Essen

Essen: Sozialarbeiter wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht – in einem Fall soll er besonders perfide vorgegangen sein

Der Angeklagte Olaf T. verdeckt sein Gesicht vor den Fotografen mit einem Pullover. Daneben sein Verteidiger.
Der Angeklagte Olaf T. verdeckt sein Gesicht vor den Fotografen mit einem Pullover. Daneben sein Verteidiger.
Foto: Metin Gülmen/DER WESTEN

Essen. Hat DIESER Mann aus Essen die prekäre Situation von Minderjährigen ausgenutzt, um sie sexuell missbrauchen zu können und sich an ihnen zu bereichern?

Seit Montag wird Olaf T. (51) vor dem Landgericht Essen der Prozess gemacht. Dem studierten Sozialarbeiter, der heute von einer Rente lebt, werden mehrere Straftaten von April bis August 2020 vorgeworfen, darunter den schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes sowie die Vermittlung seiner jugendlichen Opfer an verschiedene Freier in der eigenen Wohnung. Seit September sitzt er in Untersuchungshaft.

Essen: Mann soll mehrere Minderjährige missbraucht und an andere Freier verkauft haben

Laut Staatsanwaltschaft stammen die vier männlichen Opfer aus prekären Verhältnissen, sind zum Teil drogensüchtig und so auf Geld angewiesen – Geld, das T. ihnen gegen sexuelle Dienste zukommen lassen haben soll. Und: Er soll in seiner Wohnung in Essen ein Extra-Zimmer für „Massagen“ hergerichtet haben, in denen er im Internet entsprechende Inserate eingestellt und die Jugendlichen angeboten haben soll. Seine Opfer soll er in einer Essener Szene-Kneipe für Homosexuelle nach und nach kennengelernt haben.

Die Anklage erhebt in einem Fall besonders schwere Vorwürfe: Eines seiner Opfer, das von zuhause abgehauen ist, soll er nur über Nacht bei sich schlafen lassen haben, wenn er sich zu Sex bereit erkläre – ansonsten müsse er die Nacht auf der Straße verbringen. So unter Druck gesetzt, soll das Opfer eingewilligt und weiteren Missbrauch über sich ergehen lassen haben.

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Kindesmissbrauch in Deutschland:

  • eine systematische Erfassung der Fälle ist nicht existent, die WHO schätzt für Deutschland eine Million Betroffene
  • laut Polizeistatistik findet sexueller Missbrauch zu 92 Prozent im Alter von 6 und 14 Jahren statt, die übrigen Opfer sind Kinder bis 6 Jahre
  • Von den Tatverdächtigen sind 8 Prozent Kinder und 21 Prozent Jugendliche
  • 2019 sind in Deutschland 15.701 Kinder als Opfer polizeilich erfasst worden
  • das Bundeskriminalamt schätzt, dass nur jeder 15. Missbrauch angezeigt, und davon wiederum nur jeder fünfte Fall verhandelt wird
  • Mädchen sind etwa drei- bis viermal häufiger betroffen als Jungen

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Angeklagter aus Essen mit Einlassung: „Habe ihr Alter nicht hinterfragt“

Nach der Anklageverlesung hat sich Olaf T. zu einer Einlassung bereit erklärt. Der Mann, der schon 1999 und 2001 wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilt worden ist, hat angegeben, eines der Opfer nicht zu kennen und keinerlei Sex mit ihm gehabt zu haben. Mit einem anderen Opfer habe er zwar mehrere Sex-Dates gehabt. Doch er sei davon ausgegangen, dass er mindestens 18 Jahre alt wäre, weil er „schon alleine Auto gefahren“ sei und er in der Szene-Kneipe am Spielautomaten gezockt habe. T.: „Ich kenne den Kneipen-Betreiber und dachte, dass er keine Minderjährigen in die Kneipe oder am Spielautomaten spielen lassen würde. Deshalb habe ich das Alter nicht hinterfragt. Ich war vor Liebe blind.“

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Der Verteidiger von T., Marc Grünebaum (47), kritisierte zu Beginn der Verhandlung die Ermittlungen. So habe ein vermeintliches Opfer mehrfach ausgesagt, es sei gar nicht missbraucht worden. Zudem solle sein Mandant noch als Zuhälter tätig gewesen sein, als er schon hinter Gittern saß. Einer der Jugendlichen sei außerdem nicht glaubhaft, weil er wegen Falschaussage in der Vergangenheit bereits vorbestraft sei.

Der Prozess wird fortgesetzt. (mg)

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