Essen braucht 16.900 neue Wohnungen

Essen muss laut Berechnungen den sozialen Wohnungsbau dringend ankurbeln.
Essen muss laut Berechnungen den sozialen Wohnungsbau dringend ankurbeln.
Foto: Oliver Müller NRZ
  • Innerhalb der kommenden fünf Jahre muss Essen den sozialen Wohnungsbau ankurbeln.
  • Das Wachstum der Einwohnerzahl und der Zuzug von Flüchtlingen erfordern dies
  • Das Land warnt aber davor Quartiere ausschließlich für Flüchtlinge zu bauen

Essen.. Das Bevölkerungswachstum und der Zuzug von Flüchtlingen machen es nach Einschätzung des Landes dringend erforderlich, dass die Stadt Essen neuen Wohnraum schafft. Nach aktuellen Berechnung des Bauministeriums und der NRW Bank müssten allein in den kommenden fünf Jahren zwischen Karnap und Kettwig bis zu 16.900 neue Wohnungen gebaut werden. Das entspricht einem Plus zum heutigen Wohnungsbestand von immerhin 5,4 Prozent. Den dafür notwendigen Flächenbedarf beziffert das Ministerium auf bis zu 300 Hektar.

Die Debatte, wo feste Unterkünfte für Flüchtlinge gebaut werden sollen, hat die Politik gerade erst hinter sich. Reiner Daams, Referatsleiter im Landesministerium für Bauen und Verkehr, führte den Mitgliedern des städtischen Planungsausschusses anhand von Zahlen vor Augen, dass diese Debatte nur der Anfang gewesen sein dürfte. Laut Prognose fehlen in Essen bis 2020 mindestens 5900 Wohnungen, um allein Flüchtlinge unterzubringen. Die Zahl dürfte deutlich höher liegen, denn keine andere Stadt in Nordrhein-Westfalen verzeichnet einen derart hohen Zuzug von Asylbewerbern mit Bleiberecht wie Essen.

12.200 Wohnungen für Flüchtlinge

Sollte diese Personengruppe ihren Wohnort weiterhin frei wählen können, geht das Ministerium sogar von einem Bedarf von 12.200 Wohnungen für Flüchtlinge aus. Auch ohne diesen Zuzug benötige die Stadt aber zusätzlichen Wohnraum. Essen zählt neben Köln, Düsseldorf, dem Raum Aachen und Bielefeld zu den wachsenden Städten in NRW. Allein aus diesem Grund müssten laut Prognose mittelfristig 6100 neue Wohnungen entstehen.

Der Anteil der Flüchtlinge an jenen, die auf den Wohnungsmarkt drängen, ist mit zwei Dritteln höher als in jeder anderen Stadt des Landes. Referatsleiter Reiner Daams warnte die Planungspolitiker auch deshalb ausdrücklich davor, neue Wohngebiete ausschließlich für diese Personengruppe auszuweisen. „Wer diese Strategie verfolgt, wird sozialen Sprengstoff schaffen“, so der Ministerialbeamte. Erforderlich sei es vielmehr, neue Wohnungen zu bauen, um das Angebot auf dem Wohnungsmarkt insgesamt zu vergrößern. Nur so ließe sich eine soziale Durchmischung der Quartiere erreichen.

Wohnungsleerstand reicht bei weitem nicht aus

Fest steht: Der aktuelle Wohnungsleerstand reicht bei weitem nicht aus, um den absehbar steigenden Bedarf auch nur ansatzweise zu decken. Gerade einmal 1400 Wohnungen aus dem Bestand ließen sich nach Berechnungen des Landes mobilisieren.

Für die FDP warf Thomas Spilker die derzeit viel diskutierte Frage auf, ob sozial Schwächere, zu denen die Mehrzahl der Flüchtlinge zählen dürfte, dort hinziehen, wo Wohnungen vergleichsweise günstig sind, also in den Norden der Stadt. Dem hielt der Vorsitzende des Planungsausausschusses, Thomas Rotter (SPD), entgegen, das Ziel müsse es sein, bei Neubauvorhaben einen Anteil von 30 Prozent an öffentlich geförderten Wohnungen festzuschreiben, ganz gleich, wo gebaut wird, ob im Süden oder im Norden. Mit dem Koalitionspartner CDU abgestimmt, ist diese Position allerdings nicht. Die Partei-Piraten warfen folgende Frage auf: Warum nicht in die Höhe bauen, um Wohnraum zu schaffen – durch die Aufstockung von Dächern und deren Umbau in Dachgeschosswohnungen. Vorteil: Neues Bauland müsste dafür nicht ausgewiesen werden.

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