Essen

Essen: Zombie-Walk steht vor dem Aus

Zombie-Walk in Essen

An Halloween 2017 zogen wieder die Zombies durch die Essener Innenstadt. DER WESTEN war dabei.

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Essen. Der Zombie-Walk in Essen gilt als Institution in Essen an Halloween. Seit 2007 ziehen Hunderte Besucher immer am 31. Oktober durch die Innenstadt von Essen. Doch in diesem Jahr könnte es Probleme geben.

Denn die Essener Marketing GmbH (EMG) veranstaltet seit 2016 auf Teilen der Route des Zombie-Walks das „Essen Light Festival“. Die Veranstaltung ist seit langem angemeldet und genehmigt. Für den Zombie-Walk sei deswegen nicht mehr genügend Platz auf den Flächen, so die EMG.

Per Demonstration will Zombie-Walk-Veranstalter Dirk Bussler die Veranstaltung doch noch stattfinden lassen. Die Fronten zwischen den Konfliktparteien sind verhärtet.

Essen: Streit um Zombie-Walk eskaliert

Für den Initiator des Zombie-Walks ist die angestrebte Verbannung des Events aus der Innenstadt ein weiterer Beweis dafür, dass die EMG in der Innenstadt ihr „kommerzielles, weichgespültes und angepasstes Konzept“ ausweitet. Auch die Veränderungen beim Festival „Essen Original“ in den vergangenen Jahren sei ein Indiz für diese Entwicklung.

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Bereits im vergangenen Jahr musste Bussler mit seiner Veranstaltung auf eine andere Route ausweichen. Damals zogen die Zombies vom Viehofer Platz aus los. Die schlechtere Anbindung zum Hauptbahnhof habe auch da schon zu weniger Zuschauern geführt, so Bussler gegenüber DER WESTEN.

Dieses Jahr ist der Streit um die Route des Zombie-Walks eskaliert. Und die Fronten sind verhärtet. Denn beide Seiten pochen auf ihre Veranstaltung.

Light Festival soll in Innenstadt stattfinden

Rechtlich ist die Sache eigentlich klar. Das „Essen Light Festival“ der EMG vom 25. Oktober bis 3. November ist bereits lange genehmigt. 21 Installationen verschiedener Künstler werden dafür in der Stadt aufgestellt. Mehr als je zuvor.

Die Rechte auf Nutzung der Fläche liegt bei der EMG. „Stellen sie sich mal vor, sie machen eine Veranstaltung auf dem Kennedyplatz und eine Woche später kommt jemand und sagt: ‚Ich will hier aber auch eine Veranstaltung machen‘“, beschreibt EMG-Geschäftsführer Dieter Groppe die Situation gegenüber DER WESTEN.

Zombie-Walk als Nebenveranstaltung?

Bussler wirft der EMG vor, sie habe von Anfang an klar gemacht, dass für den Zombie-Walk dieses Jahr kein Platz sei. Deswegen habe er gar nicht erst versucht eine Veranstaltung anzumelden. Stattdessen habe er einen anderen Plan gefasst.

So habe er sich um eine Kooperation bemüht, den Zombie-Walk als Event im Rahmen des Light Festivals stattfinden zu lassen: „Ich habe mehrfach versucht Kontakt aufzunehmen, um beide Veranstaltungen zu verbinden.“

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Bei der EMG stößt die Idee auf wenig Gegenliebe. So könne man sich nicht vorstellen, wie sich die beiden Themen Licht und Zombie verbinden ließen. Der Marsch würde stattdessen die Installationen stören, zudem sei an manchen Orten „physisch einfach kein Platz“ für einen Marsch mehrerer hundert Menschen, erklärt Groppe.

