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Essen: Kultlokal öffnet – Besitzer sieht rot: „Werden missbraucht um...“

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Essen. In die Gaststätten, Restaurants und Lokale in Essen ist seit einigen Tagen wieder zumindest etwas Leben wieder eingezogen. Gastronomiebetriebe in NRW durften unter Auflagen wieder öffnen. Was im ersten Moment für Wirte und Gastronomen wie eine kleine Erlösung aussieht, freut jedoch nicht jeden.

Thomas „Ted“ Terdisch betreibt die Kneipe „Plan B“ in Rüttenscheid und das CheckIn am Flughafen Essen-Mülheim. Er bleibt äußerst skeptisch. Seine düstere Prognose: Die Kneipen werden schon bald wieder schließen müssen, auch wenn das Virus sich nicht weiter ausbreiten sollte.

Essen: Kneipen-Chef mit düsterer Prognose

Denn der Kneipenbesuch der nahen Zukunft sieht anders aus als gewohnt. Der Thekenbetrieb in Terdischs Lokalen ist eingestellt, Desinfektionsmittel stehen bereit, die Gäste bekommen einen Sitzplatz zugewiesen. Wer auf die Toilette geht, muss sich mit einer Schutzmaske schmücken.

Glücklich ist Terdisch mit diesen Schutzmaßnahmen nicht. „Manchmal denkt man, die Politiker haben sich da was ausgedacht, was nicht Hand und Fuß hat“, meint er. „Die Gastronomen werden ein bisschen missbraucht, um jetzt wieder ein bisschen Ruhe in die Bevölkerung zu bringen.“

Leere Kassen statt Geldsegen

Denn den Gastwirten spiele die Wiedereröffnung unter diesen Auflagen nicht in die Kasse. „Unter den Voraussetzungen, die wir jetzt einhalten müssen, werden wir definitiv keine schwarze Null schreiben können“, sagt er.

Auch wenn viele Betriebe noch in dieser Woche öffnen wollen, glaubt er, dass sie in naher Zukunft wieder schließen werden. „Die Kollegen und ich sind uns einig, wir ziehen nach zwei Wochen Bilanz und schauen, wie es läuft. Ich bin davon überzeugt: 80 Prozent der Kollegen werden nach zwei Wochen wieder abschließen.“

Auflagen sind „utopisch“

Denn: „Es bringt ja nichts, wenn ich öffne und dann mehr Miese einfahre, als wenn ich das Ding einfach zumache.“ Die Hälfte der Tische bringe eben maximal die Hälfte der Einnahmen.

Terdisch vermutet, dass viele Gastronomen für immer schließen werden. Weitere 18 Monate mit den Auflagen seien „utopisch“, „dann sind 90 Prozent der Kollegen pleite.“

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„Katastrophe eh schon da“

Im schlimmsten Fall würden die Gastronomen unter diesen Bedingungen draufzahlen. „Entweder wir können aufmachen und Geld verdienen, oder wir lassen es zu. Aber wir werden uns nicht den Arsch aufreißen und jeden Monat noch fünf, sechstausend Euro draufzahlen.“

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Eine schnellere Durchseuchung der Gesellschaft wäre für ihn die Möglichkeit gewesen, den wirtschaftlichen Schaden nicht nur für die Gastronomen gering zu halten. Eine Möglichkeit, von der Virologen jedoch immer wieder betonten, dass sie viele Menschenleben gefährdet und Tote fordern wird.

„Wenn es erst in eineinhalb Jahren einen Impfstoff gibt, kommt es dazu, dass man die Gesellschaft noch eineinhalb Jahre durchseucht, und dann wird es auch mehr Corona-Tote geben“, vermutet Terdisch. Für die Lokale sei es nun ohnehin zu spät: „Die Katastrophe für die Gastronomie ist eh da.“

Betriebe vor dem Aus

Wahrscheinlich sei zwar, dass irgendwann neue Kneipen an die Stelle der Pleitebetriebe treten. „Aber es geht hier nicht nur um eine vielfältige Gastroszene, sondern auch um persönliche Schicksale, die vor dem Aus stehen.“

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Trotz aller Schwierigkeiten hätte der Gastronom zur Abwechslung Lust auf einen gemütlichen Kneipenabend. „Mir fehlen jetzt nach drei Monaten die netten Gespräche in den Lokalen. Doch damit bin ich nicht allein, das fehlt auch vielen anderen Menschen“, spricht Terdisch vielen Nachtschwärmern wohl aus der Seele. (vh)

 
 

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