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Essen: Leinenzwang im Stadtwald? Hundebesitzerin ist sauer – so reagiert die Stadt

Im Essener Stadtwald läuft ein Hund unangeleint in der Nähe des Lauftreffs umher.
Im Essener Stadtwald läuft ein Hund unangeleint in der Nähe des Lauftreffs umher.
Foto: Funke Foto Services

Essen. Als eine Frau mit ihrem Hund in Essen spazieren gewesen ist, fiel ihr ein Zettel an einem Baum im Stadtwald auf, der sie extrem wütend gemacht hat.

Auf diesem Zettel ist zu lesen, dass ein Leinenzwang für Hunde im Stadtwald von Essen geplant sei. Ein Urheber des Schreibens ist nicht bekannt, wie die Frau gegenüber DER WESTEN erläutert.

Für die Hundehalterin ist es ein Ärgernis, dass angeblich über einen Leinenzwang im Stadtwald nachgedacht wird, vor allem weil Essen „generell sehr hundeunfreundlich“ sei.

„Der Wald ist für alle da. Er ist sehr groß und die meisten Wege sind breit. Da sollte ein rücksichtsvoller, verantwortungsvoller Umgang aller (Radfahrer, Jogger, Spaziergänger, Menschen mit Hund, etc.) möglich sein. (...) Es gibt in Essen keine einzige, eingezäunte Hundewiese, es gibt keine kostenlos zur Verfügung gestellten Hundekotbeutel, die Hundesteuer in Essen ist extrem hoch: sie beträgt für einen Hund 156 Euro, für zwei Hunde 432 Euro und für einen sogenannten Listenhund sogar 852 Euro im Jahr.“

Die Kosten für die Hundesteuer 2019/2020 stimmen und sind tatsächlich höher angesetzt als in den Nachbarsstädten wie Duisburg, Bochum oder Gelsenkirchen.

So viel Hundesteuer nehmen die Nachbarstädte im Jahr 2019/2020:

  • Bochum: 168 für einen Hund, 384 für zwei Hunde, keine Angaben zu Listenhunde
  • Gelsenkirchen: 129 Euro für einen Hund, 294 für zwei Hunde, 627 Euro für Listenhunde
  • Duisburg: 132 für einen Hund, 336 für zwei Hunde, keine Angaben zu Listenhunden

Von einem geplanten Leinenzwang im Stadtwald Essen weiß die Stadt Essen selbst nichts.

Auf Anfrage von DER WESTEN betont eine Sprecherin der Stadt: „Beim Essener Stadtwald handelt es sich um einen Wald, demzufolge greift hier das Landesforstgesetz. Hieraus ergibt sich, dass Hunde grundsätzlich außerhalb von Wegen an der Leine zu führen sind. Auf den Wegen selbst sind die Hunde jederzeit unter Kontrolle zu halten. Das sind keine neuen Regelungen. Sie sind für alle städtischen Wälder auch in Zukunft bindend.“

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Keine Rede von einer Änderung dieser Regelung geschweige denn von einem generellen Leinenzwang.

Ein Hundetrainer aus Duisburg, der bereits früher Drohungen von Hundehaltern erhalten hat und deswegen anonym bleiben will, bestätigt die Stadt Essen und ergänzt: „Die Leinenpflicht im Wald ist sinnvoll, vor allem zur Brut - und Setzzeit des Wildtiers. Generell halte ich ebenfalls nichts vom Leinenzwang, aber leider haben die wenigsten Halter ihre Hunde wirklich unter Kontrolle und können nicht rechtzeitig erkennen, wann der Jagdinstinkt die Oberhand über den Hund gewinnt.“

Hundetrainer ist gegen Leinenzwang, sieht aber noch ein anderes Problem

Dass es immer wieder Ausnahmen gebe, bestätige er schon. Dennoch appelliert er an die Hundehalter: „Wenn du dir nicht zu Tausend Prozent sicher bist, dass dein Hund stets an deiner Seite bleibt, egal welche Ablenkung es gibt, dann nimm ihn an die Leine. Und das gilt für jede Größe und jede Rasse. Auch kleine Hunde können beißen und andere Tiere oder Menschen verletzen.“

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Stadt plant erste umzäunte Hundewiese

  • 2019 hat die Stadt bekanntgegeben, dass die Hundewiese im Hallo-Park umzäunt werden soll
  • liegt in Stoppenberg
  • Tierschutzverein will sich an Kosten beteiligen
  • Verein fordert seit Jahren umzäunte Hundewiesen, damit Tiere frei laufen können
  • es gibt 30 Hundewiesen in der Stadt
  • sobald ein Finanzier gefunden ist, soll der Zaun gebaut werden
  • Kosten legen bei circa 40.000 Euro

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Für die Hundehalterin aus Essen bleibt es dennoch ein Aufreger, denn ihrer Meinung nach braucht es keinen Leinenzwang. „Ich bin seit 25 Jahren zu unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Tagen im Stadtwald unterwegs. Ich habe noch nie einen Vorfall zwischen Hunden und Joggern oder Spaziergängern erlebt. (...) Wenn es mal einen Vorfall gab oder geben wird, muss genau diese zuständige Person zur Rechenschaft gezogen werden und nicht auch die restlichen 99,5 Prozent der verantwortungsvollen Hundehalter, die den Wald genießen.“

Hunde sind oft gutmütig

Dem stimmt der Hundetrainer zu. Er betont: „Zwar haben die wenigsten Halter ihre Hunde wirklich unter Kontrolle, aber zum Glück sind die meisten Hunde auch eher gutmütig und wirklich nur am Spielen mit Artgenossen interessiert. Ein Leinenzwang ist Quatsch, ein verantwortungsbewusster Umgang untereinander hingegen nicht.“ (fb/dav)

 
 

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