Essen: Coronakrise trifft Obdachlose besonders hart – Bettler verzweifelt: „Weiß nicht mehr, was ich machen soll“

Essen: Die Coronakrise trifft die Obdachlosen besonders hart. (Symbolbild)
Essen: Die Coronakrise trifft die Obdachlosen besonders hart. (Symbolbild)
Foto: imago images / Lichtgut

Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind seit dem Ausbruch des Coronavirus ein heiß begehrtes Gut. Davon kann Markus (35) nur träumen. Seit er seinen Job verloren hat, bettelt er in der Innenstadt von Essen, um sich und seine Freundin mit dem Nötigsten zu versorgen.

Die Coronakrise spitzt seine Situation in Essen nochmal besonders zu, erzählt der 35-Jährige ernüchtert.

Essen: Coronakrise trifft Obdachlose besonders hart

Verzweifelt bittet er jeden Passanten, der seinen Weg kreuzt, um ein paar Euro. „Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll. Es kommen immer weniger Leute in die Stadt, und wenn ich jemanden von ihnen anspreche, springen sie panisch weg“, berichtet er.

Denn wegen der verschärften Verhaltensregeln ist es in der Innenstadt trotz Frühlingswetter leer, und aus Angst vor Ansteckung gehen sich die Passanten, die sich doch in die City wagen, großflächig aus dem Weg.

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So auch bei Markus: „Sie haben Angst, dass ich krank sein könnte“, meint er. Er selbst hält eine Ansteckung mit Covid-19 für unwahrscheinlich, verspürt selbst Angst vor dem Virus. Die Zeit auf der Straße härte ab. Vor wenigen Tagen habe ihn zwar ihn eine harmlose Erkältung geplagt, doch mittlerweile fühle er sich wieder fit.

Angst vor andauernder Krise

Er zieht seine Strickmütze ein wenig tiefer ins Gesicht, als er doch ein bisschen Angst zugibt. Allerdings nicht vor einer Ansteckung, sondern davor, dass die Ladenschließungen länger andauern könnten als bis zum 19. April. Das wäre wegen seiner prekären wirtschaftlichen Lage mindestens genau so gefährlich wie Covid-19.

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Markus' Hauptmahlzeit: „Reicht oft nur für ein trockenes Brötchen“

Mit den wenigen erbettelten Münzen muss der hagere 35-Jährige schließlich nicht nur sich, sondern auch seine Freundin durchbringen. Weil die Menschen nun die Innenstadt meiden, wird das mit jedem Tag schwieriger. „Es grenzt an ein Wunder, wenn überhaupt mal jemand anhält. Am Abend reicht es oft nur für ein trockenes Brötchen.“

Geld und Essen rationiert er, und das fällt dem 35-Jährigen schon an normalen Tagen nicht leicht. Während der Coronakrise noch weniger als mehr. „Manchmal isst man dann doch einen Schokoriegel mehr, als man eingeplant hat, und dann führt eins zum anderen“, ärgert er sich über sich selbst.

So reiche das Geld bei ihm bei weitem nicht, um Hamsterkäufe zu machen. Er könne sein Leben ohnehin nicht über den Abend hinaus planen.

Trotz aller Schwierigkeiten bleibt Markus optimistisch: „Nach der Krise bekomme ich hoffentlich wieder einen Job“. (vh)

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