„Essen ist nicht braun, sondern bunt“

Von wegen „einmal Deutschland und zurück“. Dafür reichte es noch lange nicht. Nach nur drei Stunden des gut behüteten Anwanderns gegen die angebliche Asylflut und Islamisierung hatte das Häuflein der 80 Rechtsextremisten schon genug: Bis 20 Uhr hatten sie in Esssen protestieren wollen. Doch bereits gegen 17 Uhr am Samstag rollten die NPD-Anhänger ihre Fahnen ein, während rund 800 Gegendemonstranten, die dem Aufruf des Bündnisses „Essen stellt sich quer“ ins Südviertel gefolgt waren, überlaut und gut gelaunt einen gefühlten Etappensieg gegen ewig gestrige Botschaften feierten.

Danach war auch der Polizei ein wenig zumute. Schließlich hatte man behördlicherseits keine Mühen gescheut, der NPD und den Antifaschisten möglichst kommode Aktionen frei von Störungen des jeweils anderen Lagers zu ermöglichen: Einsatzhundertschaften und Zivilkräfte, Hundeführer und Reiterstaffel hatten die Lage innerhalb der aufwändigen Absperrungen bis zum Schluss so souverän im Griff, dass weder die bereit gestellten Wasserwerfer zum Einsatz kamen, noch die Blockadeaktionen linksautonomer Aktivisten von irgendeinem Erfolg gekrönt waren. Am Ende wurden nicht mehr als fünf Demonstranten vorübergehend aus dem Verkehr gezogen. Hauptsächlich wegen Rauschgiftdelikten, wie Polizeisprecher Ulrich Faßbender sagte; und einer wegen eines körperlichen Angriffs auf den Versammlungsleiter der NPD. Der 34-Jährige aus dem linken Spektrum wurde festgenommen, sein Gegenüber blieb unverletzt. Polizeichef Detlef Köbbel meinte: „Beabsichtigte Störungen konnten wir im Ansatz verhindern. Unser Konzept ist aufgegangen.“

Unseres auch, dürfte Max Adelmann für sich reklamieren. Es sei bedauerlich, dass es der NPD gelang, durch Essen zu marschieren, sagte der Sprecher des Bündnisses „Essen stellt sich quer“ am Sonntag. Mit einer „überdurchschnittlich hohen Zahl von Unterstützern habe man aber den Protest „klar und deutlich“ auf die Straße getragen; „wenn auch nicht ganz in der Nähe der NPD, wie wir uns das vorgestellt haben“. Das habe die Polizei verhindert. Klar und deutlich seien auch die Worte des OB zum Auftakt gewesen: „Ein NPD-Auftritt in Essen darf nicht unkommentiert bleiben, deshalb bin ich als Oberbürgermeister gekommen“, sagte Thomas Kufen: „Essen ist nicht braun, sondern bunt.“

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