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Essen: Aktivisten besetzen Haus am Weberplatz – so ist die Lage am Morgen

Eine Vermittlerin versucht auf die Aktivisten einzuwirken.
Eine Vermittlerin versucht auf die Aktivisten einzuwirken.
Foto: Funke Foto Services

Essen. Seit Montagmorgen hatten Aktivisten ein Haus am Weberplatz im Zentrum von Essen besetzt. Sie protestierten für die amerikanische Bewegung „Black Lives matter“ und gegen Rassismus. Auf einem großen Transparent forderten die Aktivisten, in dem leerstehenden Gebäude ein „Zentrum für antirassistische Politik“ einzurichten.

Die Polizei Essen ließ das Gebäude mit Hilfe einer Hundertschaft am Montagabend räumen, da es sich um Hausfriedensbruch handelte.

Essen: Aktivisten besetzen Haus am Weberplatz

Zuvor seien die Aktivisten, die von der Polizei zur linken Szene gezählt werden, mehrfach via Megafon dazu aufgefordert worden, das Gebäude am Weberplatz zu verlassen. Darauf sei keine Reaktion erfolgt.

Die Stadt Essen, in deren Hand die Immobilie liegt, stellte einen Strafantrag wegen Hausfriedensbruch. Die Polizei betrat gegen 18.30 Uhr das Gebäude und traf in der ersten Etage auf 14 vermummte Personen, neun Männer und fünf Frauen.

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Das ist die Stadt Essen:

  • geht auf das vor 850 gegründete Frauenstift Essen zurück
  • 582.760 Einwohner, neun Stadtbezirke und 50 Stadtteile, viertgrößte Stadt in NRW
  • seit 1958 Sitz des neugegründeten Bistums Essen
  • Wahrzeichen unter anderen: Zeche Zollverein, Villa Hügel, Grugapark Essen
  • war 2010 Kulturhauptstadt Europas und 2017 Grüne Hauptstadt Europas
  • Oberbürgermeister ist Thomas Kufen (CDU)

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Zwei aus der Gruppe hatten zu drastischen Mitteln gegriffen und sich mit spezieller Ausrüstung aneinander gebunden, umso die Räumung für die Einsatzkräfte deutlich zu schweren. Die Polizei konnte die Aktivisten einzeln von der Ausrüstung befreien und aus dem Gebäude bringen. Doch damit endete die Hausbesetzung nicht. Denn auf dem Dach verharrten zwei weitere Protestierende.

Ursprünglich wollte die Polizei die beiden verharrenden Akteure ebenfalls noch am Abend räumen lassen. Dafür soll Berichten zu Folge auch die Feuerwehr um Amtshilfe gebeten worden sein, die das Gesuch jedoch ablehnte. Für die Menschen vor Ort wurde es eine lange Nacht.

Erst gegen 3.30 Uhr verließen die Hausbesetzer freiwillig das Dach. Sie wurden festgenommen.

Vermummte kommen in Gewahrsam

Ebenso wie alle anderen Menschen, die am zuvor am Abend vor Ort nicht eindeutig identifiziert werden konnten, wurden sie zur Identitätsfeststellung ins polizeiliche Gewahrsam gebracht.

Eine erste Reaktion aus der Stadtpolitik kam von der Partei Die Linke. Sie solidarisierte sich mit den Hausbesetzern. Theresa Brücker, Spitzenkandidatin zur Kommunalwahl: „Die Stadt wusste über Jahre hinweg nichts mit dem Haus anzufangen. Jetzt, wo das Haus besetzt wird, fordert die Polizei die Besetzenden direkt auf, das Haus zu räumen. Wir fragen: Was soll mit diesem Haus geschehen? Wird es der Öffentlichkeit entzogen, z.B. indem teure Privatwohnungen errichtet werden? Oder schaffen wir es, das Haus für alle zu erhalten und so seiner Geschichte Respekt zu zollen?“

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Die polizeilichen Ermittlungen zu der Besetzung dauern auch am Montag weiter an. Am Morgen befanden sich weiter Polizeikräfte am Gebäude am Weberplatz vor Ort, auch die Stadt hatte einen Sicherheitsdienst entsendet. Von den Demonstranten sei laut Polizei jedoch niemand mehr vor Ort.

Dafür befänden sich am Morgen gegen kurz vor 7 Uhr rund 15 Personen vor dem Polizeipräsidium in Essen. Diese säßen, so die Polizei, „friedlich auf dem Bürgersteig“. Transparente hätten sie nicht dabei. Mutmaßlich handelt es sich um sich solidarisierende Aktivisten, die auf die Entlassung der am Abend und in der Nacht festgenommenen Demonstranten warten.

Haus der Begegnung am Weberplatz

Das ehemalige Haus der Begegnung am Weberplatz steht seit rund drei Jahren leer und ist baufällig. Vor dem Leerstand betrieb seit 1982 der Verein „Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen in Essen e.V.“ das Gebäude, ein Zusammenschluss von 45 Essener Selbsthilfegruppen und Vereinen der Behindertenhilfe. Im Jahr 2017 selbst wurde es im Rahmen der Grünen Hauptstadt Essen als informelles Zentrum genutzt. Seitdem liegt das Gebäude brach. (fb/dav)

 
 

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