Essen

Blutige Clan-Fehde in Essen: Acht Männer schlagen, treten und spucken auf ihr wehrloses Opfer (18) - war DAS der Auslöser?

Clan-Fehde in Essen: Eine Chronologie

Prozess um einen hinterhältigen Schulhof-Angriff in Altendorf, der einen Clan-Clinch auslöste.

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Essen. Großaufgebot der Polizei am Freitagmorgen im und rund um das Amtsgericht Essen. Grund: eine blutige Clan-Fehde im Sommer diesen Jahres.

Die Hintergründe der Tat bargen große Brisanz, denn bei dem Prügel-Opfer handelte es sich um den Sohn der Essener Clan-Größe Jamal Rammo. Die Tat sorgte in diesem Sommer für eine Spirale der Gewalt zwischen libanesischen Großfamilien in Essen.

Ein Video des Prügel-Angriffs schockierte in diesem Sommer ganz Deutschland. Darauf ist zu sehen, wie die acht jungen Angeklagten mehrfach auf ihr wehrloses Opfer einschlagen und treten. Im Anschluss schleifen sie ihn über den Schulhof, entreißen ihm sein T-Shirt, spucken und beleidigen den auf dem Boden liegenden jungen Mann fortwährend.

Essen: Clan-Fehde vor Gericht

Khalid A. (21), Nico G. (18), Ahmed M. (18), Fadi S. (18), Faissal K. (19), Mohammad S. (20), Matin J. (18) und Enrico K. (16) müssen sich deshalb seit Freitag in Essen vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: schwere gemeinschaftliche Körperverletzung. „Der Geschädigte wurde auf den Schulhof gelockt und dort von dem Angriff überrascht“, so Gerichtssprecherin Gaury Sastry. Als Lockvogel soll die Schwester von Khalid A. gedient haben, gegen die gesondert ermittelt wird. Sie habe den Rammo-Sohn unter einem Vorwand auf den Schulhof gelockt, bis die Angreifer eintrafen.

>>>hier alle Hintergründe zur Clan-Fehde: Acht Angreifer prügeln auf jungen Mann (18) ein – Vater nimmt Rache

Nico G. fasste sich vor Gericht als Erster ein Herz und sagte aus. „Wir haben Mut“, sagte sein Anwalt. Er habe gemeinsam mit Enrico K. in einem Café gesessen, als er über Snapchat eine Nachricht bekam und sich gemeinsam mit nach Altendorf machte. Hier sei er auf die anderen Angeklagte getroffen, gemeinsam seien sie zum Schulhof gejoggt.

Was genau geschehen sollte, sei ihm nicht bewusst gewesen. Nur so viel: „Mir war bewusst, dass ihm eine reingeknallt wird“, gestand der 18-Jährige. Zu den Hintergründen der Tat behauptete der Angeklagte: „Das Mädchen wurde gegen ihren Willen mit Handyfotos erpresst.“ Eine Abreibung sollte erfolgen. Ahmed M. habe als Erster mit zwei Faustschlägen den Geschädigten niedergeschlagen. Den Rest der Tat dokumentiert das Schock-Video.

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Streit zwischen Familien-Clans als möglicher Auslöser

Khalid A. widersprach anschließend. Die Geschichte mit einer Erpressung sei „Bullshit“, sagte er. „Es war ein Streit zwischen den Familien Sado und Rammo. Die Sados wollten mehrere Großfamilien involvieren.“ Ein vermeintlicher Auslöser: Ahmed M. soll eine Sprachnachricht vom Rammo-Sprössling bekommen haben. Darin habe er seinen toten Vater beleidigt haben. Der vermeintliche Inhalt: „Ich hole deinen Vater aus dem Grab.“

WhatsApp-Gruppe um Sündenbock zu finden

Nach der Tat habe man beschlossen, die Tat Ahmed M. in die Schuhe zu schieben. „Er wurde verarscht, ich auch“, so Khalid A. Im Gefängnis sei er zur Vernunft gekommen und wolle nicht mehr lügen. Nach den Verhaftungen von Mohammad S. und Fadi S. habe man eine Whatsapp-Gruppe gegründet und beschlossen, Ahmed M. verantwortlich für die Tat zu machen, erklärte Khalid A.

Von jener WhatsApp-Gruppe wollten andere Angeklagte jedoch nichts wissen.

Opfer soll Frau vergewaltigt haben

Auch das Prügel-Opfer soll im Laufe des Prozesses vor Gericht aussagen. Er sitzt derzeit selbst in Untersuchungshaft, erklärte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Essen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Er müsse sich demnächst in einem anderen Verfahren dem Vorwurf stellen, eine Frau vergewaltigt zu haben. Der Rammo-Sohn sei ein "Gigolo" gewesen, sagte einer der Angeklagten. Behandelte er womöglich ein Mädchen der Sado-Familie schlecht und löste so die Gewalt-Orgie zwischen den libanesischen Großfamilien aus? Diese Frage wird das Gericht um die Vorsitzende Richterin Claudia Schlarb in den kommenden Prozesstagen klären müssen.

 
 

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