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Essen: Selbstjustiz nach Schlägerei! Kommt es zum Clan-Krieg zwischen Libanesen und Syrern? „Situation wird eskalieren“

Do, 31.01.2019, 11.20 Uhr

NRW-Innenminister Herbert Reul und Essens Polizeipräsident Frank Richter erklären die Strategie zur Bekämpfung der kriminellen Clans.

Essen. Es sind verstörende Szenen, die sich in Essen abgespielt haben – und Angst machen!

Vor einigen Tagen sind zwei libanonstämmige Männer von rund 30 Syrern attackiert worden. Die Polizei Essen bestätigt einen Einsatz, man habe aber bei Eintreffen niemanden mehr vorfinden können.

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Jetzt droht die Lage in Essen zwischen beiden Gruppen zu eskalieren, denn: Nur kurz nach dem Angriff auf die Libanesen zeigt ein Video, wie zahlreiche Männer durch Essen marschieren, um nach den Schlägern zu suchen. Auf Arabisch beleidigen sie zudem die Syrer.

Essen: Droht ein Clan-Krieg zwischen Libanesen und Syrern?

Die Frage drängt sich auf, ob die Auseinandersetzung nun zu einem ausgewachsenen Clan-Krieg mitten in Essen wird.

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Das Landeskriminalamt NRW hat gegenüber DER WESTEN schon Anfang des Jahres vor einer möglichen Eskalation gewarnt. Thomas Jungbluth, Leitender Kriminaldirektor: „Es gibt aus einigen Kreispolizeibehörden Hinweise darauf, dass wir es mit unterschiedlichen Facetten zu tun haben. Zum einen Clans, die Flüchtlinge ausnutzen und auf der Straße als Verkäufer für die Drecksarbeit einsetzen. Es gibt Schlägereien im Milieu, wo wir mutmaßen, dass das erste Schritte Richtung Verteilungskämpfe sind.“

Jungbluth weiter: „Man darf nicht vergessen, dass sich die Clans untereinander nicht wohl gesonnen sind. Der Prozess in Essen, bei dem ein Jugendlicher auf einem Schulhof zusammengeschlagen worden ist, hat zwar nicht mit Geschäften zu tun. Aber es ist eine Auseinandersetzung Clan gegen Clan. Ein anderes Beispiel aus einer anderen Stadt: Hier hat die Polizei sehr erfolgreich einen Teil eines Clans aus dem Verkehr gezogen, der im Rauschgiftgeschäft tätig war. Da hat ein anderer Clan gesehen: 'Die sind weg, hier können wir uns breit machen.' Der Clan hat versucht, das Geschäftsfeld zu übernehmen.“

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Woher kommen die Clans?

  • Wenn die Rede von kriminellen Araber-Clans ist, sind meist Mitglieder von Großfamilien mit türkisch-arabischen Wurzeln gemeint. In Deutschland gehören nach Schätzungen des Bundeskriminalamts (BKA) rund 200.000 Menschen zu solchen Großfamilien.
  • Die meisten von ihnen sind nicht kriminell. Manche aber haben sich zu mafiösen Gruppierungen zusammengeschlossen, nutzen familiäre Strukturen für kriminelle Geschäfte.
  • Sie leben häufig in einer abgeschotteten Parallelwelt, erkennen staatliche Strukturen nicht an. Straftaten werden zu internen Probleme erklärt, die innerhalb der Familien von sogenannten Friedensrichtern geregelt werden.
  • Viele haben eine türkische (15 Prozent) oder libanesische (31 Prozent) Staatsangehörigkeit, 36 Prozent haben eine deutsche Staatsangehörigkeit, fünf Prozent sind staatenlos.
  • Ausweisungen von Intensivtätern sind entsprechend schwierig

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Islamismus-Experte: „Essen ist ein Phänomen für sich“

Auch Wirtschafts- und Islamwissenschaftler Ahmad A. Omeirate (36) aus Berlin warnt vor einer weiteren Eskalation der Lage in Essen.

Omeirate zu DER WESTEN: „Es besteht eine historische Antipathie zwischen bestimmten syrischen und libanesischen Gruppen, die schon seit dem Bürgerkrieg im Libanon ab 1975 besteht. Essen ist ein Phänomen für sich. Die Syrer sind bei ihrer Ankunft in Deutschland ganz anders aufgenommen worden als damals die Libanesen. Es herrscht deshalb u.a. ein Konkurrenzdenken zwischen beiden Gruppen. Die Lage wird noch weiter eskalieren.“

Dass sich Libanesen und Syrer jetzt gegenseitig angreifen und dann Rache ausüben, habe auch viel mit Reviermarkierung und Machtdemonstration zu tun, so Omeirate.

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Der Experte weiter: „Die Syrer treten jetzt verstärkt in der Öffentlichkeit auf. Nicht nur im kriminellen Bereich, sondern auch auf legalen Geschäftsfeldern wie der Gastronomie oder im Einzelhandel. Es kann zu einer Machtverschiebung in Essen kommen, die die Situation noch weiter anheizt.“ Einige wenige Kriminelle würden den Namen ganzer Familien verunglimpfen, so der Experte. „Man darf nicht alle Familienmitglieder über einen Kamm scheren, nur weil sie den gleichen Nachnamen tragen und sonst nicht kriminell auffällig waren.“

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Polizei Essen: Die Gruppen neigen zu Selbstjustiz

Die Polizei Essen hat mitgeteilt, dass das besagte „Selbstjustiz“-Video bekannt sei und man es jetzt prüfen würde, in welchem genauen Zusammenhang es entstanden ist. Ein Sprecher zu DER WESTEN: „Bislang liegen uns keine Hinweise vor, dass auf eine Eskalation in den jeweiligen Milieus hindeuten könnte. Falls doch, würden wir das zu verhindern wissen.“

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Dass sich Clans bekämpfen und Selbstjustiz verüben wollen, sei der Polizei ebenfalls bekannt. Der Sprecher weiter: „Die entsprechenden Gruppen neigen ja leider dazu, am Rechtsstaat vorbei ihre Angelegenheiten klären zu wollen.“ Die Lage bleibt zweifellos angespannt...

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