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Essen: Mann (81) soll Partnerin brutal ermordet haben – vor Gericht weint er: „Ich möchte nicht im Gefängnis sterben“

Der 81-jährige Angeklagte soll seine Lebensgefährtin brutal ermordet haben.
Der 81-jährige Angeklagte soll seine Lebensgefährtin brutal ermordet haben.
Foto: dpa

Essen. Als Ulrich K. den Saal im Landgericht Essen am Freitagmorgen betritt, winkt er den Zuschauern im Saal schüchtern zu. Seine Hände zittern, sein Haar ist weiß, er trägt Hörgeräte und geht leicht gebückt. Wer den 81-Jährigen sieht, kann sich kaum vorstellen, dass er seine Lebensgefährtin grausam ermordet haben soll.

Doch genau das wird dem Rentner vorgeworfen, darum muss er wegen Mordes auf der Anklagebank im Landgericht Essen Platz nehmen. Er soll 26 Mal auf seine Lebensgefährtin eingestochen, auf ihren Schädel mit einem Hammer eingeprügelt und sie zum Schluss so lange gewürgt haben, bis die Adern in ihren Augen geplatzt sind.

Landgericht Essen: Mann (81) soll 26 Mal auf Lebensgefährtin eingestochen haben

So steht es in der Anklageschrift, die Staatsanwältin Birgit Jürgens vorliest. Eine unfassbare Tat, die sich am 16. März dieses Jahres in Gladbeck ereignet haben soll.

Fest steht vor allem eines: Das 73-jährige Opfer wurde auf brutale Weise getötet. Die Frau ist noch in der gemeinsamen Wohnung an ihren schweren Verletzungen gestorben, laut Anklage schon während sie weiter malträtiert worden ist.

Fest steht auch: Als sie bereits tot war, wurde ihr durch die Unterlippe ein Brotmesser so hart in den Kopf gerammt, dass das Messer auf der Rückseite des Schädels wieder ausgetreten ist.

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Angeklagter kann sich an Tat angeblich nicht erinnern

An all das kann sich der Angeklagte nach eigener Aussage nicht erinnern, er habe keine Erinnerung an den späten Montagnachmittag, als die Tat geschah. Er erinnere sich erst wieder daran, dass er im Krankenhaus aufgewacht war am Dienstagmorgen.

Der Vorsitzende Richter versucht während des ersten Prozesstages die Erinnerung wieder aufzufrischen, geht ins Detail, was denn vor der Tat geschehen sei.

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Der 81-Jährige schweift immer wieder ab, erzählt von seiner Kindheit nach dem Krieg, wie er die Mutter seines Sohnes beerdigen musste, wie er das Opfer vor fast 18 Jahren kennenlernte.

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Das ist die Stadt Essen:

  • geht auf das vor 850 gegründete Frauenstift Essen zurück
  • viertgrößte Stadt in NRW
  • 582.760 Einwohner (Stand: Dezember 2019)
  • hat neun Stadtbezirke und 50 Stadtteile
  • seit 1958 Sitz des neugegründeten Bistums Essen
  • Wahrzeichen unter anderen: Zeche Zollverein, Villa Hügel, Grugapark Essen
  • war 2010 Kulturhauptstadt Europas und 2017 Grüne Hauptstadt Europas

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So viele Details sind im Gedächtnis des Angeklagten als Erinnerung geblieben, da fällt es allen Anwesenden schwer zu glauben, dass er sich an die Tat selbst nicht mehr erinnert.

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Er vermutet, dass er es getan hat

„Ich muss es wohl getan haben, es muss ein Kurzschluss oder so gewesen sein. Aber ich erinnere mich nicht daran“, sagt Ulrich K. auf die Frage, ob er denn glaubt, dass er seine Lebensgefährtin getötet habe.

Es habe immer wieder Streit gegeben wegen Kleinigkeiten, auch vor dem Tod des Opfers. Sie hätte ihn gedemütigt, er sollte seine Sachen packen und verschwinden. Er habe einen Hammer aus dem Keller geholt, mit dem er seine Schuhe ausbeulen wollte, damit sie nicht mehr so drückten.

Eine der Tatwaffen, wie sich herausstellt, als dem Angeklagten der Hammer gezeigt wird. Dass er damit mehrfach auf den Kopf seiner Lebensgefährtin eingeschlagen haben soll: „Davon weiß ich nichts“, sagt der Rentner und schüttelt kaum merklich den Kopf.

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81-Jähriger möchte nicht im Gefängnis sterben

Der erste Prozesstag geht nach der Einlassung des Angeklagten zuende. Der 81-Jährige hofft auf ein Gutachten, das ihm nicht so viele Jahre im Gefängnis beschert. Als er gefragt wird, wie er darauf komme, flüstert er: „Ich möchte nicht im Gefängnis sterben.“ Und bricht in Tränen aus.

Ob er wegen einer möglichen Erkrankung überhaupt schuldfähig ist, wird noch geprüft. Im Prozess muss außerdem entschieden werden, ob der Rentner auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden muss. (fb)

 
 

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