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Essen: Seit Wochen steht ein Container auf dem Thyssenkrupp-Gelände – darin befindet sich etwas Unerwartetes

Seit einigen Wochen steht ein Container auf dem Gelände des Konzerns Thyssenkrupp.
Seit einigen Wochen steht ein Container auf dem Gelände des Konzerns Thyssenkrupp.
Foto: Dennis Özmen

Essen. Wer in Essen mit der Tram an Thyssenkrupp vorbeifährt, dem fällt etwas Ungewöhnliches auf. Auf dem großen Gelände des Konzerns steht ein Container, der einfach nicht ins Bild passt. Darin befindet sich nicht etwa eine Unterkunft oder Ähnliches - sondern eine Kneipe.

Essen: Thyssenkrupp eröffnet hauseigene Kneipe

Wer die Blechbüchse betritt, taucht in eine andere Welt ein. Auf einmal duftet es nach Holz. Die Einrichtung stammt aus einem alten Wirtshaus aus der Eifel und die Holzbalken sorgen für eine zusätzliche Authentizität.

„Nach zwei Bier dachte ich, ich bin in einer Kneipe im Pott“, sagt Wirt Jens Freitt. Der 41-Jährige ist ein Ruhrpott-Original, weswegen Thyssenkrupp sich keinen besseren als den 41-Jährigen hinter dem Tresen vorstellen kann.

Doch die Kneipe ist ausschließlich für Mitarbeiter. Von 16 bis 20 Uhr können sie sich dort für zwei Euro ein Pils (0,3 Liter) bestellen.

„Wir werden wahrscheinlich die erste Kneipe sein, die freitags Ruhetag hat“

Die Kneipe „Q3“ bietet alles an, was ein herkömmliches Wirtshaus zu bieten hat. Abgesehen von der Theke stehen ein Kickertisch, eine Jukebox und ein Fernseher im Raum. Eine Dartscheibe hängt natürlich auch an der Wand.

„Bald haben wir auch Sky hier und können die Bundesliga schauen“, freut sich der Wirt.

Doch die Kneipe ist nicht nur zum Spaß dort und hat einen ernsten Hintergrund. Durch die bevorstehende Teilung hat das Essener Großunternehmen die Maßnahme ergriffen, um in Kontakt mit seinen Mitarbeitern zu treten.

Thyssenkrupp teilt sich in zwei eigenständige, börsennotierte Unternehmen auf. Ab dem nächsten Jahr existieren dann auf dem Standort in Essen Thyssenkrupp Materials für den Werkstoffhandel und Thyssenkrupp Industrials für das Automobilgeschäft und den Kernanlagenbau.

„Natürlich haben unsere Mitarbeiter Fragen zur Teilung. Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. So kamen wir auf die Idee, eine Kneipe als Forum für den Dialog mit unseren Mitarbeitern zu eröffnen“, sagt Pressesprecher Oliver Herkert.

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Für Thyssenkrupp sei es wichtig, dass die Mitarbeiter offen und direkt über die Teilung des Unternehmens reden können: „In einer Kneipe ist die Stimmung entspannt. Hier unterhalten sich die Leute ungezwungener als beispielsweise in einem Konferenzraum.“ Unter anderem bietet das Unternehmen Smalltalks und Gespräche mit den Vorstandsvorsitzenden an.

„Q3“ ein Forum für bevorstehende Teilung

Die Teilung ist ein großes Thema für die Mitarbeiter. Denn für sie wird sich auf der Arbeit einiges ändern, wenn fortan zwei Vorstände existieren.

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Zwar sorgt die Betriebskneipe für eine lockere Atmosphäre, aber einige Angestellte lassen dennoch lieber Vorsicht walten. Wer Angst davor hat, sich mit seiner Frage unbeliebt zu machen, kann sie an Jens Freitt weiterleiten. Er übernimmt als Wirt gerne die Aufgabe als Sprachrohr: „Ich mach dann gern den Mund auf und frage das, was andere nicht fragen würden.“ Bisher sei es aber noch nicht dazu gekommen.

Wegen der besonderen Situation wird die Betriebskneipe auch nicht ewig offen bleiben. Spätestens wenn die Teilung vollzogen ist, schließt der Wirtscontainer wieder.

Ganz üblich läuft es im „Q3“ ohnehin nicht ab. „Ich dachte, dass es hier am Freitag voll sein wird, weil ja Wochenende ist. Aber stattdessen war kaum jemand hier. Wir werden wahrscheinlich die erste Kneipe sein, die freitags Ruhetag hat“, erzählt der 41-Jährige Wirt und lacht.

 
 

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