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Essen: „Insider“ der Geldtransporter-Bande packt aus – So wurden die Millionen-Coups geplant

Geldtransporter-Bande vor Gericht in Essen

In Essen steht eine Geldtransporter-Bande vor Gericht. Auf ihr Konto gehen spektakuläre Taten.

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Essen. In ein paar Tagen wäre wohl Zahltag gewesen!

Dann wäre das Jahr vorbei gewesen, genug Gras über die Sache gewachsen. Ahmad A. (45) sollte seinen Anteil für die Millionen-Coups der Geldtransporter-Bande bekommen. Doch statt einem warmen Geldregen klickten im Dezember 2018 die Handschellen durch das SEK.

Essen: Geldtransporter-Bande vor Gericht - Zwist unter Angeklagten

Vor dem Landgericht in Essen zeigte sich der Familienvater geständig. Schon vorher hatte er mit der Polizei kooperiert. Er habe Komplizen Asier S. (25) mit Insider-Informationen, nachgemachten Schlüsseln und Codes versorgt, sodass dieser vermutlich mit Komplizen einen Geldtransporter in Dortmund (Beute 520.000 Euro), einen Geldautomaten in Werne (250.000 Euro) und die Einnahmen eines Weihnachtsgeschäfts eines Getränkegroßhandels in Gronau (1,8 Mio Euro) ausräumen konnten.

Der Geldtransporter-Fahrer schilderte, wie erschreckend einfach es aufgrund offensichtlicher Sicherheitslücken für ihn war, die notwendigen Schlüssel und Codes zu missbrauchen.

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Ahmad A. hatte sich bislang als Geschäftsmann in Recklinghausen verdient gemacht, verschiedene Restaurants und ein Sonnenstudio geführt. Er habe Asier S. schon gekannt, als der noch ein Teenager war. Damals sei dieser regelmäßig zu Besuch in seinem Recklinghäuser Restaurant gewesen, weil dessen Mutter dort arbeitete. Später leitete A. neben seiner Tätigkeit als Geldtransporterfahrer ein Sonnenstudio in Recklinghausen und kam dort näher in Kontakt mit Asier S.

Als Ahmad A. ihm von Sicherheitslücken in den Abläufen der Geldtransporte berichtete, soll Asier S. hellhörig geworden sein und sich nach und nach sein Vertrauen erschlichen haben, so der Geständige. „Ich war gestresst, schwach und dumm. Habe ihm vertraut“, so A. über den einstigen Komplize S.

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Und so versorgte Ahmad A. seinen Komplizen mit Details. Etwa dass ein Geldtransporter entgegen der Vorschriften für kurze Zeit unbewacht vor dem Dortmunder Stadthaus stehe. Oder wie mithilfe eines von A. besorgten Schlüssels und Codes ein Geldautomat auszuräumen sei. Und auch wann ein Geldtransporter immer die Tageseinnahmen des Getränkemarktes abhole. Die passende Quittung besorgte Ahmad A. gleich mit. Die Taten an sich seien jeweils ohne ihn geschehen, so Ahmad A.

Asier S. widerspricht Aussage seines Komplizen

Das klang in einer vom Anwalt von Asier S. verlassenen Einlassung anders. Ahmad A. habe ihn rekrutiert, weil er sich nicht allein getraut habe, die Coups durchzuziehen. Bei der ersten Tat habe A. zehn Prozent des Anteils bekommen, bei der zweiten Tat, dem Leeren eines Geldautomaten in Werne, soll er selbst dabei gewesen sein und den Löwen-Anteil eingestrichen haben, so die Aussage von Asier S. Die Harmonie von einst zwischen den Angeklagten ist hinüber. Gegenseitig bezichtigten sie sich der Lüge.

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Insider will kein Geld gesehen haben

Es wird die Aufgabe des Gerichts sein, herauszukristallisieren, wer Initiator der Millionen-Coups war und wie beteiligt war. Denn Ahmad A. behauptete, er habe bis heute kein Geld der Beute gesehen. Ausgemacht seien 100.000 Euro für die drei Coups gewesen, sie sollten nach etwa einem Jahr fließen, wenn Gras über die Sache gewachsen sei. Die anderen Angeklagten sollen laut Staatsanwaltschaft im Luxus gelebt haben.

Stutzig machte die Richterin jedoch, dass A. sich gemeinsam mit seiner Schwester nach den Millionen-Coups einen neuen Jaguar zulegte und eine Immobilie erwarb. Auch eine teure Rolexuhr fanden die Beamten bei der Durchsuchung seiner Wohnung. „Der Großteil der Beute ist bis heute verschwunden“, sagte A.s Anwalt Hans Reinhardt gegenüber DER WESTEN. (ms)

 
 

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