Essen: Einsatz gegen Hausbesetzer mit Folgen für Beamten aus Bochum – Detail sorgt für Wirbel

Am Montag besetzten mehrere Aktivisten ein leerstehendes Haus in Essen. Einige Stunden später wurde das Gebäude geräumt. Ein Beamter der Polizei Bochum fiel dabei durch ein fragwürdiges Abzeichen auf seiner Dienstkleidung auf.
Am Montag besetzten mehrere Aktivisten ein leerstehendes Haus in Essen. Einige Stunden später wurde das Gebäude geräumt. Ein Beamter der Polizei Bochum fiel dabei durch ein fragwürdiges Abzeichen auf seiner Dienstkleidung auf.
Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Am Montag besetzten mehrere Aktivisten ein leerstehendes Haus am Weberplatz in Essen. Noch im Laufe des Tages ließ die Stadt Essen das Gebäude räumen. In der Nacht auf Dienstag verließen die letzten Aktivisten das Dach des Hauses. Alle Hintergründe zu der Hausbesetzung gibt >>> hier.

Der Einsatz hat für einen Beamten aus Bochum möglicherweise ein Nachspiel. Auf Twitter wurde ein Foto des Polizisten der Einsatzhundertschaft veröffentlicht. Darauf zu sehen: ein Aufnäher mit einer martialischen Darstellung. Die Polizei Bochum hat Konsequenzen angekündigt.

Essen: Aufnäher auf Polizeiuniform sorgt für Ärger

Auf dem Aufnäher ist zunächst deutlich der Schriftzug „Jupiter“ zu erkennen. Das Wort ist im Polizeijargon nicht unüblich: Jupiter ist der Rufname für die Einsatzhundertschaften der Polizei NRW. Nach DER WESTEN-Informationen soll der Beamte zu einer Beweissicherungs- und Festnahmehundertschaft (BFE)aus Bochum gehören.

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Das ist die Stadt Essen:

  • geht auf das vor 850 gegründete Frauenstift Essen zurück
  • 582.760 Einwohner, neun Stadtbezirke und 50 Stadtteile, viertgrößte Stadt in NRW
  • seit 1958 Sitz des neugegründeten Bistums Essen
  • Wahrzeichen unter anderen: Zeche Zollverein, Villa Hügel, Grugapark Essen
  • war 2010 Kulturhauptstadt Europas und 2017 Grüne Hauptstadt Europas
  • Oberbürgermeister ist Thomas Kufen (CDU)

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Die BFE sind laut Webseite der Polizei NRW „insbesondere bei Durchsuchungen von Gebäuden, Fest- beziehungsweise Ingewahrsamnahmen, Räumungen von Einsatzorten, insbesondere bei Besetzungen, Razzien oder anderweitigen gewalttätigen Aktionen“ im Einsatz. Gelinde gesagt: Kräfte fürs Grobe.

Ob dieses Selbstverständnis schlussendlich zur Erstellung des Patches führte, ist unklar. Unter dem „Jupiter“-Schriftzug posiert eine Figur, die wie ein Wikinger mit einem Helm aussieht. In der linken Hand trägt sie einen ausgeholten Schlagstock, in der rechten Hand ein Schild mit dem Wappen von NRW. Der Wikinger ist nach vorn gelehnt und wirkt, als wäre er bereit für den Kampf.

Polizei Bochum kündigt Konsequenzen an

Eine martialische Darstellung, die, wie auch die Polizei Bochum bestätigt, „kein offizielles Abzeichen der Polizei NRW“ ist. Das Problem: Solche eigenständig erstellten Abzeichen dürfen Polizisten nicht an ihrer Dienstkleidung tragen. „Das Tragen selbst erstellter 'Patches' könnte innerhalb der Polizei zu Missverständnissen bei der Zuordnung der Einheit sowie in der öffentlichen Wahrnehmung zu Irritationen führen“, so die Polizei Bochum weiter.

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Deswegen werde von allen Beamten und Beamtinnen erwartet, diese Vorgaben strikt einzuhalten. Die Pressestelle erklärt weiter: „Im vorliegenden Fall wird keine Strafbarkeit gesehen, jedoch werden derzeit disziplinarrechtliche Maßnahmen geprüft.“ Für den Polizeibeamten aus Bochum könnte sein Patch also noch Konsequenzen haben.

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Motiv hinterlässt unschönen Beigeschmack

Zum Motiv selbst bezieht die Polizei Bochum keine Stellung. In der anhaltenden Debatte um Polizeigewalt in Deutschland, beispielsweise nach den viel kritisierten Festnahmen in Düsseldorf und Hamburg, vermittelt ein sich in Drohgebärde aufplusternder Wikinger wohl nicht gerade ein günstiges Bild an einer Polizeiuniform.

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Ebenfalls problematisch: Die rechte Szene bezieht sich immer wieder positiv auf das Germanen- und Wikingertum.

 
 

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