Bussler ärgert sich dennoch über die schlechte Kommunikation: „Völlig unverständlich, wieso man da nicht das Gespräch sucht“. Besonders ärgert er sich über eine Aussage von EMG-Chef Richard Röhrhoff, „groß geht vor klein“ in der „WAZ“. „Das ist ein kulturpolitisches Desaster. Die Stadt sollte vielfältig, abwechslungsreich und einzigartig sein.“

Bussler zieht Erfahrung aus vergangenem Jahr heran

Bis zu 300.000 Besucher soll das Essen Light Festival in die Essener Innenstadt locken. Dieses Jahr rechne man bei der EMG sogar noch einmal mit mehr Besuchern als im Vorjahr.

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Dennoch glaubt Bussler, dass es in der Stadt genug Platz für den Zombie-Walk gebe. Er verweist auf eine Erfahrung aus dem vergangenen Jahr. „Um 21 Uhr kamen wir am Willy-Brandt-Platz an, da war niemand mehr, die Installation stand komplett verwaist da.“

Die Veranstaltung sei in den vergangen Jahren stark gewachsen und Besucherströme würden sich nicht nur auf das Wochenende konzentrieren, betont hingegen die EMG. In der gesamten Stadt sei auch unter Woche „ab 18 Uhr viel mehr los, bis 22 Uhr herrscht Betrieb.“

„Veranstaltungen lassen sich nicht kombinieren“

Zudem hätten Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre habe gezeigt, dass die Veranstaltungen sich nicht kombinieren ließen. Vor allem die Veranstaltung 2017, als es einige Zeit nach dem Zombie-Walk Auseinandersetzungen am Hauptbahnhof gegeben habe, bei der auch vorherige Teilnehmer auffällig geworden waren, blieb der EMG in schlechter Erinnerung.

„Auch im vergangenen Jahr ist die Veranstaltung bereits massiv gestört worden“, erzählt Groppe. Für Bussler ist dieser Vorwurf jedoch haltlos: „Das ist eine Unverschämtheit! Dafür gibt es keinerlei Belege. In den sozialen Medien hätte es doch sonst massenhaft Kommentare dazu gegeben. Auch in der Stellungnahme der Polizei stand nichts dazu.“

Groppe erzählt hingegen, Bürger hätten über Anrufe und Mails ihren Unmut geäußert, teilweise seien auch Mitarbeiter der EMG direkt angesprochen worden. Vor allem kleine Kinder seien verängstigt worden. „Für den Großteil der Zuschauer mag das interessant sein, doch Besucher des Light Festivals nehmen es als Störung wahr.“

Demonstration angemeldet

Nun hat Bussler in letzter Konsequenz bei der Polizei eine Demonstration angemeldet. Die soll vom Willy-Brandt-Platz aus Richtung Kettwiger Straße und über den Kennedyplatz gehen.

Die EMG hält von dieser Route, die an vielen Installationen vorbeigehen würde, nichts. Groppe betont, es ginge ihm nicht um das Demonstrationsrecht an sich. Aber „eine Demo darf eine genehmigte Veranstaltung nicht stören“. Die Polizei hat die EMG zu einer Stellungnahme bezüglich der geplanten Demonstrationsroute gebeten.

Konflikt hat auch persönlichen Hintergrund

Was den Konflikt besonders heikel macht: Bussler und die EMG liegen sich bereits seit längerem in den Haaren. Vor rund 10 Jahren schmiss die EMG die „Schwarze Bühne“ beim Festival „Essen Original“ aus dem Programm. Bussler war dort damals federführend. Laut EMG-Geschäftsführer Groppe habe sich Bussler als „unzuverlässiger Mensch“ gezeigt.

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Die persönlichen Differenzen zwischen den Beteiligten scheinen für die Klärung des Falles nicht gerade zuträglich zu sein. Ob die Demonstration zum Zombie-Walk unter dem Motto „Die Stadt gehört uns allen“ stattfinden darf und wie ihre endgültige Route aussehen wird, wird die Polizei in den nächsten Tagen bewerten. (dav)

 
 

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