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Essen: Wirt im Corona-Alltag – „Ich hab so viel Zeit, da kommt man auf allerlei schräge Gedanken“

Essen: Wirt Dietmar Hoeke versucht die aktuelle Lage mit Humor zu sehen.
Essen: Wirt Dietmar Hoeke versucht die aktuelle Lage mit Humor zu sehen.
Foto: privat

Essen. Die Zeiten sind schwierig, normalerweise würde das Geschäft in der Gaststätte „Kleine-Möllhoff“ in Essen-Dellwig an diesem Wochenende brummen.

Essen: Wirt schildert aus Corona-Alltag - mit etwas Humor

Stattdessen herrscht Tristesse. Doch Wirt Dietmar Hoeke hat den Humor nicht verloren - und hat in einer Kurzgeschichte, die wir auszugsweise wiedergeben, ein wenig ironisch den Alltag eines Gastronoms in Essen in Corona-Tagen zusammengefasst.

Aus Corona wird „Corinna“ – wie die Ex-Freundin

„Es ist ein normaler Arbeitstag in einem Esslokal in Essen-Dellwig während 'Corinna'. Ich habe die Pandemie mal umbenannt. Hört sich jetzt wie eine Ex-Freundin von mir an. Die war auch eine Katastrophe - passt also“, schreibt er scherzhaft.

„Es ist geöffnet und ich stehe teilnahmslos hier rum. Die Gästezahl ist überschaubar, naja geht eher gegen Null. Mir ist langweilig." Auch im Rätselheft lässt Corona ihm keine Ruhe. Mexikanische Biersorte mit sechs Buchstaben.“ Keine Option also.

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Rübezahl will Bier

„Ein paar Minuten später geht die Tür auf. Ein Gast, juhu. Sieht zwar aus wie Rübezahl, aber egal, ein Gast“, schreibt Hoeke über eine wahre Begebenheit in seinem Lokal. Wie selbstverständlich setzte der Gast sich an die Theke und bestellte ein Bier. Er meinte es doch tatsächlich ernst. „Mein lieber Herr, falls sie irgendetwas verpasst haben, dann kläre ich sie jetzt mal auf. Wir haben in letzter Zeit den 1. Weltkrieg verloren, den Zweiten auch. Dann war Neil Armstrong zum Spazierengehen auf dem Mond und Gerd Müller hat uns zum Weltmeister gemacht. Weiterhin leben der Wendler und der Holzmichel immer noch, Ente Lippens kickt nicht mehr für RWE und wir haben 'Corinna'“, beschreibt Hoeke seinen Monolog mit dem Gast. Der habe noch zweimal verduzt nach einem frisch gezapften Pils gefragt - und schließlich doch das Lokal verlassen.

„Ich habe so viel Zeit, da kommt man auf allerlei schräge Gedanken“

„Ich habe so viel Zeit, da kommt man auf allerlei schräge Gedanken“, lacht Hoeke im Gespräch mit DER WESTEN. Er schreibt dann gerne mal ironische Kurzgeschichten aus seinem Corona-Alltag, gemischt mit ein wenig Fantasie.

Er wolle nicht jammern angesichts der aktuellen Lage, sondern den Menschen einfach ein Lächeln auf die Lippen zaubern. „Denn egal ob die 80-Jährige oder der Achtjährige - alle sind ob der Situation gerade irgendwie ein bisschen depressiv“, beobachtet er.

Wirt bleibt Galgenhumor: „Februar 2021 und der Biergarten bis auf den letzten Platz gefüllt - läuft doch“

Seit 23 Jahren ist schon selbstständig, über 13 Jahre betreibt er das „Kleine-Möllhoff“, wo RWE-Legende „Ente“ Lippens häufig ein und ausgeht. Neben einer Kegelbahn ist vor allem der Biergarten eines der Highlights.

„Ich gucke mal was im Biergarten los ist“, schreibt Hoeke in seiner Kurzgeschichte weiter. „Nix! Um Aggressionen abzubauen, mache ich mal den einzigen Tisch fertig, der dort noch steht, stelle dazu einen einzelnen Stuhl. Wischen hier, wischen da. Der Biergarten sieht wieder gut aus. Könnte ja einer vorbeikommen und aus Versehen sich hinsetzen wollen. Und da kommt schon der nächste Gast. Er bestellt ein Schnitzelgericht und möchte draußen warten. Die Bestellung geht in die Küche und ich geselle mich zum Gast im Biergarten. Ein Tisch, ein Stuhl, ein Aschenbecher. Er sitzt dort und raucht sich genüsslich eine Zigarette. Bei diesem Anblick lacht mein Herz. Februar 2021 und Biergarten bis auf den letzten Platz gefüllt - läuft doch.“

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Hoffnung auf Besserung nach Ostern

Wenig später ist Feierabend für den schreibenden Wirt. Nach Ostern, hofft er im Gespräch mit DER WESTEN, könne das Geschäft endlich wieder richtig anlaufen. Dann könnte er sich statt das Schreibens wieder voll und ganz seinen Gästen widmen.

Und so hat er abschließend nur einen Wunsch für sich und seine Gäste: „Irgendwann begraben wir alle dieses täglich grüßende Murmeltier, beerdigen diese doofe „Corinna“ und essen Steaks und trinken ein Stauder, hier in einem vollen Laden, hier in einem vollem Biergarten, hier im Kleine-Möllhoff.“ (ms)