Essen: Menschen stellen Bett in der Fußgängerzone auf – das steckt hinter der kuriosen Aktion

Essen vs. Bochum - Der ultimative Städtevergleich

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Essen und Bochum bilden das Herz des Reviers. Doch welche der beiden Ruhpott-Metropolen ist eigentlich die Coolere? Wir haben die Highlights der Städte für dich zusammengetragen. Jetzt musst du entscheiden.

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Ein ungemachtes Bett mitten in Essen in einer Fußgängerzone? Das hört sich wirklich sehr skurril an und dürfte wohl den einen oder anderen Essener mit einem Fragezeichen im Gesicht zurücklassen.

Doch hinter der Aktion in Essen steckt eine ernste Angelegenheit. Sie soll nämlich auf ein großes Problem in der Ruhrpott-Stadt aufmerksam machen.

Essen: Kuriose Aktion in einer Fußgängerzone

Die Aktion geht von der NGG (Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten) aus. Mit einer Protestaktion will die NGG in Essen auf die „katastrophale Situation“ im Hotel- und Gaststättengewerbe hinweisen. Am kommenden Dienstag werden die Gewerkschaft und Gastro-Beschäftigte auf der Kettwiger Straße in der Essener Innenstadt ein ungemachtes Bett aufstellen.

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Das ist die Stadt Essen:

  • geht auf das vor 850 gegründete Frauenstift Essen zurück
  • 582.760 Einwohner, neun Stadtbezirke und 50 Stadtteile, viertgrößte Stadt in NRW
  • seit 1958 Sitz des neugegründeten Bistums Essen
  • Wahrzeichen unter anderen: Zeche Zollverein, Villa Hügel, Grugapark Essen
  • war 2010 Kulturhauptstadt Europas und 2017 Grüne Hauptstadt Europas
  • Oberbürgermeister ist Thomas Kufen (CDU)

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Das verwaiste Hotelbett mitten in der City steht dabei symbolisch für die Arbeit, die in der Branche schon seit Monaten nicht mehr erledigt werden kann. „Vom Koch bis zum Kellner, von der Rezeptionistin bis zum Zimmermädchen und Roomboy – Hotels, Restaurants und Gaststätten leiden extrem unter Personalschwund. Nach Corona-bedingter Kurzarbeit in Dauerschleife sind ihnen die Leute von Bord gegangen. Die Personaldecke ist nicht mehr dünn, sie ist gewaltig löchrig“, sagt Martin Mura.

Essen: Gewerkschaftschef schlägt Alarm – „Gastro-Personal-Kollaps“

Der Geschäftsführer der NGG-Region Ruhrgebiet warnt vor einem „Gastro-Personal-Kollaps“, der viele Unternehmen „mit voller Wucht“ treffen werde. Die Branche lebe von der Leistung und von der Servicebereitschaft ihrer Beschäftigten. „Es ist deshalb höchste Zeit, die Motivation zu pushen und an der ‚Job-Attraktivitätsschraube‘ zu drehen. Die Arbeitgeber müssen eines begreifen: Gutes Essen und guter Service geht nur mit gut bezahlten Leuten“, sagt Mura.

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Deswegen müssten die Arbeitgeber bei den kommenden Tarifverhandlungen ein deutliches Zeichen setzen. Dadurch sollen die Jobs in der Branche attraktiver werden. Besonders die Bezahlung sei ein wichtiges Thema. Wer heute Vollzeit im Gastgewerbe in Essen arbeite, gehe mit einem Bruttolohn von gerade einmal 2.089 Euro im Monat nach Hause. Das seien 45 Prozent weniger als der Durchschnittsverdiener in Essen mit einem Vollzeitjob am Monatsende in der Tasche habe, rechnet Mura vor. Er beruft sich dabei auf die aktuelle Lohnstatistik im Arbeitsmarkt-Monitor des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

Auch um Azubis müsse man sich besser kümmern. „Die Qualität in der Ausbildung ist teilweise richtig mies. Auch das Betriebsklima ist oft unter aller Kanone. Die hohe Abbrecherquote hat viele Gründe. Da müssen wir dringend ran“, so Mura. Die Zahl der Ausbildungsplätze in dem Gewerbe sei rückläufig. Ob die Aktion in der Fußgängerzone ihre Wirkung bei den entscheidenden Akteuren haben wird, muss sich zeigen. (gb)