Essen

Essen: „Hartz 4“-Empfänger fahren dicke Autos – unfassbar, womit sie diese finanzieren

Geldtransporter-Bande vor Gericht in Essen

In Essen steht eine Geldtransporter-Bande vor Gericht. Auf ihr Konto gehen spektakuläre Taten.

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Essen. Die Geschichte klingt wie eine Räuberpistole made in Hollywood - vor dem Landgericht in Essen ist sie am Dienstag knallharte Realität. Eine siebenköpfige Bande aus NRW lebte offiziell von Hartz 4, doch stattdessen badete sie im Luxus: fette Karren, teure Taschen und Schmuck. Finanziert durch spektakuläre Coups.

Essen: Bande landet Mega-Coups

Die Hauptangeklagten Houssein El K. (26) und Asier S. (25) aus Recklinghausen sollen laut Anklage vor dem Landgericht Essen Köpfe der Bande gewesen sein. Mithilfe von Ahmad A. (45), der in einem Geldtransportunternehmen arbeitete, sollen sie die Taten geplant haben. Ahmad A. hatte nach der Festnahme ausgepackt und war neben Stefanie A. daher als einziger auf freiem Fuß. Anwalt Hans Reinhardt zu DER WESTEN: „Mein Mandant hat sich frühzeitig von dieser Bande distanziert. Er sagte, dass war der größte Fehler meines Lebens.“

Teure Autos, Schmuck und Uhren sichergestellt

Auch Kesser J. (25) kannte sich durch seine Tätigkeiten für verschiedene Sicherheitsfirmen mit Geldtransporten aus. Bei Davide K. (27) stellten die Beamten bei der Festnahme noch eine riesige Cannabis-Plantage mit 452 Pflanzen sicher.

Stefanie A., die Freundin von Asier S., ist ebenfalls angeklagt. Sie soll die das erbeutete Geld gewaschen haben. So stellten die Ermittler neben Gold, Schmuck und teuren Uhren auch einen Jaguar S-Type, einen Mercedes AMG, einen Mercedes Brabus und eine E-Klasse sicher. „Das Geld ist verbraten worden für Bordellaufhalte, Urlaube, Luxusgegenstände wie Uhren“, so Anwalt Reinhardt. „Der Großteil der Beute ist immer noch verschwunden.“

Die Angeklagten wollten sich zum Prozessauftakt nicht zu den Vorwürfen äußern.

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Meisterstück vor Weihnachten

Ihr Meisterstück soll kurz vor Weihnachten 2017 stattgefunden haben. Als Mitarbeiter eines Geldtransport-Unternehmens getarnt kündigten sie sich bei der Zentrale der deutschlandweit bekannten Supermarktkette „K+K“ als Abholer der Einnahmen an. Dank täuschend ähnlichen Outfits, einem perfekt lackierten Transporter und der Handynummer des echten Abholers soll ihnen die Einnahmen aller Filialen eines ganzen Tages im Weihnachtsgeschäft in die Hand gedrückt haben. Anschließend stellte Asier S. laut Anklage sogar noch eine Quittung aus. Die unglaubliche Beute: 1,8 Millionen Euro.

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Die Chronik der weiteren spektakulären Coups:

  • Mai 2016: Nach einem heißen Tipp eines Insiders soll die Bande eine Juwelierin in Mönchengladbach tagelang beschattet haben. Dann schlugen sie laut Anklage zu. S. und zwei unbekannte Mittäter sollen die Schmuckhändlerin bedroht und gezwungen haben zurück in ihren Wagen zu gehen. Sie sollen ihren den Koffer abgenommen haben und geflüchtet sein, nachdem sie ihr Pfefferspray ins Gesicht sprühten und ihre Reifen zerstachen. Beute: eine Schmuckkollektion im Wert von 300.000 Euro.
  • November 2016: Ein Insider, der bei einer Geldtransport-Firma im Ruhrgebiet arbeitete, soll der Gang gesteckt haben, dass ein Transporter in Dortmund täglich 15 Minuten unerlaubterweise für eine Mittagspause aus den Augen gelassen wird. Er besorgte laut Anklage der Bande einen nachgemachten Schlüssel und die jungen Gangster hatten leichtes Spiel. Vor dem Stadthaus sollen sie sich den Geldtransporter unter den Nagel gerissen haben. Beute: 520.000 Euro.
  • Juni 2017: Der Angeklagte Ahmad Ak., der von verschiedenen Banken bei Störfällen gerufen wurde, soll im Besitz von Schlüsseln für Geld-Automaten gewesen sein. Einen davon spielte er laut Anklageschrift der Gang zu, die eines Nachts den Bankautomat einer Postbank in Werne einfach aufschließen und leeren konnte. Beute: 254.000 Euro.
  • November 2018: Zusammen mit zwei Clan-Mitgliedern soll Housein El-K. einen Sparklub in Gevelsberg überfallen haben. Die drei Cousins, zwei von ihnen extra aus Berlin angereist, schnappten sich demnach in einem ausgeklügelten Moment kurz vor der Auszahlung den Sparklub-Vorsitzenden und köpften ihm alles Angesparte ab. Beute: 75.000 Euro.

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Nächster Coup sollte noch größer werden

Am 4. Dezember 2018 beendete eine SEK-Razzia in Düsseldorf, Recklinghausen, Marl, Ratingen, Köln und Bonn die spektakuläre Serie. Eine weiterer Coup soll laut Focus schon geplant gewesen sein. Das nächste Ziel soll die Europäische Zentralbank in Frankfurt gewesen sein. Hier wollten die Gangster zehn Millionen Euro erbeuten und sich nach Dubai absetzen. (ms)

 
 

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