Seinen Post schließt er mit einigen Fragen an die Mitglieder in der Facebook-Gruppe: „Wie geht die Stadt mit diesem „Problem“ um? Was denkt ihr selbst über solche Menschen? Habt ihr Mitleid? Oder Verachtung?“

Die Schilderung seiner aufmerksamen Beobachtungen gepaart mit den geäußerten Fragen treten eine Welle der Beteiligung los. Unter dem Beitrag finden sich inzwischen mehr als 100 Kommentare. Viele teilen die Sicht des Verfassers:

  • Probleme, die wohl jede Stadt hat und nicht in den Griff bekommt. Die Menschen werden eigentlich von einem Platz zum anderen verjagt.
  • Meiner Meinung nach werden diese Leute von der Gesellschaft abgestoßen und nicht mal mehr wahrgenommen. Ich finde es sehr schade, dass diese Menschen kaum Hilfe und Zuflucht finden. Die Politik kümmert sich viel zu wenig um dieses Thema. Es ist traurig zu sehen, wie die Leute so vor die Hunde gehen.
  • Ganz ehrlich, mir tun diese Menschen leid, man weiß nicht, warum sie in diese Situation gekommen sind.
  • Die Augen verschließen oder diese Menschen mit Missachtung zu strafen ist keine Lösung, denn das Abrutschen in die Obdachlosigkeit oder durch Schicksalsschläge ganz unten zu landen, davor ist keiner gefeit...

Respektvoller Meinungsaustausch

Andere sind allerdings auch der Meinung, dass jeder Mensch „seines Glückes Schmied“ sei und es „genügend Wege aus der Sucht“ gebe. Der Verfasser des Kommentars gibt an, sich auch selbst „aus der Sucht zurück ins Leben gekämpft“ zu haben.

Auch eine andere Nutzerin beschreibt ihren Weg aus der Sucht: „Ich war selber schon in dieser Situation, habe auf der Straße gelebt und war knapp sieben Jahre heroinabhängig. Seit nun 3,5 Jahren bin ich clean, habe die Stadt gewechselt und lebe mein neues Leben.“

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Besonders auffällig: Der Beitrag ruft viele Emotionen und Reaktionen hervor, der Umgangston bleibt aber sehr respektvoll. Das funktioniert nicht immer so gut auf Facebook - doch Geschichten wie diese zeigen das Potenzial von Netzwerken, in denen das Soziale im Fokus steht. (dav)

 
 

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