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Essen: War alles ganz anders? Mutter des angeblichen U-Bahn-Schubsers (14) mit scharfer Kritik an der Polizei

In der U-Bahn-Station Berliner Platz kam es zu „Lauf- und Jagdszenen“.
In der U-Bahn-Station Berliner Platz kam es zu „Lauf- und Jagdszenen“.
Foto: Funke Foto Service/Polizei Essen Montage: DER WESTEN

Essen. „Es ist eine traurige und schlimme Erfahrung für eine Mutter“, sagt Sarah S.* „Egal ob Opfer oder Täter“.

Ihr Sohn (14) machte deutschlandweit als U-Bahn-Schubser von Essen Schlagzeilen, wurde zum Kopf einer Bande von Jugendlichen erklärt, die einen 20-Jährigen brutal auf die Gleise der U-Bahn gestoßen habe. Mit gestochen scharfen Bildern aus der Überwachungskamera fahndete die Polizei Essen nach dem 14-Jährigen.

Essen: Mutter des angeblichen U-Bahn-Schubers: „Mein Sohn hat sich gewehrt“

Sarah S. aus Essen-Altendorf widerspricht dieser Darstellung und macht der Essener Polizei Vorwürfe. „Was mich stört, ist, dass mein Sohn jetzt hingestellt wird, als sei er der Kopf der Bande. Er hat sich gewehrt und wird jetzt durch die Fahndungsfotos der Polizei als Haupttäter dargestellt“, sagt sie.

Auch wenn er nicht unschuldig sei, ist sich Sarah S. sicher: Ihr Sohn ist nicht der brutale U-Bahn-Schubser, zu dem er jetzt gemacht wird. Die Familie habe seither unzählige Nachrichten bekommen, ihr Sohn Morddrohungen von wildfremden Personen. „Er geht momentan nicht mal aus dem Haus, wird bedroht.“

Mutter: „Ich war geschockt, wusste nicht was ich machen sollte“

Aber der Reihe nach. Am Dienstagmittag veröffentlichte die Polizei Fahndungsbilder von mehreren Jugendlichen. In der Meldung dazu heißt es, sie hätten einen 20-Jährigen geschlagen und schließlich auf die Gleise geschubst.

Am Dienstagabend entdeckte Sarah S. die Fahndungsbilder. Und erkannte ihren Sohn. „Ich war geschockt, ich habe die Bilder gesehen und wusste nicht, was ich machen sollte“, erzählt sie.

Ihr Sohn habe zwar von einem Vorfall in der U-Bahn an Juni-Samstag berichtet, aber nicht wie jetzt in allen Medien zu lesen ist, als Haupttäter einer brutalen Jugendbande.

Sohn stellte sich noch am Abend

Sofort habe sie noch am Abend ihren Sohn konfrontiert. Er habe beteuert, dass es nicht so gewesen sei, wie dargestellt. „Ich habe ihm nicht geglaubt“, so seine Mutter.

Sie seien noch gemeinsam um 23 Uhr auf die Wache in Altenessen gefahren, wo der Jugendliche sich gestellt habe. Inzwischen hat ihr Sohn dort eine Aussage gemacht. Auch die Bilder der Überwachungskamera habe sie gesehen, sagt Sarah S.

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Aus Provokationen werden Lauf- und Jagdszenen

Was zeigt das Video? Darin, so schildert es die Mutter, sei zu sehen, wie ihr Sohn und zwei Freunde dem späteren Opfer begegnen. Der in einem gelben BVB-Trikot bekleidete 20-Jährige soll aggressiv gewesen sein. Aus der Gruppe der Jugendlichen um ihren Sohn sei ein „Scheiß BVB“ gefallen.

„Das 'Opfer' ist den drei Jungs dann hinterhergerannt. Die sind zunächst weggerannt, dann hat er einen der Jungs gegen den Oberschenkel getreten und ist selbst weggerannt“, erzählt es die Mutter.

