Erstes Jahr von Essens Bischof Overbeck von Skandalen begleitet

Dirk Aschendorf
Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck nach seiner Amteinführung am 4. Advent 2009 auf dem  Burgplatz mit dem Essener Dompropst Otmar Vieth. Foto Walter Buchholz
Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck nach seiner Amteinführung am 4. Advent 2009 auf dem Burgplatz mit dem Essener Dompropst Otmar Vieth. Foto Walter Buchholz
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Essen. Selten hat ein Bischof in so kurzer Zeit so viele Schlagzeilen verursacht: Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck ist mittlerweile ein Jahr im Amt. In Erinnerung bleiben Skandale im Bistum Essen und umstrittene Äußerungen zur Homosexualität.

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck ist nun ein Jahr im Amt. Selten hat ein Bischof so kurz nach seiner Einführung so Rampenlicht der Öffentlichkeit gestanden. Grund: Skandale, die auch das Bistum Essen erschütterten aber auch seine umstrittene Äußerung zur Homosexualität in der Fernsehshow von Anne Will.

Als vor einem Jahr Franz-Josef Overbeck in sein Amt als neuer Bischof von Essen eingeführt wurde, herrschte dichtes Schneetreiben. Wer im Dom keinen Platz fand, konnte damals, am vierten Adventssonntag, in die Lichtburg ausweichen. Direktübertragung. Public Viewing war auch draußen möglich. Vor der Großleinwand kauerten aber nur wenige Unermüdliche und verfolgten mit Glühwein in der Hand in die heilige Handlung.

Auch heute liegt der Domplatz wieder unter einer geschlossenen Schneedecke, die in diesem Jahr aber keine bunten Lichter des Riesenrads zum Glitzern bringt. Ein Zeichen für weißen, vorweihnachtlichen Frieden oder eine stramme Eiszeit in der Kirche von Essen?

Anfangssympathie schnell verblasst

Die Eiszeit-Theorie fände sicher sofort zahlreiche Anhänger. Harter Dogmatiker, stock-konservativ. Schwulenhasser, der lieber vor der eigenen Kirchentür kehren sollte: Töne, die das erste Amtsjahr von Franz-Josef Overbeck wie Trommelwirbel begleiteten. Dabei flogen dem Ex-Weihbischof von Münster anfangs vielleicht nicht die Herzen, doch aber die Sympathien zu. Mit 46 Jahren (immer noch) der jüngste Diözesanbischof Deutschlands. Groß, gebildet, eloquent bis zur Druckreife bei Pressekonferenzen. Und dass ihm soziale Themen in einer immer weniger kirchlich geprägten Region ein Herzensanliegen seien, das hing von Anfang an in der Luft bei seinen Ansprachen, wie Weihrauch im hohen Chor des Münsters.

Related contentDie Schonzeit war kurz. Eigentlich nur eine Woche. Dann kam die Lawine. Erste Skandale, auch aus Priesterkreisen bis in das Umfeld der bischöflichen Schaltzentrale, drangen an die Öffentlichkeit, wurden begierig aufgenommen. Priester, die den Zölibat nicht hielten - auf welche Weise auch immer -, oder die, viel schlimmer, in Missbrauchsfälle verwickelt waren, die lange vor Overbecks Zeiten höchst halbherzig „aufgeklärt“ wurden. Aber da, so scheint es, greift der vierte Ruhrbischof durch. Die Kirche habe sich schuldig gemacht, gibt er unumwunden zu. Aufklärung müsse lückenlos stattfinden.

Lesben- und Schwulenverbände liefen Sturm

Und dann kam Anne Will. Nicht nur Lesben- und Schwulenverbände liefen Sturm gegen einen, der seines Erachtens nicht weiter tat, als in einer pluralen, offenen Gesellschaft Wert- und Moralvorstellung der römisch-katholischen Weltkirche zu formulieren. Das wurde für Essens Bischof über Wochen zur medialen Rutschpartie, die erst ein Treffen mit Lesben- und Schwulen im Bischofshaus stoppte. Stock-Konservativ? Für andere eher klare Linie.

Overbecks Stärke scheint die persönliche Begegnung zu sein. Er besuchte in einem Jahr sämtliche Pfarreien des Bistums, regionale Gremien, sprach mit Menschen, die trauern, weil ihre Kirche geschlossen wird, ließ sich von Kindern interviewen, mischt sich ein, wenn es auch um weltweite soziale Fragen geht. Vielleicht sollte es im zweiten bischöflichen Amtsjahr eine echte Schonzeit geben. Zeitversetzt.