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Essen: Bon-Pflicht – Bäckereien flippen aus „Habe mich fürchterlich aufgeregt“

Essen: Zwei Bäckereien haben jetzt schon genug von der Bon-Pflicht, die zu Jahresbeginn eingeführt wurde. (Symbolbild)
Essen: Zwei Bäckereien haben jetzt schon genug von der Bon-Pflicht, die zu Jahresbeginn eingeführt wurde. (Symbolbild)
Foto: Jens Kalaene/zb/dpa

Essen. Die Bon-Pflicht – eine äußerst umstrittene Neuerung. Seit dem 1. Januar 2020 muss dir der Händler – auch in Essen – bei jedem Kauf einen Kassenbon aushändigen. Auch wenn du nur ein Kaugummi für zehn Cent am Kiosk kauftst. Egal, ob du willst oder nicht.

Auch die Bäckereien waren im Vorfeld wenig begeistert von dieser neuen Regel. Schon nach wenigen Minuten an der Bäckerei-Theke wird deutlich: Nur die wenigsten schenken dem kleinen Zettel überhaupt ihre Aufmerksamkeit, noch weniger stecken ihn ein.

Essen: Bäcker stellen sich gegen neue Bon-Pflicht

Zwei Bäcker in Essen stellen sich jetzt gegen den Bon-Wahn.

Die neue Bon-Pflicht hat Jutta Förster vom Familienbetrieb Förster Backkultur viele Nerven gekostet. „Ich habe mich fürchterlich darüber aufgeregt“, gibt sie zu.

An den ersten Tagen druckten ihre Mitarbeiter unermüdlich Kassenbons aus, doch nur etwa drei Prozent der Kunden hätten ihn mitgenommen. Kurzerhand entschloss der Familienbetrieb, ab dem 7. Januar keine Bons mehr auszustellen.

Denn laut ihrem Steuerberater sei das gar nicht notwendig – „wegen Unwirtschaftlichkeit“, zitiert ihn Förster.

Gruß an das Finanzamt

Pflicht der Betriebe sei es jedoch, nachzufragen, ob ein Kassenzettel gewünscht sei. Laute die Antwort „nein“, müsse der Bon nicht gedruckt und herausgegeben werden.

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Die Bons, die sie bis einschließlich 7. Januar bereits hat gedruckt habe, bewahrt Förster in Papierkisten auf. Vielleicht wolle sie die als Gruß an das Finanzamt schicken. „Ich muss was dagegen machen, sonst werde ich krank“, sagt Förster.

Traditionsbäckerei Holtkamp ohne Papierbons

Auch die Essener Traditionsbäckerei Holtkamp stellt Papierkassenbons seit dem 6. Januar nur noch auf Anfrage aus. An dem Tag stellte Stefan Holtkamp seine Filialen auf ein neues Kassensystem um.

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Die neuen Geräte verfügen über ein Display, das den Kunden einen QR-Code anzeigt. Mit dem Smartphone könne der gescannt und dann der Kassenbon heruntergeladen werden – ganz ohne Papier. Diese digitale Variante sei völlig ausreichend, meint Holtkamp.

Digitaler Kassenbon wird selten nachgefragt

Nutzen würden das allerdings die wenigsten – die Funktion habe er eher pro forma eingeführt. „Diejenigen, die die neue Variante ausprobieren, haben das bisher nur aus Neugierde gemacht“, erklärt er.

Mit dem neuen System gehört er nach eigenen Angaben übrigens zu den Vorreitern in Deutschland. „Nur drei bis vier Bäckereien in Deutschland nutzen das System bisher", sagt der Bäckermeister.

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Er selbst habe zwar neue Kassen anschaffen müssen, sei mit dem neuen System aber zufrieden: „Es hat auf der ganzen Linie Vorteile“, so Holtkamp.

Kassenbon-Pflicht: Steuerbetrug soll verhindert werden

Die Kassenbon-Pflicht ist Teil der Kassensicherungsverordnung. Grund für die Pflicht: Sie soll Steuerbetrug an der Ladenkasse verhindern. Durch eine technische Sicherheitseinrichtung sollen die Kassen fälschungssicher werden. (vh)

 
 

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