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Essen: Clan-Mitglieder schlagen 17-Jährigen brutal zusammen – Innenminister schaltet sich ein

Ein brutales Video zeigt, wie die Täter mehrere Minuten auf ihr Opfer einschlagen und treten. (Symbolbild)
Ein brutales Video zeigt, wie die Täter mehrere Minuten auf ihr Opfer einschlagen und treten. (Symbolbild)
Foto: imago images / Steinach

Essen. Zwei Tage noch, dann hat Ahmad* Geburtstag. 18 Jahre wird er alt. Statt zu feiern, verbringt er den Tag im Krankenhaus.

Am 4. Juni sollen ihm mehrere junge Männer einer Clan-Familie eine Falle gestellt haben.

Ahmad schreibt mit einem Mädchen, sie lädt ihn zu einem Treffen auf einem Schulhof im Stadtteil Altendorf ein. Doch dort erwartet ihn nicht die Verabredung, sondern ein Schläger-Trupp, erfährt diese Redaktion.

Essen: Clan-Mitglieder filmen abscheuliche Tat

Die Mitglieder einer arabisch-libanesischen Familie schlagen und treten auf ihr 17-jähriges Opfer ein. Als wäre die Tat nicht schon schlimm genug, filmen sie sie, verbreiten das Video später im Netz. Darauf ist zu sehen, wie Ahmad um Gnade fleht und um Hilfe schreit. Die Angreifer interessiert das nicht: Sie zerren ihn über den gepflasterten Schulhof, bespucken ihn, stoßen übelste Beleidigungen aus.

Eine Zeugin beobachtet den Vorfall, informiert die Polizei. Der Schwerverletzte muss auf die Intensivstation. Er soll fast zu Tode geprügelt worden sein.

Ermittlungsbehörden halten sich bedeckt

Gegenüber DER WESTEN bestätigt die Staatsanwaltschaft Essen lediglich, dass es um „schweren Raub und gefährliche Körperverletzung“ ging. „Die Verdächtigen sind namentlich bekannt“, sagt Annette Milk, Sprecherin bei der Staatsanwaltschaft. „Weitere Angaben machen wir mit Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht.“

Die Polizei, Fachabteilung für Clan-Kriminalität, ermittelt. Den Behörden liegt das Prügel-Video vor.

Ein Informant erzählt dieser Redaktion, dass nicht von „Clan-Streitigkeiten“ die Rede sein könne. Zumindest der Familie des Geschädigten läge nichts an Begriffen wie „Familien-Ehre“, welche häufig als Begründung für Streitigkeiten genannt werde.

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Clan-Hochburg Essen

Dennoch schwelen in Essen und weiteren Ruhrgebietsstädten seit langem Konflikte zwischen verfeindeten Clan-Familien. Zuletzt präsentierte das NRW-Innenministerium ein Lage-Bild zur Clan-Kriminalität. Demnach sollen 104 kriminelle Clans zwischen 2016 bis 2018 für rund 14.000 Straftaten verantwortlich gewesen sein.

NRW-Innenminister Herbert Reul äußerte sich gegenüber RTL zu dem Fall. Er sprach von „grenzenloser Gewalt“ und einer „außerordentlich ernsten Situation, um die wir uns kümmern müssen.“ Die Lage sei „gefährlich“. Reul forderte, man müsse Toleranz und Rücksichtnahme lernen: „Das sind Eigenschaften, die muss man als Mensch gelernt haben.“

In Bezug auf Clankriminalität sprach Reul zuletzt von 6.500 Verdächtigen. Unter den Straftaten seien 26 versuchte und vollstreckte Tötungsdelikte. Es gehe auch um Raub, Erpressung und Körperverletzung.

*Der richtige Name ist der Redaktion bekannt.

 
 

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