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Essen: Gewalt-Exzesse in Horst – jetzt kommt raus, dass ...

Essen: Ein Mann wird verhaftet. Er soll bei den beiden Gruppenprügeleien beteiligt gewesen sein.
Essen: Ein Mann wird verhaftet. Er soll bei den beiden Gruppenprügeleien beteiligt gewesen sein.
Foto: Justin Brosch

Essen. Die liebe Liebe - war sie am Ende Grund für den Gewalt-Exzess in Essen-Horst in den vergangenen Wochen?

Noch sind die Hintergründe für die Gruppenprügeleien Ende April und Anfang Mai nicht restlos geklärt. Doch es deutet sich an, dass die Familienfehde zwischen zwei libanesisch/palästinensischen Familien und einer syrischen Familie offenbar Folgen eines Beziehungsstreits sind. Das geht aus einem Bericht des Innenministeriums für die Sitzung des Innenausschusses am Donnerstag hervor. Demnach soll der ältere der syrischen Beschuldigten (32) und eine palästinensische Beschuldigte (27) eine Beziehung gehabt haben.

Essen: Neue Erkenntnisse zu Gewalt-Exzessen im Hörsterfeld

Der Familienstreit dauere schon seit mehreren Jahren an, ohne dass es bislang zu Ermittlungsverfahren gekommen war, heißt es. Nach DER WESTEN-Informationen soll es dabei unter anderem zu Provokationen wie Ruhestörungen und gefährlichen Fahrmanövern seitens der syrischen Brüder gekommen sein.

Die Ermittlungen der Polizei zu den beiden brutalen Gruppenprügeleien, bei denen zeitweise bis zu 40 Personen mit Holzlatten und Stangen auf dem Von-Ossietzky Ring aufeinander losgegangen waren, dauern nach wie vor an. Weitere Zeugen müssen vernommen werden, Videos der Auseinandersetzungen ausgewertet werden.

Spezialeinsatzkräfte rücken an

Am vergangenen Samstag hatten Spezialeinsatzkräfte die zwei Brüder aus Syrien (32 und 27 Jahre) festgenommen. Sie sitzen in U-Haft. Schusswaffen oder andere gefährliche Gegenstände seien bei zwei Durchsuchungen nicht gefunden worden. Die beiden Männer sollen vor einigen Jahren nach Deutschland gekommen und bislang nicht vorbestraft gewesen sein. Gegen sie wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

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Auch gegen drei Männer (40, 37, 23) und zwei Frauen (27, 37) von der Gegenseite wird ermittelt. Sie sollen bereits vorbestraft sein.

+++ Essen: Gewalt-Exzesse in Horst – DAS steckt hinter den brutalen Gruppenprügeleien +++

Ein Bezug zur Organisierten Kriminalität oder mögliche Verteilkämpfe zwischen Clans seien zum jetzigen Ermittlungsstand nicht festzustellen, heißt es in dem Papier.

Dennoch beobachtet das Landeskriminalamt, dass sich ihre Einschätzung aus dem vergangenen Lagebild Clankriminalität offenbar bewahrheitet. Erste vorläufige Berichte einzelner Polizeibehörden geben wieder, dass es zu vermehrten Konflikten im kriminellen Milieu zwischen etablierten türkisch-arabischstämmigen Familienverbänden und in den letzten Jahren aus Syrien eingereisten Flüchtlingen kommt.

Im Hörsterfeld, dass auch wegen der Tötung eines Teenagers unlängst traurige Schlagzeilen machte, will Stadt und Polizei jetzt gegensteuern. Am Dienstag gab es dazu ein Treffen zwischen Vertretern der Stadt und der Polizei.

Große Runde zwischen Stadt und Polizei

Neben Oberbürgermeister Thomas Kufen nahmen auch Ordnungsdezernent Christian Kromberg, Jugenddezernent Muchtar Al Ghusain und Sozialdezernent Peter Renzel daran teil. Dabei wurden Erkenntnisse zusammengetragen, die bislang über die an den Schlägereien beteiligten Familien vorliegen. Laut Stadtsprecherin Silke Lenz sind die Familien der Verwaltung aus „mehreren Belangen der Daseinsfürsorge“ bekannt.

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Es gebe von den Familien-Streitigkeiten abgesehen aber keine weiteren Unruhen im Stadtteil, betont die Runde. Dennoch wollen Stadt und Polizei fortan genauer hinschauen, um mithilfe von „präventiven und repressiven Maßnahmen“ weitere Eskalationen zu verhindern.

Als erste Maßnahmen werden Polizei und Ordnungsamt in den kommenden Tagen den Stadtteil gemeinsam bestreifen. Auch das Bürgermobil der Stadt Essen und die mobile Wache der Polizei sollen im Stadtteil präsent sein.

„Quartierkümmerer“ sollen Ansprechpartner sein

Doch dabei wird es nicht bleiben. Denn ab 1. Juni startet das zweijährige Pilotprojekt „Quartierkümmerer“. Die werden im Quartier eingesetzt und sollen in direkter Ansprache mehrsprachig und interkulturell aufklären, informieren und unterstützen.

Hintergedanke ist, dass die „Quartierkümmerer“ sich in den Stadtteilen auskennen und aufgrund der eigenen Herkunft und Sprachkenntnisse einen Zugang zu einem großen Teil der Bewohner im Hörsterfeld finden sollen.

Sie könnten dann etwa Hilfe bei der richtigen Entsorgung von Haus- und Sperrmüll bieten und mit Hausmeistern sowie dem Bürgerladen Hösterfeld und dem Stadtteilbüro Bergmannsfeld Probleme anpacken.

 
 

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