In der Folge seien weitere Freunde ihres Sohnes hinzugekommen. Gemeinsam hätten sie beschlossen, den 20-jährigen BVB-Fan noch einmal aufzusuchen.

Polizei: „Opfer wurde massiv angegriffen“

Am unteren Ende der Rolltreppe soll dann es zu Beleidigungen, einer Rangelei und fliegenden Fäusten gekommen sein. Ein Junge habe dabei wiederholt versucht, zu schlichten.

Ein Freund ihres Sohnes soll den 20-Jährigen geschlagen haben, dann weggerannt sein. Daraufhin sei der 20-Jährige auf ihren Sohn losgegangen, habe auf ihn eingetreten.

Hat sich der angebliche Haupttäter nur gewehrt? Ja, sagt seine Mutter. Er habe mit zwei Faustschläge zurückgeschlagen. Diese Szene ist genau der Moment, der auf dem Fahndungsbild der Essener Polizei zu sehen ist. Das Bild macht den Jungen zum mutmaßlichen Anführer der Jugendlichen.

Was sagt die Essener Polizei zu den Vorwürfen der Mutter?

Die Polizei rechtfertigt die Veröffentlichung der Bilder. „Wir haben bei unserer Fahndung die Bilder verwendet, auf denen die Jugendlichen am besten zu erkennen sind“, begründet Polizeisprecher Peter Elke die Auswahl der Fahndungsfotos.

„Es bringt nichts, wenn wir Bilder nehmen, auf denen die Personen nicht zu erkennen sind. Mithilfe der Bilder haben wir viele Hinweise erhalten und konnten die Jugendlichen schnell identifizieren.“

Die Polizei spricht von „Lauf- und Jagdszenen“, die sich in der U-Bahn-Station abspielten. „Das Opfer wurde dabei massiv angegriffen“, sagt Elke.

Andere Jugend-Gruppe aufgetaucht

Und der Stoß auf die Gleise? Sarah S. sagt: Damit habe ihr Sohn nichts zu tun. Er und die beiden Kumpels seien nach der Prügelei die Rolltreppe hoch abgehauen.

„Eine andere Gruppe Jugendlicher, die mein Sohn und seine Freunde gar nicht kannten, ist schon vorher hinzugekommen und hat das Geschehen auch gefilmt. Sie haben im Anschluss weitergemacht“, so die Mutter. Sie glaubt: Diese zweite Gruppe ist für den folgenreichen Stoß auf die Gleise verantwortlich.

Was sagt die Polizei dazu? Sie bestätigt Teile der Version der Mutter inzwischen. Nach einer ersten körperlichen Auseinandersetzung flüchteten einige Jugendliche, während andere dem 20-Jährigen nachsetzten, heißt es in einer Mitteilung.

Wurde der 20-Jährige ins Gleisbett gestoßen, oder nicht?

Ob der junge Mann auf der Flucht notgedrungen in das Gleisbett sprang oder gestoßen wurde, werde derzeit ermittelt. „Unbestritten ist, er befand sich im Gleis“, so der Polizeisprecher.

Elke bestätigt: „Wir haben offenbar zwei Gruppen mit ähnlichem Vorgehen. Im ersten Fall sprechen wir von Körperverletzung. Ein Schubser aufs Gleis ist sicher nochmal eine stärkere Gefährdung.“

Man wolle niemand vorverurteilen. Wer letztlich Haupttäter sei, müsse schlussendlich ein Gericht klären, heißt es von der Polizei.

Polizei sucht weiter Zeugen

Bis dahin wartet noch einige Ermittlungsarbeit auf die Polizei. „Wir müssen noch mit einigen Jugendlichen und ihren Eltern sprechen. Bis alles geklärt ist, wird noch einige Zeit ins Land gehen.“

Um den Vorfall final aufzuklären, sucht die Polizei weiter nach Zeugen, die diese Situation beobachten konnten. Sie können sich unter 0201/829-0 melden.

*Name der Redaktion bekannt

 
 

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