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Essen: Großes Problem mitten unter uns – „Erst spät habe ich gemerkt, wie ...“

Am Aktionstag am Mittwoch macht die Suchthilfe Essen in der Innenstadt auf ein besonderes Problem aufmerksam. (Symbolbild)
Am Aktionstag am Mittwoch macht die Suchthilfe Essen in der Innenstadt auf ein besonderes Problem aufmerksam. (Symbolbild)
Foto: imago images / ITAR-TASS

Essen. Wer am Mittwoch mit offenen Augen durch die Innenstadt in Essen läuft, wird vermutlich auch drei Mitarbeitern der Suchthilfe in knallroten Westen und mit einem Koffer begegnen.

Sie beteiligen sich an einem bundesweiten Aktionstag und wollen dafür ein ganz besonderes Projekt der Suchthilfe Essen in den Fokus rücken.

Essen: Suchthilfe mit Aktionstag

Im Fokus des bundesweiten Aktionstages befindet sich der Kampf gegen die Glücksspielsucht. Deswegen werden die Mitarbeiter auch mit reichlich Informationsmaterial unterwegs sein.

Einer von ihnen ist Frank Langer. Er arbeitet bei der Fachstelle Suchtprävention und findet dramatische Worte zum Thema Spielsucht: „Bei keiner Sucht wird so lange ein problematisches Verhalten aufrecht gehalten, wie bei Spielsucht.“

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Häufig seien Betroffene bereits hoch verschuldet, wenn sie zur Suchthilfe kommen. Im bundesweiten Schnitt nur rund ein Viertel der pathologischen Glücksspieler schuldenfrei, bei 20 Prozent beträgt die Verschuldung mehr als 25.000 Euro.

Mehr als eine halbe Millionen Menschen betroffen

Deutschlandweit sind mehr als eine halbe Millionen Menschen von pathologischer oder problematischer Spielsucht betroffen, in Essen etwa einige Tausend. Einer von ihnen ist Frank Schmidt*. Er will seinen richtigen Namen nicht öffentlich lesen. Auch Frank hat Schulden in Höhe mehrerer zehntausend Euro.

Die Schilderung seiner Sucht macht betroffen: „Jahrelang habe ich wie unter einer Glocke gelebt. Das Spielen war zu meinem Lebensmittelpunkt geworden. Die Schulden habe ich durch Weiterspielen verdrängt. In der Beratung hat man mir die Augen geöffnet. So konnte ich mir eingestehen, dass ich süchtig bin.“

Höhere Einsätze bei kürzen Abständen

Immer höhere Einsätze, bei immer kürzeren Abständen – das ist das Problem für viele Spielsüchtige. „Es geht nicht nur ums Spielen selber, sondern auch um das gewünschte Gefühlserleben. Sich den nächsten Kick zu holen, wird immer wichtiger“, so Langer.

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„Jahrelang dachte ich, das Glück erzwingen zu können. Erst spät habe ich gemerkt, wie falsch das war“, sieht der betroffene Frank Schmidt inzwischen ein. Seine eigenen Versuche, das Spielen zu regulieren, liefen ins Leere. Jetzt erhält er Betreuung durch die Suchthilfe Essen. Und die kann eine besondere Kooperation vorweisen.

Kooperation von Suchthilfe mit Schuldnerberatung

Für das Projekt fair/play arbeitet die Suchthilfe nämlich mit der Schuldnerberatung Essen zusammen. Frank Langer erklärt, warum das einige Vorteile hat: „Wenn jemand zu uns kommt, sind wir natürlich die Fachleute für die Therapie und Betreuung. Aber darauf kann man sich schlecht einlassen, wenn noch ein existenzieller Druck da ist.“

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Die Betreuung von Spielsüchtigen kann ambulant oder stationär erfolgen. Viele entscheiden sich allerdings gegen einen Krankenhausaufenthalt. Stattdessen setzen sie auf gemeinsame Erfolge. In Gruppen werden die Betroffenen dann therapeutisch betreut.

Für Frank Langer von der Suchthilfe ist Spielsucht auch immer ein politisches Problem. Bei den Spielhallen seien dort mit dem Glückspielstaatsvertrag bereits einige Entscheidungen zur Regulierung getroffen worden. Anders sieht es bei den Sportwetten-Studios aus.

Problem bei Sportwetten: Fehlende Lizenzen

„Da gibt es seit Jahren keine Lizenzen. Vor allem die Live-Wetten im Spiel, bei denen man noch kurz vor Abpfiff hohe Summen auf ein Tor setzen kann, sorgen dabei für einen sehr hohen Reiz beim Spieler“, mahnt er.

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Für den Aktionstag hat die Suchthilfe neben ihrer Präsenz in der Innenstadt auch von 14 bis 17 Uhr eine Hotline zum Thema Glücksspiel unter 0201/8603-430 eingerichtet. An anderen Tagen kann die Telefonzentrale der Suchthilfe unter 0201/8603-0 Auskunft geben. (dav)

* Name geändert

 
 

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