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Essen: Kitas öffnen in Coronakrise wieder – Erzieherin gesteht offen „Das ist sehr schwierig“

Auch in Essen können am 8. Juni alle Kinder zurück in die Kitas.
Auch in Essen können am 8. Juni alle Kinder zurück in die Kitas.
Foto: Julia Scholz

Essen. Eltern klingeln an und stellen sich dann brav mit einem Mindestabstand zueinander vor der Eingangstür auf. Vor der „Kita Kämpenstraße“ in Essen herrscht reger Betrieb - und dass obwohl die reguläre Wiedereröffnung der Kitas nach dem Lockdown in der Coronakrise erst am 8. Juni beginnt.

„Rund 40 der etwa 130 Kinder betreuen wir derzeit. Und am Donnerstag werden es noch mehr werden, wenn der Regelbetrieb für die Vorschulkinder wieder losgeht“, erzählt Elisabeth Voßenberger, Leiterin der städtischen Kita in Essen-Holsterhausen im Gespräch mit DER WESTEN.

Essen: Kitas öffnen in der Coronakrise wieder - Erzieherin erzählt: „Das ist schwierig“

Doch das war nicht immer so. In der Anfangsphase des Lockdowns war nur ein einziges Kind in der Notbetreuung. Der anderthalbjährige Junge genoss die 1:1-Betreuung. „Er hat natürlich unsere ungeteilte Aufmerksamkeit bekommen“ , so die Leiterin lachend. Eigentlich eine schöne Zeit, sagt sie.

Nach und nach kamen einige wenige Kinder hinzu - und das obwohl rund die Hälfte der Eltern ein Anrecht auf die Notbetreuung hatten, schätzt ihre Kollegin Justyna Mahlik.

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Auch wenn die Sorge vor der Ansteckung mit dem Coronavirus noch groß ist, sei es aber in erster Linie eine enorme Entlastung für die familiäre Situation, dass die Kinder wieder betreut werden können.

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Kita-Öffnung in Essen:

  • Seit dem 23. März gab es in Essen die Notbetreuung für Eltern in systemrelevanten Berufen
  • Ab dem 8. Juni soll der Regelbetrieb in Kitas wieder aufgenommen werden
  • Dann dürfen alle der 19.644 Kita-Kinder zurück in die Kindergärten
  • Ab dem 28. Mai dürfen die Vorschulkinder (insgesamt 5580) schon zurück
  • Das Land NRW hatte die Elternbeiträge im Lockdown ausgesetzt, im Juni und Juli sei nur die Hälfte fällig
  • Kinder werden allerdings nur im reduzierten Umfang im Regelbetrieb (10 Stunden weniger pro Woche) betreut

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Zwar gebe es seitens der Eltern viele Fragen und Bedenken: 'Tragen die Erzieher Mund-Nasen-Schutz? Und was ist mit dem Sicherheitsabstand?' Doch das ist in einer Kindertagesstätte schlichtweg unmöglich. „Ich nehme die Kinder auf den Schoß, wasche ihnen die Hände und wickele sie. Wie soll da Körperkontakt vermieden werden?“, erklärt Mahlik und fügt hinzu: „Ich finde es sehr schwierig, aber das ist nun mal mein Job.“ Und der ist mit den Coronaregeln eben unvereinbar. „Wir sind ein ungeschützter Bereich. Das ist ganz klar“, pflichtet ihre Chefin bei.

Nichtsdestotrotz: Kinder fahren im Außengelände mit Bobbycars herum und krabbeln in Tunneln herum, Mitarbeiter bewässern die trockenen Pflanzen - es wirkt wie ein ganz normaler Nachmittag - wäre da nicht das rot-weiß gestreifte Flatterband, was den Spielbereich in mehrere Felder trennt.

Kita-Kinder müssen regelmäßig Hände waschen

Die ganz kleinen Kinder verstehen noch nicht genau, was die heimtückische Virenkrankheit bedeutet, größere haben aber schon gelernt damit umzugehen und pfeifen im Waschraum auch mal laut „Backe backe Kuchen“, wenn sie die Hände waschen.

Manchmal werden die Kinder aber auch wütend, weil sie nicht mit ihren Freunden aus anderen Gruppen wie gewohnt im Hof spielen können. Dann fliegen auch mal Flüche wie „Scheiß-Corona“. Aber alles in allem sind die Kinder auch froh, dass sie sich wiedersehen.

Das Team versucht etwas Normalität zurückzugeben. „Ich sage den Eltern klipp und klar, dass ich ihnen keine Garantie geben kann. Es ist eine besondere Situation. Das macht schon was mit einem, man wird feinfühliger“, gibt Voßenberger zu Bedenken. Und: „Natürlich habe ich Sorge um meine Mitarbeiter.“ Jedem der Erzieher ist es daher selbst überlassen, ob er einen Mund-Nasen-Schutz tragen möchte – sie entschieden sich dagegen.

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Doch bisher gab es keinen einzigen Corona-Fall oder Verdachtsfall in der Kita und auch nicht im näheren Umfeld, bestätigen die beiden Erzieherinnen. Und damit das auch so bleibt, gibt es einige Regeln, die einzuhalten sind.

  • Die Kinder der sieben verschiedenen Gruppen dürfen nicht mehr zusammen spielen
  • Im großen Hof hilft Flatterband, um die Spielbereiche abzutrennen
  • Die Kinder müssen sich zwar nicht die Hände desinfizieren, gründliches Waschen ist aber regelmäßig Pflicht
  • Desinfektionsmittel steht bereit, auch Oberflächen werden stets gereinigt
  • Eltern müssen draußen bleiben. Das Betretungsverbot soll auch nach dem 8. Juni weiterhin gelten
  • Provisorische Schlafräume wurden eingerichtet, um Abstand zu gewährleisten

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Auf den Start am 8. Juni müssen sich die insgesamt 23 Erzieher und drei Auszubildenden der Kita Kämpenstraße also nicht weiter vorbereiten. Ändern können sie an der Situation nichts, planen sowieso nicht im Voraus. Vorsichtig und wachsam sein und bei Krankheitssymptomen schnell reagieren.

Was sie sich wünschen? Dass ihre „Dienstleistung“ durch die Coronakrise - wie viele andere Berufe beispielsweise die Pflegekräfte oder Supermarktangestellte - mehr wertgeschätzt wird.

Am 8. Juni öffnen Kitas in NRW wieder für alle Kinder

Und dann heißt es bald auch schon Türen auf. Voßenberger schätzt, dass in etwa der Großteil aller Kinder zurückkommen werde. „Wir sind gespannt.“ Eltern hingegen müssen weiterhin draußen bleiben. Eine Belastungsprobe, bei der ein Ende leider immer noch nicht in Sicht ist.

 
 

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