Essen: Anna S. aus Gelsenkirchen getötet – Höchststrafe für ihren Mörder, nach dem Urteil wird es laut im Saal

Essen: Michael S. wird zu lebenslanger Haft verurteilt - mit anschließender Sicherungsverwahrung.
Essen: Michael S. wird zu lebenslanger Haft verurteilt - mit anschließender Sicherungsverwahrung.
Foto: Funke Photo Service

Von Anna S. aus Gelsenkirchen fehlt bis heute jede Spur!

Doch das Landgericht in Essen um den Vorsitzenden Richter Martin Hahnemann ist auch ohne eine aufgefundene Leiche überzeugt: ihr Ex-Freund Michael S. hat sie getötet. Er wurde am Dienstag zu lebenslanger Haft verurteilt - mit anschließender Sicherungsverwahrung. Das heißt, er wird auch nach Verbüßung seiner Strafe nicht auf freien Fuß kommen.

Essen: Urteil im Fall Anna S. aus Gelsenkirchen gefallen

Rückblick: Seit dem 23. Juni 2019 fehlt von Anna S. aus Gelsenkirchen jede Spur. Als die Erzieherin nicht zu einer Verabredung mit ihrer Familie erscheint, schaltet sie die Polizei ein.

Im November 2019 nimmt die Polizei Michael S. fest. Die Ermittler hatten zuvor belastendes Videomaterial auf sichergestellten Datenträgern gefunden. Das gefundene Videomaterial überführte den Krefelder letztlich, so Richter Hahnemann: „Hätte er diese nicht gemacht, hätten wir vieles vermuten, aber nichts nachweisen können.“

Darauf zu sehen eine fast nackte Frau auf dem Boden liegend, ihr Kopf steckt in einer Plastiktüte, zugeknotet mit Klebeband am Hals. Anhand von Tattoos und ihren markanten Fingernägeln sind die Ermittler überzeugt, dass es sich bei der Frau um Anna S. handeln muss. Die Aufnahmen stammten aus der Wohnung von Michael S. und wurden auf einem PC von ihm gefunden.

Michael S. machte Anna S. das Leben zur Hölle

Schon zuvor soll Michael S., der die zwölf Jahre jüngere Anna S. über die Dating-App „Lovoo“ kennengelernt hatte, das Leben zur Hölle gemacht haben, als diese sich nicht wie erhofft vollkommen an ihn binden wollte.

So ist das Gericht überzeugt, dass er die Wohnung der Getöteten zuvor angezündet hatte. Sein perfides Ziel: die Frau so finanziell an sich zu binden. Dabei ging er höchst skrupellos vor, belog Anna S., erfand eine reiche Tante, täuschte den Tod seiner Eltern vor und versuchte immer wieder von sich abzulenken. Am Ende vergeblich.

Wo sich die Leiche von Anna S. befindet, das klärte der Prozess nicht. Die Ermittler schlossen nicht aus, dass er sie eingemauert oder sie auf einem Müllverbrennungshof in Krefeld beseitigt habe.

Michael S. hat schon einmal eine Frau getötet

Denn Michael S. ist der Justiz kein Unbekannter. Er saß bereits eine langjährige Freiheitsstrafe wegen Totschlags ab, weil er 1999 seiner Freundin aufgelauert hatte und sie mit 120 Messerstichen getötet hatte. Anfang 2020 hatte ihn das Landgericht Krefeld zu zwei Jahren und acht Monaten verurteilt, weil er seine letzte Freundin, eine Frau aus Essen, gefesselt und verprügelt hatte.

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Eine Gutachterin hatte Michael S. im Prozess als voll schuldfähig und eine Gefahr für die Allgemeinheit beschrieben. Er sei in Beziehungen „besitzergreifend, einengend und kontrollierend“ gewesen und habe auf die Trennung von Anna S. „egozentrisch und rachedurstig“ reagiert.

Das Gericht entschied daher in seinem Urteil auf lebenslange Haft und die besondere Schwere der Schuld - mit anschließender Sicherheitsverwahrung und folgte damit der Staatsanwaltschaft. Es bestehe die Gefahr, dass früher oder später eine Frau von ihm getötete werde, wenn sie sich ihm nicht füge, so die Begründung.

Angeklagter komplett teilnahmslos

Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert, da die Tat nicht sicher bewiesen sei. Michael S. hatte den gesamten Prozess über geschwiegen, nahm im schlapprigen T-Shirt und rotem Sweater gekleidet auch das Urteil teilnahmslos entgegen.

„Er hat sich wie die ganze Zeit gegeben. Kalt, einfach nur kalt“, sagte Annas Edith Deike Schwester nach dem Prozess. Sie und ihr Mann sind nach dem Urteil, dass noch nicht rechtskräftig ist, erleichtert. „Es ist das Urteil, dass wir uns erhofft haben“, sagte Dirk Deicke.

Bei Freundinnen und Bekannten der Getöteten im Zuschauerraum bricht es nach Urteilsverkündung raus. Jubel brandet auf, gefolgt von wüsten Beschimpfungen gegenüber dem Angeklagten. (ms)