Essen

Essen: Durch den „Pfötchenhimmel“ kannst du deinen toten Hund immer bei dir tragen

Die Tierbestatterin aus Essen kümmert sich um die Feuerbestattung von Haustieren. Das persönliche Gespräch mit den Besitzern ist ihr dabei sehr wichtig.
Die Tierbestatterin aus Essen kümmert sich um die Feuerbestattung von Haustieren. Das persönliche Gespräch mit den Besitzern ist ihr dabei sehr wichtig.
Foto: Julia Scholz / DER WESTEN

Essen. 34,3 Millionen. Das ist die Anzahl der Haustiere in Deutschland. Davon sind 14,8 Millionen Tiere Katzen und 9,4 Millionen Hunde. Doch wenn das geliebte Haustier stirbt, ist der Schmerz groß. Dann stellt sich auch schnell die Frage, was mit dem toten Tier geschehen soll. Sylvia Kosakowski (57) aus Essen ist Tierbestatterin mit Herz und Seele und weiß: „Man muss sich mit dem Thema auseinandersetzen.“

War der Tod früher noch eher ein Tabu-Thema, nehme mit der Zeit auch die Scheu, darüber zu sprechen und sich Hilfe zu suchen ab, erzählt die 57-Jährige im Gespräch mit DER WESTEN.

Tierbestatterin aus Essen: „Ich weiß, wie es ist ein Tier zu verlieren“

Sie hat ihr Tierbestattungsunternehmen „Pfötchenhimmel“ mitten auf der Hobeisenstraße in Essen-Holsterhausen. Betritt man den kleinen Raum im Keller, sieht man direkt ein kleines Körbchen in der Ecke, was als Aufbahrung dient. Daneben kann man auf einer Couch in der Ecke Platz nehmen.

Auf dem Tischchen stehen Taschentücher für Tränen bereit. „Ich bin froh, wenn jemand nicht weint, weil ich sonst mitweinen muss. Ich kann mich sehr gut in das Gefühl hineinversetzen, weiß, wie es ist, ein Tier zu verlieren“, erzählt sie weiter.

In ihrem kleinen Büroraum des Ein-Mann-Unternehmens stapeln sich die Urnen - von Ton, Keramik über Glas bis hin zu Holzurnen sind alle Formen und Farben vertreten. Die Einäscherung sei die gängigere Methode geworden, meint Kosakowski. Neben der Tierkörperbeseitigung kannst du dein Tier natürlich auch auf einem Tierfriedhof bestatten lassen oder in deinem Garten vergraben. Hier musst du allerdings einige Richtlinien beachten. >>> mehr dazu lesen

In Essen gibt es diese Möglichkeit aber nicht mehr. Der nächstgelegene Friedhof für Haustiere befindet sich unter anderem in Oberhausen oder Dortmund. „Doch das möchten die meisten Menschen nicht mehr. Sie wollen ihr verstorbenes Tierchen mitnehmen, wenn sie umziehen“, macht die ehemalige Kassiererin deutlich.

Manchmal wird es sogar noch persönlicher: Selbst Kettenanhänger oder Schlüsselanhänger oder Bilderrahmen sind bei der Tierbestatterin im Sortiment. Auch dort können Teile der Asche hineingefüllt werden. So kannst du deinen Hund immer an deinem Herzen tragen.

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Seit acht Jahren ist Sylvia Kosakowski in der Branche tätig, fährt täglich ins Krematorium nach Wesel. Mittlerweile kommen immer mehr Menschen zu der Tierbestatterin, suchen ihren Rat und nehmen das Angebot einer Tierbestattung an. Im Schnitt ist sie an einem Tag für zwei bis drei Tiere zuständig. Ihre Aufgaben bestehen dann darin, die Tierbesitzer zu beraten, zu beruhigen, zuzuhören und ihnen die Möglichkeiten einer Bestattung aufzuzeigen.

Wenn die Trauernden sich dann für die Urnenbestattung entscheiden, holt sie die verstorbenen Tiere höchstpersönlich ab und kümmert sich um die Abwicklung im Krematorium. Zu guter Letzt halten ihre Kunden dann die Urne in den Händen.

Am meisten bestatte sie Hunde und Katzen. Aber auch etwa um Wellensittiche, Meerschweinchen, Kaninchen, Ratten oder andere Tiere kümmere sie sich. Die Preise richten sich dabei nach dem Gewicht des Tieres. Alle Tierarten bis zwei Kilogramm kosten 200 Euro. Ab 60 Kilogramm musst du 450 Euro bezahlen.

„Ist es wirklich die Asche meines verstorbenen Tieres?“

„Oft fragen sich die betroffenen Menschen auch: ,Ist das wirklich die Asche meines verstorbenen Tieres?“ Sie wollen dann sichergehen, dass die Tiere nicht vertauscht werden“, sagt die Essenerin. Dafür kann sie, aber auch der Tierhalter, bei der Einäscherung dabei sein.

Sie betont aber auch, dass jeder Tierbesitzer sein totes Tier selbst zum Krematorium bringen kann. „Aber es ist ein schwerer Gang. Das weiß ich selber aus Erfahrung“, macht die ehemalige Hundehalterin deutlich.

Welcher Fall ging ihr denn besonders nah? Da muss die 57-Jährige nicht lange überlegen. „Das ist noch gar nicht so lange her“, sagt sie und atmet tief ein. Dann erzählt sie die traurige Geschichte eines kleinen Katers.

Das zehn Wochen alte Tierchen lebte mit größeren Hunden zusammen. Diese bekamen ihr Futter in einem Bottich. Der kleine Kater roch es und wollte auch etwas davon abhaben. Wie die Hunde ihn überwältigten, konnten die Besitzer nicht sagen. Er starb schließlich an inneren Blutungen. „Das war sehr sehr traurig“, erinnert sie sich.

Tierbesitzer kommen sich oft wie Mörder vor

Die Halter machten sich schwere Vorwürfe. Mit solchen Gewissensbissen wird die Tierbestatterin oft konfrontiert. „Die Tierhalter kommen sich vor wie Mörder, wenn sie ihr Tier beim Arzt einschläfern lassen. Dann ist es auch meine Aufgabe ihnen zu sagen, dass sie das Tier von ihrem Leid erlösen. Das ist ihnen oft nicht klar.“

Ihr Job ist stressig. Sie arbeitet „24/7“ - rund um die Uhr, ohne Urlaub. „Ja, ich habe ich schon panische Anrufe bekommen, wenn jemand in der Nacht zur Toilette geht und seinen Hund tot in der Wohnung liegen sieht und nicht weiß, was zu tun ist“, sagt sie traurig.

In den acht Berufsjahren hat sie schon viel miterlebt - erschossene Tiere, überfahrene Tiere, Haustiere, die mit Tumoren früh starben. Auf die Frage, wie sie danach abschaltet, sagt die Essenerin lachend: „Dann gehe ich shoppen und komme mit ganz vielen Tüten wieder nach Hause.“

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Und trotzdem macht sie genau das, was sie immer wollte: andere in dieser schwierigen Lebenssituation unterstützen. Niemand sei verrückt, wenn er um sein Tier trauere. Auch sie habe sich zunächst nicht von ihrem verstorbenen Pudel trennen können. „Dann ist seine Urne eine Woche lang in meinem Auto mitgefahren. Es dauert halt seine Zeit, bis man einen Verlust hinnehmen kann“, ist sie überzeugt.

Mehr Informationen zu „Pfötchenhimmel“ gibt es hier.

 
 

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