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Essen: Mirons Tod (✝14) versetzte ganzen Stadtteil in Trauer – bislang unbekanntes Detail rückt jetzt in den Fokus

So entsteht ein Phantombild

Ingo von Westphal ist Phantombildzeichner. Uns hat er erklärt, wie ein Phantombild entsteht.

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Essen. Diese Tat hat viele Menschen bestürzt! Hunderte kamen am 21. April in Trauer zusammen. Kerzen werden aufgestellt, Musik wird gespielt, Tränen fließen.

Es war ein bewegender Abschied von Miron (14), der zwei Tage vorher in Essen-Horst ums Leben gebracht wurde. Am Montag startet der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter Lukas B. (18). Sein Verteidiger rechnet mit einem hitzigen Verfahren.

Essen: Nach Tötung von Miron (14) beginnt Prozess am Landgericht

Der Totschlag-Prozess am Landgericht in Essen findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Angeklagt ist ein inzwischen 18-jähriger Realschüler, der zur Tatzeit noch Jugendlicher gewesen ist.

Er soll den 14-jährigen Jugendlichen mit einem Messer niedergestochen und tödlich verletzt haben. Vorausgegangen war eine Streitigkeit unter Jugendlichen. Es ging offenbar um ein Mädchen.

Nach Aktenlage wollte sich der Angeklagte mit einem Mädchen treffen, das auf einer Geburtstagsparty in Hörsterfeld mit ihrer Clique – darunter dem späteren Opfer – war. Das Mädchen habe ein Treffen aber abgelehnt, der alkoholisierte Angeklagte soll nicht locker gelassen haben.

Ein Freund von Miron habe das Handy von dem Mädchen übernommen und mit dem Angeklagten gesprochen. Man drohte sich offenbar gegenseitig und verabredete sich an der unweit gelegenen Bushaltestelle auf dem Von-Ossietzky-Ring, wo der Angeklagte mit einer Wodkaflasche auf das Mädchen wartete. Die Clique um Miron zog daraufhin zur Bushaltestelle.

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„Man hat den Showdown gesucht“, ist Strafverteidiger André Wallmüller überzeugt. Er vertritt den Angeklagten im Prozess. Sein Mandant und das spätere Opfer hätten sich persönlich nicht gekannt, so Wallmüller.

Wallmüller ist sich sicher: „Die Beweisaufnahme wird anderes ergeben als bislang dargestellt.“ Denn laut Verteidiger soll das Opfer vor dem tödlichen Messerstich gemeinsam mit seinem Kumpel mit Stockschirmen mit Eisenspitzen bewaffnet auf den Angeklagten losgegangen sein und auf ihn eingeschlagen haben. Die Strategie der Verteidigung dürfte damit auf eine Notwehrlage abzielen.

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Das habe auch eine Zeugin bei der Polizei so ausgesagt. Anschließend sei sie von Familienangehörigen des Opfers unter Druck gesetzt worden, so Wallmüller. Das Mädchen habe Strafanzeige gestellt, erklärt der Strafverteidiger aus Essen. „Sie hat Angst und wird unter Zeugenbeistand aussagen“, erklärt er. „Es herrscht eine gewisse Anspannung“, sagt der Verteidiger mit Blick auf dem Prozessauftakt.

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Sein Mandant, der von der U-Haft verschont wurde, werde zum Auftakt des Prozesses schweigen, erklärt Wallmüller. Er wolle sich im Laufe des Prozesses äußern. Lukas B. war nach der Tat zunächst vom Tatort geflüchtet, konnte mithilfe einer Wärmebildkamera von der Polizei aufgespürt werden.

Der 14-jährige Miron erlag trotz sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Alexander von Wrese vertritt die Familie des Jungen in der Nebenklage. „Die Familie steht immer noch unter Schock, der Prozessbeginn wühlt sie natürlich wieder auf“, sagt er gegenüber DER WESTEN. Der Familie gehe es um „die Herstellung von Gerechtigkeit“ und ein „faires und deutliches Urteil“, so von Wrese.

Angesetzt sind zunächst acht Verhandlungstermine. Ein Urteil soll noch vor Weihnachten fallen.

 
 

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