Essen

Essen: Grüne Hauptstadt - warum bekamen die Besucher bei der Eröffnung ausgerechnet Plastikarmbänder geschenkt?

Wer zur Eröffnung des Grüne-Hauptstadt-Jahrs im Gruga-Park eine Plastiktüte abgab, bekam ein solches Bändchen aus - Plastik. Warum bloß?
Wer zur Eröffnung des Grüne-Hauptstadt-Jahrs im Gruga-Park eine Plastiktüte abgab, bekam ein solches Bändchen aus - Plastik. Warum bloß?
Foto: DER WESTEN
  • Am Wochenende war im Grugapark die Eröffnungsfeier zur Grünen Hauptstadt Europas
  • Am Eingang sollte jeder als Zeichen eine Plastiktüte abgeben
  • Und dafür bekamen dann zehntausende Besucher ein Bändchen mit Plastikverschlüssen
  • Ich habe nach dem Sinn der Bändchen gesucht

Essen. Auch ich gehörte vergangenes Wochenende zu den über 30.000 Besuchern, die zu der Eröffnungsveranstaltung der Grünen Hauptstadt Europas kamen.

Und da ja schon überall groß dafür geworben wurde, hatte auch ich eine Plastiktüte als Wegzoll dabei.

Für mein Plastikmonster bekam ich noch mehr Plastik

Der Sinn des Ganzen? Aus den umweltunfreundlichen Plastikmonstern wollen Studenten der Folkwang-Universität ein Kunstwerk schaffen. Eigentlich ein schöner Öko-Gedanke.

Ich stopfte also am Eingang stolz meine riesige LIDL-Kühltüte in einen der bereitgestellten Müllleimer und grinste die Grüne-Haupstadt-Volunteers voller freudiger Erwartung an.

Das Eintritts-Bändchen in den grünen Himmel?

Sofort drückte mir ein junger Typ mit einem strahlenden Lächeln ein Programmheftchen in die Hand. Doch damit nicht genug. Er zeigte auf meinen Arm, den ich ihm sofort naiv entgegenstreckte.

Und schwupps, schon hatte ich ein festivalartiges Bändchen am Gelenk. In Grün versteht sich. Der Plastikverschluss durfte nur schwarz daherkommen.

Nun wurde meine umweltverachtende Spende entlohnt. Das Bändchen war also die Eintrittskarte zum grünen Himmel.

Doch falsch gedacht. Meine Frage, was mir solch süßes (und zugleich nervig juckendes) Bändchen denn einbringen würde, wurde mit einem unwissenden Schulterzucken abgetan. Auch Abtrünnige ohne Bändchen kamen rein.

Gut, erst einmal reingehen und dann schauen. Aber irgendeinen Sinn würde es schon haben.

Hatte ich die Bändchen-Geschenke etwa verpasst?

Zwei Stunden später und mehrere Erfrierungen reicher dackelte mein Trüppchen von dannen. Das Bändchen immer noch an unsere Arme gekettet - es hat mich weder gewärmt noch reicher gemacht.

Als ich es mir dann zu Hause vom Arm schnitt und es zum anderen Plastikmüll flog, quälte mich die Frage, welchen Sinn denn dieses Bändchen nun hatte. Es konnte doch nicht umsonst im Müll gelandet sein. (Vielleicht bestand es ja aus recycelten Lebensmitteln und ich hätte es essen sollen?)

Presse- und Projektbüro sind ahnungslos

Also rief ich am nächsten Tag beim Projektbüro Grüne Hauptstadt Europas an, um mein Bändchen eventuell doch noch aus dem Müll fischen zu können, um superduper tolle Grüne-Hauptstadt-Specials zu erleben.

Meine doch so simple Frage sorgte am anderen Ende des Telefons jedoch für verdutztes Schweigen. Da müsste das Marketing-Team gefragt werden. Man würde sich melden.

Mehrere Stunden später meldete sich dann Christina Weimann aus dem Projektbüro. Sie hätte beim Marketing nachgefragt und sich über das sagenumwobene Bändchen informiert.

Eine absolut sinnfreie Marketingidee

Ihre erste Aussage: „Das Bändchen ist aus zu 100 Prozent recyclingfähigem Polyester.“ Und was ist mit dem dicken Plastikverschluss, schoss ich direkt hinterher. „Ja, der ist aus Plastik, aber das ist immer so bei solchen Bändchen.“

Aha, und was ist jetzt der Sinn dieses nicht mehr abnehmbaren Bändchens? „Es ist eine nette Erinnerung!“ Ernsthaft? Es werden über 30.000 Bändchen mit Plastikverschlüssen verschenkt, die absolut sinnfrei produziert wurden, dann weggeschmissen werden und noch mehr Plastikmüll verursachen.

Ich freue mich ja wirklich, dass Essen nun Grüne Hauptstadt Europas ist - aber mal wirklich, wären andere „Geschenke“ nicht sinnvoller gewesen?

Es geht doch eigentlich darum, nachhaltiger zu leben - grüner zu werden.

Volunteer werde ich dieses Jahr wahrscheinlich auch nicht mehr, aber liebes Marketing-Team, wenn ihr mal wieder nette Erinnerungen verschenken wollt: Wie wärs mit Blumensamen oder -zwiebeln?

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