Essen gehen vor allem im Süden die Gewerbeflächen aus

Janet Lindgens
Tschüss, Essen: Christian Goerdt, Inhaber der „Flotten Karotte“ hat in Bochum sein „Traumgrundstück“ gefunden. Am Wochenende feiert er schon mal ein „Kehraus“-Hoffest in Steele.
Tschüss, Essen: Christian Goerdt, Inhaber der „Flotten Karotte“ hat in Bochum sein „Traumgrundstück“ gefunden. Am Wochenende feiert er schon mal ein „Kehraus“-Hoffest in Steele.
Foto: WAZ FotoPool
Der Bio-Lieferservice „Flotte Karotte“ muss der Stadt Essen den Rücken kehren und nach Bochum ausweichen, weil die Firma kein geeignetes Bauland fand. Vor allem im Süden Essens gibt es kaum noch Angebot. Die Wirtschaftsförderung warnt: Mitte 2016 gibt es keine Flächen mehr.

Essen. Der Bio-Lieferservice „Flotte Karotte“ verlässt Essen. „Wir wären gern in der Stadt geblieben, aber wir haben kein passendes Grundstück gefunden“, sagt Geschäftsinhaber Christian Goerdt. Stattdessen baut Goerdt jetzt sein energetisch hocheffizientes Logistikcenter für 1,5 Millionen Euro einige Kilometer weiter in Bochum. Am Wochenende ist Grundsteinlegung, im Februar wollen er und seine 28 Mitarbeiter dem jetzigen Standort Breloher Steig 5 in Steele den Rücken kehren. Goerdt zahlt dann seine Gewerbesteuer in der Nachbarstadt.

Der vor 16 Jahren gegründete Bio-Lieferservice wächst. „Vergangenes Jahr sind wir regelrecht überrannt worden. Da hatten wir ein Plus von 20 Prozent“, berichtet Goerdt. Derzeit sind es 1200 Kunden von Essen bis Gelsenkirchen, die seine grünen Kisten mit Bio-Obst und -Gemüse bestellen. Entsprechend eng ist es in den Räumen des Gewerbeparks geworden. Das Gemüse steht in den Gängen, das Kühlhaus mit seinen 35 Quadratmetern ist zu klein, Mitarbeiter drängen sich in engen Büros. Was in der Anfangszeit noch einen gewissen Gründercharme hatte, ist heute zur Last geworden.

Die Stadt wird für Unternehmen unattraktiver

Eigentlich wollte Goerdt am jetzigen Standort erweitern. Aber das Umfeld habe nicht recht zu seinem Geschäft gepasst. Doch die Alternativen, die ihm die Wirtschaftsförderung Essen anbieten konnte, kamen auch nicht in Frage: Der Industriepark Econova lag für ihn zu weit von der A40 entfernt. Und auf den vorgeschlagenen Flächen im Gewerbegebiet Zeche Bonifacius und auf dem ehemaligen Borgmann-Gelände konnte er nicht so bauen, wie er es sich vorstellte. 2000 Quadratmeter Fläche suchte Goerdt vornehmlich im Essener Süden - anderthalb Jahre vergebens. „Damit hätte ich nicht gerechnet“, sagt er.

„Wir lassen natürlich kein Unternehmen gerne ziehen“, sagt die Sprecherin der Essener Wirtschaftsförderung, Claudia Peters. Aber, so räumt sie ein, es werde in den kommenden Jahren immer schwieriger werden, den Wünschen der Unternehmen nach passenden Gewerbeflächen gerecht zu werden. Denn Essen gehen die Flächen aus, wenn nicht neue erschlossen werden.

Flächen bis Mitte 2016 aufgerbraucht

Im begehrten Süden etwa kann die Wirtschaftsförderung derzeit nur noch rund 0,7 Hektar anbieten. Insgesamt gibt es in der Stadt 40,3 Hektar Bauland für Gewerbe. In den nächsten drei Jahren kommen 23,3 Hektar dazu. Wenn die Nachfrage wie in den letzten Jahren bleibt, sind die Flächen Mitte des Jahres 2016 aufgebraucht. Essen muss sich dringend mit der Problematik der Gewerbeflächenknappheit auseinandersetzen, fordert daher die EWG.