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Essen: Clan-Urteil im Ehrenmord-Prozess – Richter erschüttert „brutale Tat“

Essen: Mehr als ein Jahr wurde im Ehrenmord-Prozess verhandelt. Jetzt ist ein Urteil gefallen.
Essen: Mehr als ein Jahr wurde im Ehrenmord-Prozess verhandelt. Jetzt ist ein Urteil gefallen.
Foto: Ralf Rottmann/ Funke Foto Services

Essen. Mit einem logistischen Meisterstück ist am Donnerstag der „Ehrenmord-Prozess“ in Essen zu Ende gegangen.

Mit Mundschutz erschienen sowohl Richter, Staatsanwälte, Verteidiger und Angeklagte im Saal des Landgerichts Essen. Zwischen den Angeklagten wurden Plexiglaswände aufgestellt und der Abstand von 1,5 Metern eingehalten. Weniger Wachtmeister waren im Saal anwesend - so konnte der Prozess doch noch wie geplant einen Abschluss finden.

Essen: Urteil im Ehrenmord-Prozess gefallen

In dem Mammut-Prozess in Essen waren elf Mitglieder einer syrischen Clan-Familie angeklagt. Sie hatten laut Anklage am 31. Mai 2018 einen 19-jährigen Landsmann an der Steeler Straße in einen Hinterhalt gelockt und ihn mit Holzlatten und Messern beinahe getötet. Es ging den Angeklagten darum, die Familienehre wiederherzustellen. Denn das Angriffsopfer hatte mit einer jungen verheirateten Frau aus dem Clan ein Verhältnis gehabt.

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Staatsanwältin Britta Jürgens hatte in ihrem Plädoyer bis zu elf Jahren Haft gefordert. Auch wenn schon Verteidigung ihre Plädoyers gehalten und der Großteil der Angeklagten ihr letztes Wort gesprochen hatten, drohte der Prozess zwischenzeitlich noch zu platzen. Denn bei mehr als 50 Anwesenden im Saal war die Einhaltung der Corona-Maßnahmen nur schwer umzusetzen. Das Gericht versuchte das zu verhindern - mit Erfolg!

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Zehn Mitglieder der syrischen Großfamilie wurden jetzt zu Bewährungs- und Haftstrafen von bis zu achteinhalb Jahren verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Angeklagten beschlossen hatten, den 19-Jährigen für ein Verhältnis mit einer damals 17-jährigen Frau aus der Großfamilie, die nach islamischem Ritus bereits verheiratet war, zu bestrafen. Die Anklage sprach von einer Teilskalpierung.

Das Opfer überlebte den Hinterhalt schwer verletzt, konnte durch eine Not-OP gerettet werden. Handy-Videos zeigen den feigen Angriff: Mehr als 30 Schläge, Tritte, Messerstiche sind darauf zu sehen.

Richter: "Brutale Tat"

Richter Jörg Schmitt sprach bei der Urteilsverkündung von „einer ganz schlimmen und brutalen Tat“. Die Angeklagten seien zu acht auf einen unbewaffneten Mann losgegangen. „Angestachelt“ hätten sie die Mutter des Mädchens und eine Tante. Gegen die beiden Frauen wurden Gefängnisstrafen von über drei Jahren Haft verhängt. (ms mit dpa)

 
 

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