Erste Sekundarschule ist in Essen an den Start gegangen

Hans-Karl Reintjens
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Das Bistum Essen hat die erste Sekundarschule zwischen Karnap und Kettwig eröffnet.

Essen. Schule hat etwas mit Schatzsuche zu tun, sagt Adelheid Bohn. Schätze zu heben, die in jedem Kind stecken, Talente, Begabungen zu fördern, dafür hat sich die Pädagogin in Essen einen bislang einzigartigen Ort ausgesucht. Als erste Schulleiterin der ersten Sekundarschule in Essen will sie sich gemeinsam mit 175 Schülern und 14 Lehrern auf die Schatzsuche begeben.

Am Donnerstag öffnete die Bischöfliche Sekundarschule im Schulzentrum am Stoppenberg erstmals ihre Pforten. In sieben Klassen sind die Jungen und Mädchen noch in einem kleinen Trakt der Realschule untergebracht. Die wird nun ebenso wie die Hauptschule des Bistums jahrgangsweise auslaufen, um der neuen Schule Platz zu machen. Eine Schule, die künftig beide Bildungsgänge in sich vereint, dabei aber ganz neue Ansätze verfolgt.

Das Bistum als Vorreiter, der Stolz darauf, den nordrhein-westfälischen Schulfrieden im Landtag als erster in Essen aufgegriffen zu haben, schwingt an diesem Morgen in der großen Aula des Schulzentrums mit: „Gerade hier am Stoppenberg haben innovative Vorhaben eine lange Tradition“, sagt Harald Gesing für das Schuldezernat des Bistums.

Herausforderungen sind gestiegen

Die Gründung des Schulzentrums vor über 40 Jahren mit Gymnasium, Realschule und Hauptschule sei zum damaligen Zeitpunkt „eine zukunftsweisende Konstellation“ gewesen. „Die Herausforderungen an die Jugendlichen sind heute deutlich gestiegen in einem immer stärker technisierten und globalisierten Arbeitsmarkt“, so Gesing.

Darauf habe das Bistum reagiert, die neue Schulform biete die Möglichkeit, jeden Schüler individueller zu fördern, damit er den bestmöglichen Schulabschluss erreiche. Eine gute Bildung für Kinder und ein problemloser Zugang, dies sei ein zentraler Punkt für Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck: „Das ist für ihn eine der Zukunftsfragen der Gesellschaft.“

Gemeinsames längeres Lernen, ein neigungsorientierter Unterricht in Lerngruppen, zwei Lehrer als Klassenleiterteam, die enge Kooperation mit dem Gymnasium am Schulzentrum, das sich schon früh in die Begleitung möglicher Anwärter für die gymnasiale Oberstufe einschalten will, dies alles sieht das Bistum als Vorteil der neuen Schule.

Dass die Hauptschule ein Auslaufmodell sei, die Realschule den Erfordernissen nicht mehr genüge, damit habe man sich seit vier Jahren auseinander gesetzt und nach Antworten gesucht, sagt beispielsweise Realschul-Leiter Rolf Leitzen.Die Sekundarschule sei die richtige Antwort.

Schulkonferenzen in neun Stadtbezirken 

Dies zunächst übrigens mit einem kleinen Kollegium: 14 Lehrerinnen und Lehrer haben sich allesamt freiwillig und aus Überzeugung gemeldet und freuen sich auf die Herausforderung: „Eine spannende Aufgabe.“ Schulbücher gibt es zwar, aber die Klassen werden immer wieder mit unterschiedlichsten Materialien im Unterricht arbeiten, große Schrankwände in den Klassenräumen warten bereits auf das viele Papier.

„Die Prüfungsordnung wird erst im November vorliegen“, sagt Schulleiterin Adelheid Bohn. Auch die gemeinsame Organisation mit drei Kollegien (Sekundarschule, Haupt- und Realschule) und den jeweiligen Abordnungen, weil beispielsweise nicht jeder einen Musiklehrer hat, verlangt nach Abstimmung: „Es ist ein Start in ein neues Land“, sagt Harald Gesing.

"Nichts übers Knie brechen"

Ein Start, auf dessen Erfahrungen künftig möglicherweise die erste städtische Sekundarschule zurückgreifen kann. Derzeit laufen dazu Schulkonferenzen in allen neun Stadtbezirken, in drei Wochen will Essens Schuldezernent Peter Renzel die Runden abschließen.

Im NRZ-Gespräch machte er bereits deutlich, dass man im Bezirk I (Stadtmitte, Frillendorf, Huttrop) weitere Planungsgespräche beabsichtige. Letztendlich komme es dabei aber auf die Bereitschaft der Schulen an, den Weg einzuschlagen: „Wir werden nichts übers Knie brechen“, so Renzel, „das ist ein offener Prozess. Wir werden als Schulträger aber jede Schule auf diesem Weg unterstützen.“ In Stoppenberg sind sie überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war.